Krise

Die Gastronomie kämpft an vielen Ecken

Christian Warnke, Koch und Inhaber im Hotel-Restaurant „Zum Schanen“ fehlt nach wie vor komplett das Restaurant- und Hotelgeschäft durch große Messen in der Umgebung.
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Christian Warnke, Koch und Inhaber im Hotel-Restaurant „Zum Schanen“ fehlt nach wie vor komplett das Restaurant- und Hotelgeschäft durch große Messen in der Umgebung. Foto: Stephan Singer

Personalnot und steigenden Kosten bereiten Restaurants und Hotels Sorgen.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Personalmangel ist ein Begriff, der derzeit in aller Munde ist. Besonders aus den Großstädten schwappen Nachrichten aus dem Gastronomie- und Hotelgewerbe ins Bergische, die gar von eingeschränkten Öffnungszeiten aufgrund von fehlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen.

In Wermelskirchen zieht dieses Problem genauso am Horizont auf. Ein Restaurantbetreiber in Wermelskirchen will nicht namentlich genannt werden, weil er „Sorge und Nöte nicht auf die Kundschaft abwälzen“ wolle. Er sagt: „Es fehlt an qualifizierten Köchen. Servicepersonal haben wir genug.“ Letztlich befände sich die Gastronomie seit Corona in Existenznot. Steigende Kosten würden die Gewinnspannen „auffressen“.

Für viele seiner Wermelskirchener Kollegen hat das Thema jedoch noch nicht so dramatische Auswirkungen wie andernorts, wie eine Umfrage der Redaktion zeigt: Die meisten Gastronomen betrachten nach wie vor ihre Situation im Kontext der Corona-Pandemie und den Folgen des Ukraine-Krieges. Steigende Kosten für den Wareneinkauf und durch den Mindestlohn belasten sie mindestens genauso wie Personalnot.

„Wir erleben derzeit einen Nachhol-Effekt. Gerade am Wochenende finden viele Hochzeiten statt, die ursprünglich in der Phase des Lockdowns terminiert waren“, sagt Christian Warnke, Koch und Inhaber des Hotel-Restaurants „Zum Schwanen“. Das schlage sich auf beide Bereiche seines Betriebes nieder. Was nach wie vor komplett fehle, sei das Restaurant- und Hotelgeschäft durch große Messen in der Umgebung. „Das gibt es komplett nicht“, beobachtet der 40-Jährige. Was das Personal angehe, betrachte er die Lage „etwas entspannt“ und begründet: „Wir haben uns während der Lockdown-Monate nicht von unseren Leuten getrennt, sondern sie mit dem Instrument der Kurzarbeit gehalten.“ Aber: „Das Geschäft ist sehr schnelllebig und teils wetterabhängig. Wir müssen genau planen – aber das war auch vor Corona schon so.“

Jens Koriandt vom Bistro in der Kattwinkelschen Fabrik skizziert: „Manche Tage sind personell schwierig, aber generell geht es. Unser Betrieb ist überschaubar und entsprechend agieren wir. Wenn es zu voll wird, um es vernünftig zu bewältigen, lehnen wir eine Tischreservierungsanfrage ab.“

Für die Zukunft bereitet Koriandt die Personalsituation aber durchaus Sorge, denn: „Der Nachwuchs ist nicht da. Früher kamen regelmäßig Nachfragen nach Nebenjobs von Schülern oder Studenten, und die bleiben derzeit aus.“ Das Bistro habe ein gutes Team, jedoch die „zweite Batterie“ als Rückfall-Ebene gebe es nicht mehr. Ab September sei er nach der ruhigeren Sommerzeit mit geschlossenen Gesellschaften wieder ausgebucht. Die könne er jedoch dank der vorhergehenden Absprachen deutlich besser planen als das Geschäft à la carte.

Aus diesem Grund bezeichnet Tobias Opitz vom Eventhaus Giebel sein Geschäft auch als geringeres Risiko im Vergleich zum klassischen Restaurantbetrieb: „Ich weiß ja, wann wie viele Gäste zu ihrer gebuchten Feier kommen.“ Opitz zeigt sich zufrieden: „Das Geschäft ist seit April auf Hochtouren angelaufen.“ Er könne sich sehr gut auf Schüler und Studenten stützen: „Wir haben ein gutes Netzwerk aufgebaut und kein Personalproblem. Es kommen auch laufend Bewerbungen.“ Er arbeite mit einem großzügigen Personalschlüssel.

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