Dienstleister fühlen sich unverstanden

Nageldesignerin Gabriella Ianelli fühlt sich hygienetechnisch bestens ausgestattet. Foto: Stephanie Licciardi
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Nageldesignerin Gabriella Ianelli fühlt sich hygienetechnisch bestens ausgestattet.

WGA-Reporterin hat sich bei Nageldesignerinnen und Kosmetikerinnen umgeschaut

Von Stephanie Licciardi

Das Stäbchen in der Hand der Apothekerin kommt langsam näher. Ich lehne mich zurück und nach wenigen Sekunden spüre ich lediglich in Prickeln in der Nase. Fertig. Ich reihe mich mit sechs anderen Personen vor dem Corona-Schnelltestzentrum ein. Nach 15 Minuten halte ich das Ergebnis in den Händen: negativ.

Dann kann es losgehen, mein erstes Ziel ist das Nagelstudio von Tina Bieker an der Berliner Straße. Seit mehr als 27 Jahren betreibt die Wermelskirchenerin ihr Studio. Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung für sie. „Die Notbremsen bedrohen sämtliche Studios der Branche“, erklärt Tina Bieker. „Mal heißt es, wir dürfen öffnen, dann heißt es, wieder schließen.“

Ein einziges Hin und Her erlebt Bieker seit einem Jahr. „Unsere Existenz ist genauso bedroht wie die der Gastronomen oder anderer Branchen.“ Das Thema Hygiene spielt für Bieker im Arbeitsalltag eine wichtige Rolle. „Nach jeder Behandlung wird desinfiziert und gelüftet.“ Ohne FFP2-Maske und einem Spuckschutz auf dem Arbeitstisch geht nichts. „Wir halten den Abstand ausreichend ein“, sagt sie. Vor der Maniküre lässt sie sich die Bescheinigung des Schnelltests zeigen. Das sei erfreulicher-weise, wie Bieker betont, für ihre Kundinnen kein Problem.

Rund 200 solcher Antigen-Schnelltests haben Gabriella Ruthenberg und ihr Team von Kosmetik Ruthenberg organisiert. „Das war ein regelrechter Krimi, diese Tests zu besorgen“, erzählt Gabriella Ruthenberg. Ihre Kunden konnten bis zur Schließung den Service sogar vor Ort nutzen. „Dafür haben wir extra separate Räume bereitgestellt.“

Ihr Team darf nur Behandlungen durchführen, wenn der Test negativ ist. Am Anfang stand die Idee im Raum, dass das Team der Kosmetikpraxis die Kunden selbst testen sollte. „Nach vielen Erkundigungen haben wir herausgefunden, dass es dafür keine Schulungen gibt.“ Auf Nachfrage beim Ortsverband Wermelskirchen des Deutschen Roten Kreuzes gab der ehrenamtliche Vorsitzende Rainer Hussels Auskunft: „Schulungen bieten wir vom Ortsverband Wermelskirchen nicht an.“ Hussels sei auch nicht bekannt, dass es zu Anfragen dieser Art kam oder andere Ortsverbände Schulungen anböten. Er rät: „Nutzen Sie die Angebote der Schnelltestzentren und Apotheken.“

Kosmetikerin ärgert sich über „ungleiche Behandlung“

Gabriella Ruthenberg ärgert sich über die aus ihrer Sicht ungleiche Behandlung verschiedener Berufssparten. „Es geht bei kosmetischen Behandlungen nicht nur um das kosmetische Erleben und Luxus. Viele Behandlungen sind medizinisch sogar notwendig.“ Ruthenberg weiter: „Wir therapieren Hautprobleme wie Akne oder andere Hautdramatiken, denn wir verstehen uns als Hautcoaches. Die Pandemie, die macht etwas mit unserer Haut.“

In der Nachbarstadt Remscheid-Lennep haben sich Pia Sanker und Denise Jansen dem Verband Nageldesigner Deutschland angeschlossen. Ihr Studio ist seit drei Wochen zu. „In finanzieller Hinsicht ist das eine Katastrophe“, weiß Pia Sanker. Sie hat nicht nur mit Umsatzeinbrüchen und verunsicherten Kunden zu tun. Sanker ist ratlos, wie es überhaupt weitergehen soll. „Wir möchten gehört und ernstgenommen werden.“ Dem schließen sich auch Gabriella Iannelli-Sayin und Heike Geus von HollywoodNails an. „Viele Behandlungen sind medizinisch sogar sinnvoll, etwa bei Nagelbruch, -knabbern oder bei Kundinnen, die eine Chemotherapie hinter sich haben.“

Pia Sanker, Tina Bieker und den Kolleginnen fehlt es insgesamt an Wertschätzung für ihren Beruf. Tina Bieker sagt: „Wir sind genauso systemrelevant wie Friseure. Und wir halten auch alle Auflagen wie desinfizieren und lüften nach jedem Kunden ein, sogar mehrfach am Tag. Und: Wir können sogar besser den Abstand von anderthalb Metern einhalten.“ Sie verstehen deshalb nicht, weshalb sie anders behandelt werden als andere.

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