Freie Ausbildungsplätze

Diese Situation sind sie nicht gewohnt

Personalreferentin Karina Schmidt wirbt für die freien Ausbildungsstellen bei Rasspe Systemtechnik.
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Personalreferentin Karina Schmidt wirbt für die freien Ausbildungsstellen bei Rasspe Systemtechnik.

Landmaschinenhersteller Rasspe hat noch freie Ausbildungsstellen – Und teilweise unmotivierte Bewerber.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Wenn Frank Knieps eine Bewerbung auf den Tisch bekommt, dann nimmt er sich Zeit. Hauptschulabschluss, mäßige Note. Aber: ehrenamtlicher Einsatz für die Schülervertretung. „Da gucke ich direkt ein zweites Mal hin“, sagt Knieps, „das habe ich immer schon so gehalten.“ Anstatt nur auf die Zahlen und den Schulabschluss zu blicken, will der Personalleiter des Landmaschinenherstellers Rasspe Systemtechnik, der zur Schumacher Gruppe gehört, es genau wissen.

Wer versteckt sich hinter den Bewerbungsunterlagen? Was bringt er mit? Und was ist ihm wichtig? „Wenn sich ein junger Mensch ehrenamtlich engagiert, wenn er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Anstand und einen guten Ton mitbringt, wenn er verlässlich ist, dann wollen wir ihn auf jeden Fall kennenlernen“, sagt Knieps. „Oldschool-Faktoren“ nennt der Personalleiter diese Punkte in den Bewerbungsunterlagen: Viele unentschuldigte Fehlzeiten während der Schulzeit seien für ihn ein Argument, um einen Bewerber abzulehnen. Nicht die Noten im Zeugnis. Es gibt eine einwöchige Probearbeitszeit, um sich während des Bewerbungsverfahrens wirklich kennenlernen zu können.

Frank Knieps ist der Personalleiter.

Allerdings sind ihm in diesem Jahr deutlich weniger Bewerbungen auf den Tisch geflattert als sonst. „Bisher waren wir sehr verwöhnt“, sagt Frank Knieps, „sowohl was die Masse als auch was die Qualität der Bewerbungen anging.“ Sechs Ausbildungsplätze schreibt das Unternehmen jedes Jahr aus – für die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik und zur Fachkraft Metalltechnik in den Bereichen Montage und Zerspanung. Und für gewöhnlich bekam das Unternehmen diese Plätze bestens besetzt. In diesem Jahr sind noch drei Ausbildungsplätze für Metalltechniker frei. „Wir wissen nicht, warum es dieses Jahr deutlich weniger Bewerbungen gab“, sagt auch Personalreferentin Karina Schmidt, „aber wir wissen, dass es anderen Unternehmen auch so geht.“

Und leider habe auch die Qualität der Bewerbungen mehr und mehr nachgelassen: Statt echter Motivation träfe man im Bewerbungsgespräch dann auf eine „Null-Bock-Mentalität“. Begeisterte junge Menschen zu finden, werde schwieriger.

Während der Ausbildung gebe es für entsprechende Kandidaten die Möglichkeit, aufzusatteln – und in insgesamt dreieinhalb Jahren auch Industrie-, Zerspanungs- oder Werkzeugmechaniker zu werden. Die Azubis für die gewerblich-technischen Berufe verbringen das erste halbe Jahr in der Lehrwerkstatt der IHK in Solingen, mit der es eine Kooperation gibt. „Dort geht es vor allem um handwerkliche Grundkenntnisse“, sagt Knieps. Parallel läuft die Berufsschule. Einmal im Moment sind die jungen Leute aber im Betrieb in Wermelskirchen unterwegs – um in Kontakt zu bleiben. „Und weil wir wissen, dass die Auszubildenden auch noch bei ihrer Reifeentwicklung Begleitung gebrauchen können“, sagt der Personalleiter, „bei uns sind sie gut aufgehoben.“

Fachkräfte für Metalltechnik sind gleich zweifach gefordert: handwerklich und maschinell. „Das geht bei uns Hand in Hand“, sagt der Personalleiter und deutet auf den Knoter, den der Unternehmensstandort in Wermelskirchen in die ganze Welt verschickt. Von den USA bis China, von Deutschland bis nach Skandinavien: Dank des Knoters können Landwirte in Sekundenschnelle Heuballen binden. Fertigung, Zusammensetzung, Bau und Prüfung sind Sache der Fachleute in Wermelskirchen – und genau dort ist Nachwuchs gefragt.

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