Begegnungszentrum

Die Katt wird 30 und ist lebendig wie immer

Barbara Frank, Christiane Beyer, Katja Töbelmann, Kathrin Ludwig und Achim Stollberg (v. l.) erinnerten sich an die Anfänge der Katt. Foto: Anja Carolina Siebel
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Barbara Frank, Christiane Beyer, Katja Töbelmann, Kathrin Ludwig und Achim Stollberg (v. l.) erinnerten sich an die Anfänge der Katt.

Ehemalige und aktuelle Mitarbeiter erinnern sich an die Anfänge des Begegnungszentrums.

Von Anja Carolina Siebel

Wenn Christiane Beyer erzählt, dann werden Erinnerungen lebendig. An einen zu großen Schornstein, an feudale Seniorentreffs mit Kuchen von Café Wild, an Kunst und Kultur in Bogenbinderhalle und Kesselhaus und an lärmende Skater.

Zusammen mit Wolfgang Pieplak und Jimmy Karpinski betreute Christiane Beyer vor genau 30 Jahren die Anfänge der Kattwinkelschen Fabrik. Eigentlich sollte das alte Gebäude, in dem einst eine Schuhfabrik beheimatet war, in den 1980er Jahren abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative setzte sich schließlich dafür ein, dass das nicht geschah. Und durch Fördergeld vom Land konnte das Projekt Kattwinkelsche Fabrik als „soziokulturelles Zentrum“ schließlich realisiert werden.

„Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir mit den Architekten verhandelt haben“, erzählt Christiane Beyer, die inzwischen als Ehrenamtsbeauftragte beim Sozialamt arbeitet. Der Schornstein der alten Fabrik war zu groß, der Regieraum zu dunkel – es gab einiges zu tun.

Zuerst war aber die Stadtbücherei fertig: Am 21. Juni 1991 zog Leiterin Kathrin Ludwig mit ihrem Team ein. „Wir waren sehr froh, aus dem alten Gebäude an der Thomas-Mann-Straße nun in diese neuen Räume ziehen zu dürfen“, erinnert sich Ludwig. Seitdem war und ist die Bücherei im stetigen Wandel. Vor allem die Digitalisierung schritt voran. Geblieben ist die Einrichtung, die ist seit 30 Jahren gleich. „Wir sind eigentlich mit dem Industriecharakter sehr zufrieden“, räumt Kathrin Ludwig ein. „Wir müssen aber natürlich auch künftig auf notwendige Reparatur- und Sanierungsarbeiten achten.“

Ein bisschen Stress habe es während der 90er und frühen 200er Jahre immer mal wieder mit den Sportlern in der Bogenbinderhalle. Die skateten und tanzten dort mit Jimmy Karpinski. Ludwig: „Das war natürlich für unsere Kunden in der Bibliothek oft zu laut.“

Irgendwie spielten sich die Abläufe aber ein, so dass die Katt sich zu einem Zentrum vielfältiger Begegnungen mauserte. Für den Veranstaltungsbereich war zuerst Barbara Frank zuständig. Die heutige Jugendamtsleiterin lockte schon Hochkaräter nach Wermelskirchen: Harald Schmidt und Helge Schneider schauten Ende der 90er bereits vorbei.

Später, als Barbara Frank in die Elternzeit wechselte, trat Achim Stollberg ihre Stelle an. Der heutige Kulturmanager ist stolz auf das, was das Team erschaffen hat: „Wir waren ja mit die ersten, die Comedy etabliert haben“, berichtet er von den Anfängen des Privatfernsehens, aus denen das Genre erwuchs. Von Beginn an machten sich auch Menschen aus umliegenden Großstädten auf nach Wermelskirchen, um, damals noch auf Bierbänken, Herbert Knebel, Friends ‘n fellow oder die Fantastischen Vier mitzuerleben. „Das ist bis heute so“, freut sich Achim Stollberg.

Als 2005 das Katt-Bistro eröffnen konnte, war das Portfolio der Katt komplett: Stadtbücherei, Comedy und Bühnenkunst, Bistro und – ganz wichtig – die Kinder- und Jugendarbeit.

Was in den 90ern mit Skaten in der Halle, Sport- und Tanz-Workshops, der vielen noch bekannten Katt-Disco und der Sommerferien-Aktion (SofA) begann, hat sich inzwischen etabliert. „Wir konnten den Kinderbereich während der Coronazeit renovieren“, berichtet Stadtjugendpflegerin Katja Töbelmann. Sie war selbst als Schülerin gern Gast in der Katt – und betreut heute die Kinder und Jugendlichen am Nachmittag oder während der Kinderstadt.

Kinderstadt ist ein Beispiel für die stetige Entwicklung

„Die Kinderstadt hätte ohne Corona ja dieses Jahr zum 15. Mal stattgefunden“, sagt Töbelmann. „Und an ihr sieht man eigentlich, dass unser Bereich sich stetig entwickelt.“ Vor allem funktioniere das Zusammenspiel aller Kulturen und sozialen Gruppierungen nach wie vor gut. Töbelmann: „Wir freuen uns, dass auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf aktiv an unseren Angeboten teilnehmen.“ | Standpunkt

Hintergrund

Der Eigenbetrieb Kattwinkelsche Fabrik verlor im Jahr 2017 nach 25 Jahren seine Eigenständigkeit: Um unter anderem Kosten zu sparen, wurde der Kinder- und Jugendbereich ins Amt für Jugend, Bildung und Sport eingegliedert, der Veranstaltungsbereich dem Dezernat des Bürgermeisters zugeordnet. „Im Grunde war das aber nur logisch und hatte für uns keine negativen Auswirkungen“, sagt Achim Stollberg.

Standpunkt: Konzept hat sich bewährt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es sind inzwischen Generationen, die sich in der Katt die Klinke in die Hand gegeben haben. Heutige Mütter tanzten damals in der Katt-Disco, deren Kinder tummeln sich heute in der Kinderstadt oder dem Jugendbereich an der Kattwinkelstraße. Das Konzept der nunmehr 30 Jahre alten Begegnungsstätte hat sich über die Jahre bewährt. Es war aber auch früher schon gut. Die Katt, das war die Wiege der Wermelskirchener Skater, die bald ihre neue Heimat in Zenshäuschen haben werden. Es war aber auch der erste große Treffpunkt für Kinder. Was damals, in den 90er, noch „SofA“ hieß, ist heute die Kinderstadt. Und: Die Katt war von Anfang an über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für ihr herausragendes Kulturprogramm, war und ist auch Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Städten. Es gibt also allen Grund, der Kattwinkelschen Fabrik und ihrem engagierten Team zu gratulieren. Sie ist, das hat auch der kleine Kreis aus ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern festgestellt, ein echter Schatz für die Stadt. Und wenn es das Pandemie-Geschehen wieder zulässt, sollte das ordentlich gefeiert werden.

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