Weihnachten 2021

Die Krippe bleibt bis Anfang Januar

Stolz auf „seine“ Krippe in St. Michael ist Heinz Vogt. Er kümmert sich seit mehreren Jahren um Figuren und Aufstellung. Foto: Peter Klohs
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Stolz auf „seine“ Krippe in St. Michael ist Heinz Vogt. Er kümmert sich seit mehreren Jahren um Figuren und Aufstellung.

Heinz Vogt ist Hausmeister in St. Michael und kümmert sich um Maria, Josef und das Christkind

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Eine der in den Tagen von Weihnachten bis nach dem Dreikönigstag liebgewonnenen Traditionen der kirchlichen Gemeinden landauf und landab ist das Aufstellen einer Krippe, zumeist im Kircheninnenraum. Traditionelle Darstellungen von Maria, Josef und dem Jesuskind sind dabei in der Mehrheit, aber es gibt auch modernere Auffassungen der biblischen Szene. In der katholischen Gemeinde St. Michael und Apollinaris gibt es beides. | Kasten.

Die gewiss drei Meter hohe Krippe steht in St. Michael an der Kölner Straße. Ein leuchtender Stern erhöht die Basis der Krippe nicht unwesentlich. Maria und Josef sind zu sehen, Hirten beten den Heiland an, ein Ochse und ein Esel schauen neugierig, den Stall bedeckt ein Schieferdach, grüne Schlagladen können bei Bedarf für Abdunklung sorgen, das Jesuskind liegt auf Stroh.

Heinz Vogt ist unter anderem für den Krippenaufbau verantwortlich. Der Hausmeister der Kirche St. Michael und der benachbarten Kindertagesstätte ist in diesem Jahr zum wiederholten Male tätig.

„Ich mache das jetzt acht oder neun Jahre“, berichtet er und legt Wert auf die Tatsache, dass er das Jesuskind ausschließlich für das Foto in die Krippe gelegt hat. „Normalerweise wird das Jesuskind in der Kinderchristmette am 24. Dezember in die Krippe gelegt“, weiß Vogt. „Das ist für die Kinder auch immer wieder etwas Besonderes. Ich hoffe, die am heiligen Abend geltenden Coronaregeln gestatten das ohne großes Wenn und Aber.“

Heinz Vogt wurde vor knapp zehn Jahren von der Gemeinde angesprochen. „Mein Vorgänger war in die Jahre gekommen und konnte sich nicht mehr mit dem christlichen Brauch des Krippenaufstellens befassen“, erinnert er sich. „Und da fragte mich die Gemeinde, ob ich mir das vorstellen könnte.“

Aber auch zur Geschichte der aktuellen Krippe weiß Heinz Vogt Einiges zu erzählen. „Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts besaß die Gemeinde eine Krippe aus Gips. Die war im Laufe der Zeit reichlich abgenutzt und gab optisch nicht mehr viel her. Dann fanden sich unterschiedliche Gemeindemitglieder zusammen, um diese Krippe hier zu gestalten. Es ist eine bergische Krippe und eher traditionell gehalten. Einer der Gestalter besaß die Fähigkeit, gut schnitzen zu können, und dessen haben wir uns natürlich gerne bedient. Alle sichtbaren Körperteile der Menschen, Hände und Köpfe, sind geschnitzt. Der Rest ist aus Pappmaché. Mit allen Figuren, die uns zur Verfügung stehen, ist die Krippe noch größer und beeindruckender, aber dann würde sie an diese Stelle in St. Michael nicht mehr hineinpassen. Wir haben die Krippe in diesem Jahr am Samstag vor dem vierten Advent aufgebaut. In normalen Zeiten bleibt sie bis zum 2. Februar hier stehen, in diesem Jahr wird sie in der Woche nach dem Dreikönigstag am 6. Januar abgebaut.“

„In diesem Jahr habe ich eine besondere Geste eingebaut.“

Heinz Vogt

Heinz Vogt begleitet die Geschichte der Krippe in St. Michael mit Begeisterung und Herzblut. „In diesem Jahr habe ich eine besondere Geste bei den Krippenpersonen sozusagen eingebaut“, verrät er und macht aus seiner Freude, dass Besucher der Krippe dies sehr wohl bemerkt haben, keinen Hehl. „Sehen Sie“, sagt er und deutet auf Josef. „Der hat seinen linken Arm auf die linke Schulter von Maria gelegt. Das ist ein Zeichen, dass er sie angenommen hat und zu ihr steht, was zu damaligen Zeiten alles andere als üblich war. Aber ich fand, dass diese Geste angemessen war. Zwei Mitglieder der Gemeinde kamen auf mich zu und sagten: Was für ein schönes Sinnbild. Das freut mich natürlich sehr.“

Heinz Vogt wünscht sich, dass sehr viele Besucher die Krippe anschauen sollen. „Und nicht nur unsere“, fügt er hinzu. „Die Krippe der evangelischen Kollegen hier in Wermelskirchen ist auch sehr schön.“

Hintergrund

Kurz nach dem Weihnachtsfest wird eine zweite Krippe im Außenbereich von St. Michael aufgestellt: eine modernere Ansicht des Heiligen Paares und des Jesuskindes. Die Personen werden für die Besucher nur angedeutet zu sehe sein, so dass die eigene Vorstellungskraft gefragt ist.

Standpunkt

nadja.lehmann@rga.de

Kommentar von Nadja Lehmann

Er habe, so erzählt es Heinz Vogt, in diesem Jahr eine besondere Geste in die Figurenaufstellung eingearbeitet: Josef legt seinen Arm auf Marias Schulter – als Zeichen, dass er sie angenommen hat. Das sei keineswegs üblich gewesen, sagt Vogt. Es ist eine Geste, die damals so gebraucht wurde wie heute. Dass man angenommen wird, wahrgenommen, gesehen. Die Pandemie hat unsere Bedürftigkeit offen gelegt, hat unsere Verletzlichkeit viel sichtbarer gemacht. Unsere Verletzlichkeit im Weltgefüge, in dem wir nur ein kleines Rädchen sind, dem mehr Demut gut zu Gesicht stünde. Unsere Verletzlichkeit gegenüber dem Mitmenschen, gegenüber Krankheit und Tod. Heinz Vogt lässt den Josef etwas machen, was wir alle brauchen, nicht nur zu Weihnachten. Er vermittelt Akzeptanz und Nähe. Gerade in diesen Tagen ist nochmals eine gute Zeit, um innezuhalten, manches Revue passieren zu lassen, nachzudenken. Lieb gewonnene Rituale, wie eine Krippe zu betrachten, eine Kerze anzuzünden, die Lichterkette leuchten zu lassen – sie helfen, Nähe und Wärme herzustellen, wenn Corona sie in gewohnter Form noch immer verhindert.

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