Menschenwürdiges Verhalten ist gefragt

Die Stadt Wermelskirchen sucht Wohnraum für Flüchtlinge

Die Stadt Wermelskirchen sucht Wohnraum für Flüchtlinge. Archivfoto: Christian Beier
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Die Stadt Wermelskirchen sucht Wohnraum für Flüchtlinge.

Wir können es uns nicht wirklich vorstellen. Vorstellen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen, seine Wohnung oder sein Haus aufzugeben.

Von Susanne Koch

Zu fliehen mit dem nötigsten. Zu fliehen vor Bomben, Gewalt und Hass. Wir, wir können nur die Flüchtlinge, die es bis nach Deutschland geschafft haben, willkommen heißen und für eine menschenwürdige Unterbringung sorgen.

Doch das ist nicht so einfach: Die Stadt Wermelskirchen sucht in den nächsten Wochen und Monaten Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen, um den betroffenen Menschen eine angemessene Unterbringung gewährleisten zu können. „Wir haben den Hinweis vom Land bekommen, dass wir wieder aufnehmen müssen, mehr wissen wir aber noch nicht“, sagt Tanja Dehnen vom Amt für Soziales und Inklusion. „Wir brauchen dringend Wohnungen, auch schon für Zugewanderte, die länger da sind, und deren Asylantrag anerkannt wurde.“

Besonders große Wohnungen fehlen für Familien ab fünf Personen.“

Brigitte Krips, „Willkommen in Wermelskirchen“

Ins gleiche Horn bläst Brigitte Krips, die sich bei „Willkommen in Wermelskirchen“ engagiert. „Wir suchen auch händeringend Wohnraum für Familien, die wir betreuen. Besonders große Wohnungen fehlen für Familien ab fünf Personen.“ Außerdem sei es für geflüchtete Menschen nicht ganz einfach, Wohnraum zu finden. Es seien Vorurteile da, beobachtet Brigitte Krips. „Und da würden wir gerne gegen angehen.“

Die Stadt Wermelskirchen hat derzeit 278 Personen mit Zuwanderergeschichte in Gemeinschaftsunterkünften oder aber Wohnungen untergebracht. Sie liegen an 36 Standorten. „Darunter sind städtische Häuser genauso wie frei vermietete Wohnungen“, sagt Tanja Dehnen. „Wichtig ist, dass die Wohnungen auch bezahlbar bleiben müssen. Und das ist ein ganz schwieriger Faktor bei unserer Wohnungssuche.“ Denn auch „Wir in Wermelskirchen“ sucht gemeinsam mit Flüchtlingen große Wohnungen.

Bei Sprachproblemen wird ein Dolmetscher gesucht

Wenn die Flüchtlinge nach Wermelskirchen kommen, werden sie erst einmal von der Kommune begrüßt. „Anschließend vermitteln wir sie in eine geeignete Unterkunft“, sagt Tanja Dehnen. „Wenn es Sprachprobleme gibt, dann suchen wir Hilfe“, sagt sie. „Mit den Sprachen Englisch, Französisch, Arabisch und Spanisch, das Kolleginnen und Kollegen im Amt sprechen, kommen wir schon viel weiter.“ Auch die Wege, die die Flüchtlingen zurücklegen müssen, seien nicht sehr weit. „Da haben wir gute Bedingungen“, sagt Tanja Dehnen.

„Menschen, die keine Waschmaschine haben, können dort waschen.“

Brigitte Krips

„Wllkommen in Wermelskirchen“ ist ein Zusammenschluss von kirchlichen Gemeinden und Zivilpersonen, die sich aktiv für Flüchtlinge einsetzen. „Wir arbeiten ehrenamtlich“, sagt Brigitte Krips. „Wir begleiten die Menschen zu Behörden, Beratungsstellen oder zu Ärzten“, erklärt sie weiter. „Und wir geben Sprachkurse.“ Sie selbst sei öfter im Waschcafé, Eich 4c, anzutreffen. „Das Waschcafé hat verschiedene Funktionen“, sagt Brigitte Krips. „Menschen, die keine Waschmaschine haben, können dort waschen.“ Die zweite Funktion des Treffpunktes ist es, dort den Flüchtlingen Raum zu geben, ihre Beratung zu bekommen, ihre Papiere mit Unterstützung zu ordnen und auszufüllen oder Hilfen bei der Wohnungssuche zu bekommen.

Durch die Corona-Pandemie musste aber auch die Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ ihr Angebot herunterfahren. „Wir gestalten jetzt alles so, dass wir das mit Corona vereinbaren können“, sagt Brigitte Krips. „Die Beratungen finden aber statt.“ | Standpunkt

INFORMATIONEN

Initiative: „Willkommen in Wermelskirchen“ ist eine Initiative von Christen für Flüchtlinge und Asylsuchende. Sie will die Zufluchtssuchenden unterstützen, sich in unserer Gesellschaft schnell zurecht zu finden. Das Gestalten einer Willkommenskultur sieht die Initiative in der Tradition des christlichen Glaubens. Gastfreundschaft, Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Fürsorglichkeit sind christliche Werte, für die die Initiative eintritt.

Standpunkt: Die Stadt braucht Hilfe

Von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Wermelskirchen macht sich schon früh auf die Suche nach Wohnungen, damit die Stadt dann, wenn sie die neu angereisten Flüchtlinge unterbringen muss, dieses auch tun kann. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp geworden. Besonders große Wohnungen fehlen für Familien mit mehreren Kindern. Das wird vom Verein „Willkommen in Wermelskirchen“ bestätigt. Leider spielen wohl auch Vorurteile bei der Wohnungsvergabe eine Rolle. So werden Wohnungen weniger gerne an Familien weitergegeben, deren Frau und Mutter ein Kopftuch trägt. Und das ist schade: Wer Kontakt zu Frauen aus arabischen oder afrikanischen Ländern hat, der merkt schnell, dass sie genau die gleichen Probleme haben wie jeder andere Mensch. Und das es sogar eine Bereicherung für uns Urdeutsche ist, die anderen Kulturen kennenzulernen, sich mit ihrer Religion auseinanderzusetzen und sogar nach Übereinstimmungen zu suchen.

Ich wünsche der Stadt Wermelskirchen und auch der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ viel Erfolg bei ihrer Wohnungssuche für die geflüchteten Menschen. Damit sie sich in Wermelskirchen willkommen fühlen.

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