Unterstützung für Geflüchtete

Solidarität mit Ukraine: Die Kirche steht Familien zur Seite

Der evangelische Posaunenchor spielte am Sonntagabend „Friedenslieder“ vor dem Rathaus. Foto: Theresa Demski
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Der evangelische Posaunenchor spielte am Sonntagabend „Friedenslieder“ vor dem Rathaus.

„Willkommen in Wermelskirchen“ hat Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine zugesichert.

Von Anja Carolina Siebel

Pfarrer Manfred Jetter von der Evangelischen Stadtkirchengemeinde hört in diesen Tagen viel. Von den Ängsten und Sorgen der Menschen, aber auch von ihrer Wut und ihrer Hilflosigkeit ob des blutigen Angriffskampfes des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine. „Viele unterschiedliche Gefühle liegen jetzt dicht beieinander – und die haben auch alle ihre Berechtigung“, sagt der Geistliche.

Umso froher sei er gewesen, zumindest einen kleinen Teil zur Unterstützung der Menschen beitragen zu können, als am Sonntag der Posaunenchor Stadt zu einem Friedensgebet mit Kundgebung aufgerufen hatte. Wie berichtet, waren es rund 140 Menschen, die daran vor dem Rathaus teilnahmen.

Und es ist noch mehr Derartiges geplant in Wermelskirchen: „Mich haben viele Familien angesprochen, die sich fragen, wie sie mit ihren Kindern über den Krieg sprechen sollen“, erzählt Manfred Jetter. „Es herrscht viel Unsicherheit.“ Um dem entgegenzuwirken und Familien mit Kindern ein wenig Unterstützung und Sicherheit in unsicheren Zeiten bieten zu können, planen die Wermelskirchener Kirchenvertreter für den kommenden Sonntag, 6. März, um 17 Uhr einen ökumenischen Friedensgottesdienst in der Tenter Kirche, zu dem ausdrücklich auch Familien mit Kindern eingeladen sind. Jetter: „Es ist bei allen Sorgen, die wir gerade haben, wichtig, vor allem den Kindern und Jugendlichen, die dem Krieg und den damit verbundenen Nachrichten meist völlig hilflos gegenüberstehen, ein Stück Ruhe und Besonnenheit zu geben.“ Jetters genereller Tipp gegen die bei vielen latent vorhandene Angst vor einer weiteren Eskalation des Krieges in der Ukraine: „Rausgehen in die Natur, vor allem die Medien mal für eine Weile ausschalten, sich und der Familie Pausen gönnen.“

Die Wermelskirchener Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Wermelskirchen“ sichert potenziell in der Stadt ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine derweil Unterstützung zu. „Auch wenn wir es im Inneren vielleicht noch nicht wahrhaben wollen: Der Krieg ist in Europa angekommen. Und mit dem Krieg Tod und Verletzung, Zerstörung und Flucht“, schreiben Jochen Bilstein und Dorothea Hoffrogge von „Willkommen in Wermelskirchen“ in einer Mitteilung.

Und weiter: „Wir alle wussten es vor dem 24. Februar: Flucht und Vertreibung sind keine Ereignisse der vergangenen Jahre. Die Zahl der Flüchtlinge, die es 2021 bis nach Europa geschafft hatten, ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Es waren in der Mehrheit Menschen aus außereuropäischen Ländern. Jetzt stehen Flüchtlinge aus einem europäischen Land an den Grenzen europäischer Staaten. Es sind vor allem Frauen und Kinder. Es ist zu begrüßen, dass sich die westlichen Nachbarn der Ukraine, Rumänien, Ungarn und vor allem Polen bereiterklärt haben, ihre Grenzen für die Schutzsuchenden zu öffnen. Das war in den vergangenen Jahren so nicht der Fall. Deshalb wird die Öffentlichkeit darauf achten müssen, ob dieses humanitäre Handeln für alle gilt, die aus der Ukraine flüchten, unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Religion. Denn viele Menschen sind auf ihrer Flucht nach Europa auch in der Ukraine gelandet und werden nun erneut von Krieg und Not vertrieben.“

Initiative will mit der Verwaltung sprechen

Bürgermeisterin Marion Lück hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass Wermelskirchen bereit sei, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Sie habe darüber auch mit den Koordinatoren von „Willkommen in Wermelskirchen“ gesprochen, sagt Jochen Bilstein. „Wir haben unsere Unterstützung zugesagt, bei dieser Aufgabe zu helfen, wie wir gemeinsam seit 2015 bereit waren und es bis heute sind.“

Er vertraue auch auf die Bereitschaft der Bevölkerung, mitzuhelfen, wenn es die Flüchtlingssituation vor Ort erforderlich machen sollte. Bilstein: „In der kommenden Woche werden wir mit der Verwaltung über vorbereitende Maßnahmen sprechen.“ | Standpunkt

Hintergrund

Am kommenden Sonntag, 6. März, findet in der Evangelischen Kirche Tente ein ökumenischer Friedens- und Familiengottesdienst statt. Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski wird ihn leiten.

Wermelskirchener, die Wohnraum für geflüchtete Menschen zur Verfügung haben, können sich bei der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ unter Tel. (01 51) 70 13 81 17 oder unter info@wkiwk.de melden.

Standpunkt: Jeder tut, was er kann

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Kundgebungen initiieren oder an ihnen teilnehmen, Spenden in das Kriegsgebiet in der Ukraine schicken, singen oder beten für den Frieden. Viele Menschen stehen dieser Tage auf, um tätig zu werden. Zwar können die meisten den von den kriegerischen Handlungen in der Ukraine betroffenen Menschen nicht direkt helfen. Aber sie können es indirekt. Wer die Bilder von der Friedensdemonstration in Berlin am Sonntag oder der Kundgebung, die statt des Rosenmontagsumzuges am Montag in Köln stattfand, gesehen hat, dem ist vermutlich das Herz aufgegangen. So viel Solidarität und Einsatz für den Frieden, das kann einen schon emotional werden lassen. Und auch in Wermelskirchen werden die Menschen mobil, um zu helfen. Mit Kundgebungen – und der Bereitschaft, Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen zu wollen. Oft werden dennoch Stimmen laut, ob denn Gebete oder Gottesdienste für den Frieden sinnvoll sind, weil sie ja nichts ändern. Darauf sollte die Antwort sein: Doch, das tun sie. Denn sie zeigen, dass eine starke Gemeinschaft diesen Krieg verabscheut und schnell zum Frieden zurück möchte.

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