Kunst

Die Zeichnerin sieht in Klecksen Tiere

Zeichnerin Sabine Rudersdorf gibt heute einen Kurs für Kinder.
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Zeichnerin Sabine Rudersdorf gibt heute einen Kurs für Kinder.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Sabine Rudersdorf ist bekannt für ihre Monsterbilder.

Wermelskirchen. Was könnte das wohl für ein Tier sein? Zuerst einmal ist es nur ein farbiger Klecks auf dem weißen Zeichenblock-Papier. Und dann? Ist es etwa ein Hund? Nein. Ein Schwein? Schon eher.

Heute trifft sich die Grafikerin Sabine Rudersdorf mit 12 angemeldeten Kindern im Familienhilfezentrum in Wermelskirchen. „Aus jedem Klecks entsteht ein Tier“ ist der Kurs überschrieben. Und genau darum geht es Sabine Rudersdorf. „Ich möchte die Kreativität der Kinder wecken“, sagt sie. „Wenn sie den Klecks aufs Bild haben tropfen lassen, können sie den Zeichenblock nehmen, ihn nach allen Seiten drehen und nach dem Tier Ausschau halten. Und es am Ende finden und dann mit einem Fineliner das Motiv herausarbeiten.“
Sabine Rudersdorf lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern – 10 und 12 Jahre – in Tente. „Mein Mann – eigentlich Groß- und Außenhandelskaufmann – ist handwerklich sehr geschickt und hat große Teile unseres Hauses selbst ausgebaut.“ Die gelernte Gestaltungstechnikerin ist im Westerwald aufgewachsen, hat dort die Hauptschule, die Realschule und das Wirtschaftsgymnasium besucht. „Eigentlich wollte ich studieren, doch dann habe ich mich für den Ausbildungsberuf in Köln entschieden.“

Kurz nach Weihnachten hat es in ihrem Atelier gebrannt. Eine Ursache konnte nicht ermittelt werden. „Es war ein Unglücksfall.“ Doch der Verlust lastet noch sehr auf ihren Schultern. „Unendlich viele meiner Zeichnungen, Postkarten und Bilder sind verloren gegangen“, sagt sie. „Ich warte jetzt auf den Moment, wo ich eine positive Sicht darauf bekomme, wo ich später sagen kann, wenn das mit dem Atelier nicht passiert wäre, hätte ich das und das nie angefangen.“

Sabine Rudersdorf zeichnet und malt von Kindesbeinen an. „Nach der Ausbildung habe ich erst einmal in verschiedenen Grafikstudios in Köln gearbeitet“, sagt sie. Sie sei froh, dass sie sich nicht mehr in den Agenturen verbiegen muss. „Seitdem meine Kinder auf der Welt sind, arbeite ich von zu Hause aus, als Kleinunternehmerin.“

Sie male Auftragsbilder zu Geburtstagen, zu Hochzeiten und anderen Jubiläen, sie fertige Postkarten an, beispielsweise vom Kaffeemonster, die es in der Buchhandlung van Wahden und im Krämerladen zu kaufen gibt. Sie gebe private Zeichen- und Malkurse. Vergangene Woche waren es zwei Mädels, nächste Woche eine ältere Dame mit ihrer Tochter und Nichte. „Ich vermittle andere Sicht- und Sehensweisen zeige, wie man Bilder locker und flockig malen kann, helfe den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Kurse über den Tellerrand hinauszuschauen.“

Flyer, Plakate, Postkarten für evangelische Gemeinde

Sabine Rudersdorf engagiert sich auch in der evangelischen Gemeinde in Tente. „Ich helfe Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski auch bei Plakaten, Postkarten oder Flyern“, sagt sie. „Oft ist es ehrenamtlich, manchmal bekomme ich auch einen Auftrag.“ Und in den Grundschulen Tente und Hünger hat sie geholfen, die Toilettenanlagen mit Bildern zu verschönern. „Das hat sehr viel Spaß gemacht.“ Und sie gibt auch Kurse in der Wermelskirchener Volkshochschule – für Kinder und Erwachsene.

Wenn Sabine Rudersdorf unterwegs ist, hat sie meist einen Skizzenblock mit dabei und Stifte. „Wenn ich alles nicht mithabe, nehme ich den Kugelschreiber“, sagt sie. Sie skizziere, was sie sehe, aber auch kreative Einfälle, wenn sie ihr in den Sinn kommen. Wie beispielsweise die Frage nach den Mettanfängen. Eine Skizze zeigt die Mettwurst mit ihren Mettenden. „Zum Beispiel sind mir dann verzauberte Mettanfänge eingefallen und schon werden sie aufs Papier gezaubert.“

So mischt sich bei der Grafikerin Berufliches und Privates oft durcheinander. „Aber das macht mein Leben sehr vielschichtig und lebendig“, sagt sie. Auch ihre Kinder und ihr Mann profitieren von ihrem Beruf. „Wir sitzen auch alle zusammen im Biergarten und zeichnen.“

Hintergrund

Pareidolie bezeichnet das Phänomen, in Dingen und Mustern Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände zu erkennen. Allgemeiner bezeichnet Pareidolie das Phänomen, ein in einem Bild erkanntes Muster auch auf andere Bilder so anwenden zu können, dass diese dem Muster nach ähnlich erscheinen.

Standpunkt von Susanne Koch: Das Leben wird bunter

susanne.koch@rga.de

Das Gute ist, dass Sabine Rudersdorf ihre Kreativität weitergeben möchte – an Kinder, aber auch an Erwachsene. Sie lernen durch die Grafikerin genauer hinzuschauen, beispielsweise in die Wolken zu gucken und dort tierische, menschliche, aber auch fantastische Figuren zu entdecken. Und das Gleiche können Sie dann selber mit ihren Klecksen auf Papier machen: Sie können finden, welches Tier oder welche Zwerge, Riese oder Kobolde dort versteckt sind und diese herausarbeiten. Mit ihren Monster-Postkarten, wie beispielsweise das Kaffeemonster, das Interessierte in der Buchhandlung van Wahden und im Krämerladen erwerben können, macht sie zudem ihre Umgebung bunter und freundlicher. Zum Beispiel auch damit, dass sie Grundschultoiletten in Tente und Hünger bemalt oder als Auftragsarbeit einem Rollstuhlfahrer die Radkappen neu gestaltet hat. Sabine Rudersdorf hat bereits viel Schönes geschaffen. 

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