Krankheit

„Die meisten leben gut mit Asthma“

Arne Scholz ist Oberarzt der Inneren Medizin am Krankenhaus Wermelskirchen.
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Arne Scholz ist Oberarzt der Inneren Medizin am Krankenhaus Wermelskirchen.

Arne Scholz, Oberarzt am Wermelskirchener Krankenhaus, spricht über die Erkrankung und ihre Ursachen.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Herr Scholz, was genau versteht man unter Asthma?

Arne Scholz: Bei Asthma handelt es sich um eine durchaus häufige chronische Erkrankung. Charakteristisch für eine Asthma-Erkrankung sind Entzündungen und Empfindlichkeiten der Atemwege und einer typischen Engstellung der Atemwege, der sogenannten Bronchokonstriktion. Das kann relativ plötzlich auftreten im Rahmen eines Asthma-Anfalls. Die Auswirkungen, die der Betroffene erlebt, sind plötzliche Atemnot-Attacken oder Luftnot unter Belastung.

Wie viele Menschen sind davon etwa betroffen?

Scholz: Man geht von ungefähr sechs Prozent der Erwachsenen aus, Frauen sind dabei etwas häufiger betroffen. Nach Geschlechtern aufgeteilt könnte man also sagen: Rund fünf Prozent der Männer und rund sieben Prozent der Frauen sind von Asthma betroffen.

Die Mehrheit der Patienten hat gut gelernt, damit umzugehen.

Arne Scholz

Wie sieht es bei Kindern aus?

Scholz: Tatsächlich sieht es bei den Häufigkeiten hier ganz ähnlich wie bei den Erwachsenen aus. Die Verläufe können allerdings sehr unterschiedlich sein. Wenn Kinder im frühen Schulkindalter erkranken, kann es sein, dass sich das Asthma in der Pubertät sozusagen auswächst. Es kann aber ebenso sein, dass die Erkrankung nicht verschwindet und man das Asthma sein Leben lang behält.

Was sind die Ursachen für die Erkrankung?

Scholz: Wir wissen, dass es eine genetische Veranlagung für Asthma gibt. Andere Ursachen sind ganz unterschiedliche Allergene. Man diskutiert derzeit auch, dass Infektionskrankheiten im Kindesalter zu Asthma führen können. Daneben wird auch viel darüber geforscht, inwieweit Umwelteinflüsse eine Rolle spielen können. Es gibt Hinweise, dass Kinder in ländlicher Umgebung weniger oft betroffen sind, aber warum das so ist, ist nicht klar. Insgesamt geht man wohl davon aus, dass das Aufwachsen in einer sterilen Umgebung gar nicht so gut ist. Endgültig geklärt ist das aber nicht.

Was sind Risikofaktoren in der Lebensweise?

Scholz: Bei einem bestehenden Asthma kann sich das Rauchen auf jeden Fall ungünstig auswirken. Wenn Allergien vorhanden sind, sollte man diese allergenen Situationen und Stoffe natürlich meiden. Übergewicht ist ungünstig, ansonsten gibt es auch Berufe, die öfter von asthmatischen Erkrankungen betroffen sind – man denke nur an den Klassiker „Bäcker-Asthma“.

Gibt es besonders gefährdete Gruppen?

Scholz: Die bereits erwähnten Berufsgruppen mit der Exposition zu entsprechenden Allergenen gehören tatsächlich zu den eher gefährdeten Gruppen. Und, das zeigen die Zahlen, Frauen sind im Erwachsenenalter eher betroffen. Insgesamt gibt es bei Asthma aber sehr vielfältige Ursachen und Faktoren, die zu einer Erkrankung führen können.

 Gibt es Möglichkeiten, das Risiko, an Asthma zu erkranken, zu minimieren?

Scholz: Meistens geht es ja um Patienten, die bereits betroffen sind. Und da sagt man, dass Verzicht auf Rauchen, ein gesundes Leben und körperliche Aktivität sich positiv auswirken können. Aber dass man nun das Auftreten einer Erkrankung irgendwie verhindern könnte, geht eigentlich nicht. Auch wenn jemand etwa ein allergisches Asthma entwickelt, dann passiert das ja, ohne, dass er davon weiß, sondern wenn er den entsprechenden Allergenen ausgesetzt ist. Letztlich kann man nur das Leben mit Asthma beeinflussen – in diesem Fall etwa durch die Vermeidung der Allergene.

In welchem Lebensalter tritt die Diagnose gehäuft auf?

Scholz: Das hält sich tatsächlich fast die Waage zwischen Kindern und Erwachsenen. Wobei Kinder, wie bereits gesagt, mit etwas Glück als Erwachsene nicht mehr betroffen sind.

Was bedeutet die Diagnose für den Betroffenen?

Scholz: Mit Hilfe von unterschiedlichen Medikamenten kann man das Asthma oft gut in den Griff bekommen. Die Zielsetzung ist, dass insgesamt möglichst selten Symptome auftreten, die den Lebensalltag der Betroffenen auch möglichst wenig einschränken. Es gibt da ein Stufensystem, an dem man sich orientieren kann. Es gibt Leute, die drei bis vier Asthmaanfälle pro Jahr haben. Die können durch Bedarfsmedikation – etwa mit Dosier-Aerosolen, die im Fall eines Anfalls genommen werden – sehr gut leben. Andere brauchen das wöchentlich mehrfach – und benötigen dann eine Dauermedikation mit cortisonhaltigen Medikamenten, als Spray oder Pulver-Inhaler.

Kann man insgesamt mit einer Asthma-Erkrankung gut leben?

Scholz: Ja, das würde ich schon sagen. Die meisten Betroffenen können gut mit Asthma leben. Das ist auch der Grund, warum wir hier im Krankenhaus auch eher selten Patienten mit einer akuten Asthmaerkrankung sehen. Denn viele der Fälle lassen sich ambulant mit dem Hausarzt oder einem Facharzt gut einstellen. Wichtig ist, dass die Betroffenen gut geschult sind, um ihr Asthma zu beobachten und bei Beschwerdezunahme zum Arzt gehen, um die Therapie dann anzupassen. Es ist eine chronische Erkrankung, die fraglos eine Belastung im Alltag darstellt – aber die Mehrheit der Patienten hat gut gelernt, damit umzugehen.

Gibt es noch schwerwiegendere Folgeerkrankungen einer Asthma-Erkrankung – etwa COPD? 

Scholz: COPD ist eigentlich eine von Asthma getrennt zu betrachtende Erkrankung, die vor allem durch übermäßiges Rauchen auftritt. Was es allerdings gibt, ist eine Folge, die durch die chronische Entzündung der Atemwege bei einer jahrelang schlecht eingestellten Asthma-Erkrankung entstehen kann: nämlich eine strukturelle Veränderung der Lunge. Das ähnelt dann vom Krankheitsbild ein wenig der COPD, ist aber dennoch etwas anderes. Ein Rat wäre daher, dass man sich mit einer Asthma-Erkrankung auf jeden Fall in engmaschige und umfassende ärztliche Behandlung begeben sollte.

Was ist der Unterschied zwischen allergischem Asthma und „normalem“ Asthma?

Scholz: Von der Symptomatik sind beide Formen sehr ähnlich. Der große Unterschied ist, dass die Auslöser für Anfälle beim allergischen Asthma Allergene sind – etwa Tierhaare. Bei nicht-allergischem Asthma sind die Auslöser unspezifischer. Wobei es auch passieren kann, dass ein allergisches Asthma über die Jahre auch durch Atemwegsinfekte oder andere unspezifische Faktoren ausgelöst werden. Von dem her können irgendwann die Grenzen verschwimmen.

Wie kann eine medizinische Behandlung aussehen?

Scholz: In erster Linie sind es Sprays oder Pulver. Man setzt schon früh niedrig dosiertes Cortison ein, da das eine entzündungshemmende Wirkung hat. Bedarfsmedikamente, die schnell wirken müssen, weiten die Bronchien. Neuere Medikamente für schwierig zu kontrollierendes Asthma, das man mit konventioneller Therapie nicht eingestellt bekommt, basieren auf dem Einsatz von Antikörpern, die Entzündungsprozesse hemmen sollen. Diese Medikamente sind aber sehr speziell und auch sehr teuer sowie nicht für jeden Patienten gleichermaßen geeignet.

Kann man Asthma eigentlich auch sterben?

Scholz: Theoretisch ist es möglich, an einem Asthmaanfall versterben kann, wenn dieser sehr massiv ist. Aber das ist wirklich sehr selten. In der Regel sind Asthmatiker mit ihren Notfallmedikamenten gut ausgerüstet, zur Not könnte auch der Rettungssanitäter durch intravenöse Medikamentengabe helfen. Es gibt so schwere Asthmaanfälle, die zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen können – aber dass sie wirklich zum Tod führen, ist eher selten.

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