Neue Projekte

Die gemeinsame Kulturarbeit beginnt

Jasmin Dorner ist die gemeinsame Kulturmanagerin der beiden Städte Wermelskirchen und Burscheid. Sie moderiert den Prozess, aus dem heraus sich eine gemeinsame Kulturarbeit entwickeln soll, die im Entwicklungsplan definiert wird. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Jasmin Dorner ist die gemeinsame Kulturmanagerin der beiden Städte Wermelskirchen und Burscheid. Sie moderiert den Prozess, aus dem heraus sich eine gemeinsame Kulturarbeit entwickeln soll, die im Entwicklungsplan definiert wird.
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Fachgremien von Burscheid und Wermelskirchen tagen erstmals zusammen.

Von Nadja Lehmann

Wermelskirchen/Burscheid. Eine Premiere. Erstmals tagten die Kulturausschüsse Wermelskirchens und Burscheids gemeinsam. Friedlich vereint saßen die beiden Gremien am Donnerstagabend im Großen Saal des Wermelskirchener Rathauses und nahmen vorweg, was schon bald selbstverständlich sein soll: eine gemeinsame Kulturarbeit über kommunale Grenzen hinweg. So hatten neben Bürgermeisterin Marion Lück Burscheids Bürgermeister Dirk Runge, die Leiterin des dortigen Kulturamts, Renate Bergfelder-Weiss, und der Vorsitzende des Burscheider Kulturausschusses, Richard Kretzer (CDU), Platz genommen.

Eine Gemeinsamkeit mit letzterem hatte Wermelskirchens Ausschussvorsitzender Oliver Platt (BüFo) gleich zu Beginn ausgemacht und begrüßte quasi einen Kollegen: „Das ist doch sehr schön, dass beiden Ausschüssen Bäcker vorstehen.“ Und augenzwinkernd: „Gutes Backwerk ist eben Kulturgut.“

Ich habe einen weiteren Kulturbegriff.

Kulturmanagerin Jasmin Dorner

Dann begaben sich die beiden Gremien umgehend in medias res. Jasmin Dorner, die Kulturmanagerin für beide Städte, war gekommen, um über den aktuellen Stand des Interkommunalen Kulturentwicklungsplans zu sprechen, der nun angelaufen ist. Ihren Vortrag hatte sie in die drei Blöcke Öffentlichkeitsarbeit, Fragebögen und Ablaufplan gegliedert und stellte zunächst das optische Aushängeschild vor: Das Logo, das mit Grün und Rot die Farben beider Stadtwappen aufgreift und mit den Begriffen „Kul:tur, Burscheid. Wermelskirchen. Kulturverbunden“ skizziert, worum es geht. „Wir wollten es schlicht und modern, haben Angebote von drei Unternehmen bekommen und haben nach Wirtschaftlichkeit und Arbeitsproben entschieden“, erklärte Dorner.

Neue Webseite verbindet die Kulturarbeit

Das zweite Standbein in der Öffentlichkeitsarbeit ist eine neue Homepage, die in zwei bis drei Wochen an den Start gehen soll und unabhängig von beiden städtischen Webseiten läuft. Sie ist an eine E-Mail-Adresse gekoppelt und bietet so die Möglichkeit der Kontaktaufnahme.

„Es ist kein Veranstaltungskalender“, betonte Jasmin Dorner. Stattdessen begleitet die Homepage den gemeinsamen Prozess und beinhaltet auch die Fragebögen an Künstler und Künstlerinnen, an Kulturschaffende und Bürger, die Dorner entwickelt hat und mit denen sie Wünsche, Ziele, Ist-Zustände abklopft.

Zusätzlich gibt es die Infos auch auf Englisch und in leichter Sprache. „Wir laden dort zur Beteiligung ein“, sagte Dorner. Wichtig sei dabei Barrierefreiheit gewesen, heißt: Auch Menschen mit Sehschwäche oder Rot-Grün-Blindheit können teilnehmen, weil die Schriftgröße variabel ist und Farben dementsprechend ausgesucht wurden. Fragebögen für Bürgerinnen und Bürger soll es übrigens auch als Postkarten geben, die im Einzelhandel ausliegen.

Die (meist ehrenamtlichen) Kulturschaffenden fragt Dorner nach Projekten, Mitgliedern und Finanzen: Entstehen soll so ein umfangreiches Datenwerk. Gefragt, ob denn auch Sportvereine zu Kulturschaffenden zählen würden, war Dorners Antwort klar: „Ich schließe niemanden aus. Und ich habe einen etwas weiteren Kulturbegriff.“

Ab Herbst: Veranstaltungen in beiden Städten

Im September/Oktober ist Auftakt für eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen, die abwechselnd in Wermelskirchen und Burscheid stattfinden. Los geht es in der Katt, wo es einen ersten Ausblick auf den Kulturentwicklungsprozess, auf Bestandsaufnahme und Datenerhebung geben soll. Im November/Dezember folgt im Burscheider Kinder- und Jugendzentrum Megafon die zweite Veranstaltung, in der Dorner die Städte auf ihre Stärken und Schwächen, auf Chancen und Risiken abklopfen will: „Wir wollen Ressourcen nutzen und prüfen, wo die Städte sich ergänzen können.“ Die dritte Veranstaltung im Januar/Februar 2023, dann wieder in Wermelskirchen, lotet die Visionen einer gemeinsamen Kulturarbeit aus, die dann in den Interkommunalen Kulturentwicklungsplan münden wird.

„Für mich ist das ein ganz wichtiges Projekt“, betonte Burscheids Bürgermeister Dirk Runge. „Da werden Dinge zueinander passen, die wir bislang nur grob erkennen.“

„Beide Städte haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Diese Individualität wollen wir nicht übergehen“, hob Marion Lück hervor. Ausschussmitglied Therese Rehn (CDU) fasste es schließlich so zusammen: „Noch klingt das sehr theoretisch. Wir müssen es mit Leben erfüllen.“
www.kulturverbunden.net

Standpunkt von Nadja Lehmann: Noch ein weiter Weg

nadja.lehmann@rga.de

Das dürfte noch ein weiter Weg sein, der vor den beiden Städten liegt. Das war am Donnerstagabend im Großen Saal doch deutlich spürbar. Zum einen hat CDU-Politikerin Therese Rehn recht, wenn sie sagt, dass dem doch noch sehr papiernen Prozess Leben eingehaucht werden müsse.

Zum andern stimmte die Aussage von Bürgermeisterin Marion Lück nachdenklich, die auf die Individualität beider Städte in ihrem jeweiligen Kulturangebot und Selbstverständnis hinwies, die es zu bewahren gelte. Sie hat damit nicht unrecht, aber dieser Denkansatz könnte zu kurz greifen. Denn in einem interkommunalen Kulturmanagement, in dem Burscheid und Wermelskirchen Kräfte bündeln wollen, wird es ohne Kompromisse nicht gehen. Nur dann werden beide Städte mit einer starken gemeinsamen Stimme sprechen und der Kultur das ihr zustehende Gewicht verleihen können.

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