Belastende Wochen

Die Musikschulleiterin hat gekündigt

Celia Spielmann verlässt die Musikschule und tritt einen neuen Job an. Die letzten Wochen waren belastend.
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Celia Spielmann verlässt die Musikschule und tritt einen neuen Job an. Die letzten Wochen waren belastend.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Celia Spielmann sagt, sie wolle ihre Arbeit nicht mehr rechtfertigen müssen.

Wermelskirchen. Celia Spielmann, seit August 2020, Leiterin der Wermelskirchener Musikschule, hat ihren Job gekündigt. Wie sie selbst sagt, wird sie nach den Sommerferien eine Stelle als Musikschulleiterin in einer anderen Stadt annehmen. „Wo das ist, darüber kann ich noch nicht sprechen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, sagt die 42-Jährige auf WGA-Nachfrage.

Ihre Kündigung habe zum einen persönliche Gründe. Zum anderen hätten aber auch die neuerlichen Diskussionen zu ihrem Entschluss beigetragen. „Ich bin nicht bereit, mein restliches Berufsleben damit zu verbringen, meine Arbeit rechtfertigen zu müssen“, unterstreicht die Musikerin.

Ich bin nicht angetreten, um zu schauen, wo überall der Rotstift angesetzt werden muss.

Celia Spielmann

Wie berichtet, war in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses die Entscheidung gefallen, die Musikschule von städtischer Seite mit 30 000 Euro zu unterstützen. Die sollen indes dafür aufgewendet werden, die finanzielle Situation der Schule extern prüfen zu lassen. Dem Beschluss, den die Ortspolitiker fraktionsübergreifend getroffen hatten, waren hitzige Diskussionen vorausgegangen.

„Ich freue mich unglaublich über meine neue Tätigkeit an diesem wunderschönen Standort“, hatte Spielmann im August 2020 noch gesagt, als die Gitarristin mit ihrer Familie aus Shanghai ins Bergische gezogen war und ihre Stelle in Wermelskirchen angetreten hatte. „Das war auch damals so“, sagt sie heute. Mit finanziellen Problemen hatte die Musikschule damals schon zu kämpfen.

Zusammen mit der Vorsitzenden des Trägervereins, Anke Schopphoff, hatte Spielmann auch im zuständigen Fachausschuss schon kurz nach Antritt ihrer Stelle darauf hingewiesen. „Ich hatte auch immer den Glauben, das stößt auf großes Verständnis und die Musikschule genieße gerade in Wermelskirchen einen hohen Stellenwert. Jetzt habe ich aber das Gefühl, dass das auch in der Verwaltung inzwischen anders gesehen wird.“

3,7 fest angestellte Mitarbeitende habe die Musikschule inzwischen nur noch. Der restliche Teil der Lehrer dort bestehe aus Honorarkräften. „Und die festen Mitarbeiter arbeiten am Limit, übernehmen zum Beispiel den Frühförder-Unterricht in Schulen und Kindergärten, der uns am Herzen liegt.“ In anderen Städten, zum Beispiel in Leverkusen, seien in den Musikschulen fast nur Festangestellte tätig. „Natürlich ist dann auch eine Menge mehr möglich, auch an musikpädagogischer Arbeit“, sagt Spielmann.

Angesichts des großen Engagements, das alle Mitarbeitenden für die Musikschule aufbringen, bedaure sie ihren Weggang. Und für ihre Schüler, die ihr mit den Jahren vertraut geworden seien. „Aber die politische Diskussion, die da jetzt entbrannt ist, möchte ich nicht mehr mit tragen.“ Sie sei angetreten, um Musik zu machen, das kulturelle Leben in der Stadt zu bereichern. „Und nicht, um täglich zu schauen, wo noch der Rotstift angesetzt werden muss, um als Schule überleben zu können“, sagt sie.

Für den Trägerverein ist der Weggang von Celia Spielmann „eine ganz bittere Pille“, wie die Vorsitzende Anke Schopphoff unterstreicht. „Sie war eine hervorragende Musikschulleiterin, die für uns eine Menge erreicht hat“, sagt Schopphoff. Es werde gerade in der momentanen Krisensituation der Musikschule „unglaublich schwer“ werden, einen geeigneten Nachfolger zu finden. „Ich kann ihre Entscheidung absolut verstehen und hätte es wahrscheinlich genau so gemacht“, räumt Schopphoff ein.

„Aber für uns, die Mitarbeitenden und auch die Schüler und deren Eltern, ist das wirklich eine Katastrophe. Das müssen wir erst einmal verdauen.“ Celia Spielmann geht mit einem blutenden Herzen aus Wermelskirchen weg, wie sie selbst sagt: „Ich hoffe, dass ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin die Aufgabe mit ähnlich hohem Engagement angeht. Der tollen Musikschule ist das zu wünschen.“

Zur Person

Celia Spielmann studierte Instrumentalpädagogik an der Musikhochschule Köln. 2006 schloss sie ihr künstlerisches Studium an der Hochschule für Musik Detmold ab und beendete 2008 ihre Studien mit dem Konzertexamen an der Hochschule für Musik & Theater Hamburg.

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