Restaurant

Die Neuemühle übersteht alle Krisen

Inhaberin Wiebke Büngen weiß, was sie an ihrem Restaurant hat.
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Inhaberin Wiebke Büngen weiß, was sie an ihrem Restaurant hat.

Inhaberin Wiebke Büngen hat ihren Optimismus trotz Hochwasser und Pandemie nicht verloren.

Von Peter Klohs

Wiebke Büngen weiß, was sie will. Und – vielleicht noch wichtiger: Sie weiß, was sie hat. Ihr Restaurant, die Neuemühle, liegt idyllisch mitten im Wald im Eifgenbachtal. Die ursprüngliche Kornmühle wurde in der Mitte der 1820er Jahre erbaut und steht heute unter Denkmalschutz. Das Getriebe der Mühle ist original erhalten und ist im Untergeschoss des Hauses zu besichtigen. Im ebenfalls erhaltenen Königswinterofen wird einmal im Monat auf der mehr als fünf Quadratmeter großen Fläche eigenes Brot gebacken. „Immer am zweiten Freitag jeden Monats“, erklärt die junge Frau. „Das machen wir seit drei Jahren.“

Die Neuemühle liegt unmittelbar am Jakobsweg. Vielleicht auch ein Grund, warum sich die Besucher des Restaurants, das die Inhaberin gerne als „Ausflugslokal“ beschreibt, zur Hauptsache aus Ausflüglern und Wanderern zusammensetzen. „Früher hieß das Haus ‚Kartoffelhaus‘ und wurde von Arno Lichtenscheidt betrieben. Das war eine Institution hier in der Gegend.“

Nachdem ihre Eltern das Haus im Eifgental gekauft hatten, wurde der Wunsch Wiebkes Büngens, diese Mühle als Restaurant zu betreiben, immer deutlicher spürbar. „Ich habe dann eine Kochlehre begonnen und abgeschlossen“, erinnert sie sich an die Lehrzeit im ehemaligen Hotel Maria in der Aue.

Sie übernahm die Neuemühle im Jahr 2011. Schon immer ist ihr die Verwendung von regionalen Produkten wichtig gewesen. Auf der Speisenkarte tummeln sich nach wie vor viele Kartoffelgerichte. Sehr besonders scheint das Gericht „Hans sein Schnitzel in Perfektion“ zu sein. Wiebke Büngen lacht: „Mein Opa Hans war leidenschaftlicher Jäger, und das ist eine Hommage an ihn: ein sehr ausgefuchstes Jägerschnitzel mit Spiegelei, eine jahrelang gewachsene Kreation.“

Wiebke Büngen und ihr Restaurant hatten schwierige und dunkle Zeiten zu überstehen. In der harten Corona-Zeit wurden die Ruhetage von ehemals zwei auf drei ausgeweitet. „Wir sind aber trotzdem ganz gut durch die Pandemie gekommen“, findet die Restaurant-Chefin. „Die Hilfen des Staates haben uns sehr gut geholfen. Und ich habe einen extrem guten Steuerberater, der uns hervorragend durch die Krise gelotst hat. Ein größeres ‚Danke‘, als ich es unserem Team in der Neuenmühle aussprechen muss, gibt es gar nicht.“ Es sei ein richtiges Miteinander, ein Bilderbuchbeispiel von „einer für den anderen“ gewesen.

Dann kam die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021. Der Eifgenbach und der ebenfalls vorbeifließende Braunsberger Bach wuchsen in Stunden auf das Mehrfache ihrer eigentlichen Größe an und überschwemmte das Tal in den Wermelskirchener Tiefenlagen. „Wir hatten Glück im Unglück“, weiß Wiebke Büngen. „Wir hatten Sand und füllten den in Kissenbezüge, eine tolle Idee meiner Mutter. Und wir hatten eine große Pumpe, die uns den größten Schwall Wasser erspart hat. Und am nächsten Tag standen 25 Helfer vor unserer Tür und haben geholfen, die Schäden zu beseitigen. Unser altes Team kam, unser neues ebenso, Freunde, Bekannte. Das war unglaublich.“ Allen schulde sie ein riesengroßes Dankeschön.

„Wir dürfen und werden unseren Humor nicht verlieren“, sagt die Mühleninhaberin überzeugt.

„Wir werden noch zwei oder drei schwere Jahre erleben, in denen wir zusammenrücken müssen. Aber wir werden es schaffen. Man muss halt selber mit anpacken, seine Mitarbeiter ordentlich anmelden und auch mit etwas weniger Einnahmen zufrieden sein.“ Die Gastronomieszene hat sich gewandelt, findet Wiebke Büngen. „Und das war auch nötig. Diejenigen, die ihr Restaurant nicht ordentlich geführt haben, haben in der Corona-Krise deutliche Einbrüche hinnehmen müssen, bis hin zu Schließungen. Aber diejenigen, die immer alles korrekt gemacht haben, konnten von den Hilfen des Staates überleben.“ Ihre Kontakte zu Wermelskirchener Kollegen sind recht dünn, möglicherweise gerade deswegen.

Aber bereut hat die Inhaberin der Neuenmühle ihre Entscheidung nie. „Auch in den dunklen Zeiten nicht.“

Hintergrund

Wiebke Büngen wurde 1989 in Wermelskirchen geboren und leitet seit Oktober 2011 die Neuemühle. Das Restaurant ist trotz der Baustelle auf der L 101 aus Richtung Wermelskirchen gut zu erreichen. Geöffnet ist donnerstags bis samstags ab 16 Uhr und sonn- und feiertags bereits ab 12 Uhr. Warme Küche gibt es bis 20 Uhr. Neuester Hit auf der Speisenkarte sind Mühlen-Tapas.

restaurant-neuemuehle.de

Standpunkt: Richtige Einstellung

anja.siebel@rga.de

Gastronomin oder Gastronom zu sein, das ist ohnehin nicht einfach. Es gibt eine Menge zu tun, die Investitionen sind zudem so hoch wie bei kaum anderen Selbstständigen. Und die vergangenen zwei Jahre der Corona-Pandemie waren ohnehin gerade für die Gastronomen eine riesige Herausforderung. Dass man aus all dem aber auch etwas Positives machen kann, wenn man schon im Voraus geschickt plant, beweist Wiebke Büngen.

Die Unternehmerin hält in ihrer Neuemühle mit ihrem Team tapfer die Stellung. Und sagt das wohl einzig Richtige: „Wir dürfen unseren Humor nicht verlieren“. Es ist schön zu sehen, dass es auch nach der schweren Zeit Gastronomiebetriebe gibt, die offenbar ganz gut durch die Krise gekommen sind. Sich zumindest durchgekämpft haben. Ihnen ist zu wünschen, dass das so oder noch viel besser weitergeht. Denn was wäre die Stadt ohne Gastronomie zum Einkehren und Wohlfühlen? Ziemlich traurig.

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