Tradition

Die ganze Stadt im Zeichen der Kirmes

Für jeden war ein Wunsch-Fahrgeschäft dabei.
+
Für jeden war ein Wunsch-Fahrgeschäft dabei.

Die Wermelskirchener genießen das Kirmesvergnügen und bummeln über den Krammarkt.

Von Peter Klohs

Gleichzeitig mit dem Fassanstich am Freitagnachmittag, mit dem Bürgermeisterin Marion Lück die „tollen Tage“ in Wermelskirchen einläutete, begann auf dem Schwanenplatz und benachbarten Straßen der mehrtägige Kirmestrubel. Das Besucheraufkommen sprengte bereits am traditionell eher schwächer besuchten Freitagabend alle Erwartungen. Als wäre Corona längst in die Geschichtsbücher eingegangen, als wären die ins Unermessliche zu wachsen drohenden Energiekosten eine Erfindung, wimmelte es am ersten Kirmestag auf der Eich und auf dem Kirmesplatz vor feierfreudigen Besuchern. Das von der Stadt organisierte Volksfest entpuppte sich bei einem ausführlichen Rundgang als hervorragend organisiert.

Auf der Eich hatten sich Dutzende Stände eingefunden, die kulinarische Wünsche aller Art erfüllen konnten: Hamburger und Hot Dogs, Reibe- und Flammkuchen, Dampfnudeln, Kartoffel-Chips, Brat- und Currywurst, Fischbrötchen, sogar Flammlachs wurden angeboten und reichlich verzehrt. Auf dem Weg zum Schwanenplatz muss man die Dabringhauser Straße queren, ein nicht immer ungefährliches Unternehmen, das aber von den Solinger Verkehrskadetten vorbildlich begleitet wurde. Auch die Absperrungen waren durchdacht und effektiv.

„Für einen ersten Kirmestag ist das schon mega.“

Jaqueline Schmidt, Scooter

Auf dem Fahrgeschäft „X-Factory“, einer Art fliegendem Teppich, kreischten 15 Mädchen ihr Adrenalin in die Luft und übertönten die Charthits aus den Boxen leicht. Auch die nächste Fahrt bestreiteten ausschließlich Mädchen. Die Jungen versammelten sich auf dem Schwanenplatz, vorzugsweise um die beiden wildesten Fahrgeschäfte. Da wäre „Extrem“ zu nennen, ein aus zwei Fahrkabinen bestehendes Karussell, das die Fahrgäste auf eine Höhe von 42 Metern befördert. Keine 50 Meter entfernt stand „Mr. Gravity“, ein Fahrgeschäft, das statt auf Höhe auf Geschwindigkeit setzt. Hier war der Treffpunkt derer, denen „Extrem“ zu abenteuerlich erschien. Finja ist 15 Jahre alt und bestätigte, dass sie Geschwindigkeit mehr als Höhe schätzt. Sie hatte 20 Euro dabei, je zehn von Eltern und Großeltern, und überlegte, wann sie mit wem die erste Fahrt auf „Mr. Gravity“ angehen sollte. 5 Euro kostete der Spaß. Den gleichen Preis verlangte das Riesenrad, das daneben stand. Die 26 Gondeln bewegten sich bis auf 38 Meter Höhe in gemächlichem Tempo, was Familie Suhrmann durchaus schätzte. „Hoch ist nicht das Problem“, sagte Heiner Suhrmann. „Hoch und schnell – das geht gar nicht.“

Das Besucheraufkommen am Auto-Scooter war schon beinahe bedenklich. Inhaberin Jaqueline Schmidt war hochgradig zufrieden. „Wir kommen ja frisch von der Cranger Kirmes“, erzählte sie. „Und danach bräuchte man eigentlich zwei Wochen Wellness-Urlaub. Aber das geht ja nicht, jetzt sind wir hier, und wir freuen uns auch schon auf das Schwelmer Heimatfest.“ Sie musste die Fahrpreise moderat um 50 Cent pro Scooter und Fahrt anheben. „Die Stromkosten sind bereits um 30 Prozent gestiegen“, sagte sie. „Für einen ersten Kirmestag ist das schon mega“, deutete sie auf die stetig groß bleibende Besucherzahl.

Kurz: Vom Kinderkarussell über das „Pirates Adventure“, das eine Schatzsuche unter Piraten anbot, über Entenangeln, Zockerbuden und Bogenschießen bis zu allen wilden Fahrgeschäften: Der Besucherandrang war enorm. Beim Rückweg über die Eich kreischten die Mädchen bei der „X-Factory“ noch immer.

Preise

Die Preise auf der Kirmes sind dieses Jahr angestiegen, teils moderat, teils aber auch deutlich. Das Riesenrad und „Mr. Gravity“ nehmen 5 Euro, „Extrem“ 7 Euro. Fischbrötchen sind zwischen
6 und 7 Euro zu haben, eine Krakauer gibt es für 4 Euro. Beim Schaustellgeschäft „Kentucky Derby“ kostet eine Spielrunde auf den elf zur Verfügung stehenden Bahnen 4 Euro.

50 Geschäfte hatten von 13 bis 18 Uhr geöffnet

Von Peter Klohs

Zusätzlich zur extrem gut besuchten Kirmes in Wermelskirchen fand am Wochenende auch der beliebte Krammarkt und einer von diesjährig vier verkaufsoffenen Sonntagen statt.

Auf dem Krammarkt, der von der Jörgensgasse über die Kattwinkelstraße bis zur Kölner Straße reichte, fand man das übliche dicht gedrängte Angebot an vielerlei Waren zwischen Gewürzen und Glückwunschkarten, von CDs und DVDs bis hin zu Miederwaren. Es waren mehr Aussteller als im Vorjahr, das noch deutlicher von Corona geprägt war, anwesend. An manchen engen Stellen in den Gassen drängten sich die Besucherscharen, so dass man nur schleppend vorankam.

In der Innenstadt hatten rund 50 Geschäfte für den verkaufsoffenen Sonntag geöffnet. Auf der Eich bot Tanja Deus von der Kaffeerösterei Teufel auch Außenplätze an, während ihr Mann Andreas die Krammarkt-Besucher mit Kaffee versorgte. „Ja, klar, bringt uns der verkaufsoffene Sonntag etwas“, sagte sie. „Alleine die Präsenz an einem solchen Tag ist ungemein wichtig.“

Bereits am ersten Kirmestag zeigte sich, wie ausgehungert die Wermelskirchener nach Unterhaltung waren. Überall wimmelte es von Menschen.

Ein Stück weiter Richtung Schwanenplatz hatte der Hundesalon „Zum Glück 4 Pfoten“ geöffnet. Wie Inhaberin Marion Scheidt, Ex-Kölnerin, erklärte, ist sie seit fünf Monaten in Wermelskirchen ansässig. „Dies ist mein zweiter verkaufsoffener Sonntag. Der erste war Ende Mai und total verregnet. Aber mit meiner Anmeldung zu diesem Sonntag war ich leider zu spät, die Planungen waren bereits abgeschlossen.“ Sie deutete auf eine fahrende Imbissbude direkt vor ihrem Geschäft und lächelte etwas traurig. „Es ist halt Kirmes. Daran lässt sich nichts ändern“, sagte sie. „Wir machen das Beste draus. Die Hundebesitzer in Wermelskirchen kennen uns auch schon recht gut und wissen, wo wir sind.“ Beim nächsten verkaufsoffenen Sonntag im Oktober ist sie mit ihrem Hundesalon sicher wieder dabei. „Dann ohne Imbissbude vor der Tür.“

Beim Gang durch die Stadt sah man diverse geschlossene Geschäfte, teils aus Urlaubsgründen. Die geöffneten Läden verzeichneten in der Regel gute Besuchszahlen. Zahlreiche Vereine hatten sich angeschlossen, um sich in Wermelskirchen vorzustellen. Vor dem Rathaus war Bürgermeisterin Marion Lück im Einsatz („Das gehört sich so.“) und verteilte Duschuhren, die drei Minuten laufen.

Standpunkt: So viele Menschen

susanne.koch@rga.de

Kirmes, Krammarkt und dann ab 13 Uhr auch noch der Einzelhandel: Sie alle waren ein starker Magnet für kleine und große Menschen, für alte und junge. Es war so, als ob Wermelskirchen nur noch von ihnen wimmelte. Gestern spielte auch noch das Wetter mit, nicht mehr ganz so heiß wie am Freitag, dabei aber mit strahlendem Sonnenschein. Jetzt bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus nicht die Oberhand gewinnt.

Denn auch wenn wir alle inzwischen müde geworden sind und kaum noch an die Pandemie denken, jeden Tag werden Menschen angesteckt, und die Verläufe sind zwar meist nicht mehr tödlich, aber auch nicht immer so leicht, wie man es sich wünschen würde. Für Wermelskirchen ist dieses Wochenende auf jeden Fall ein schöner Erfolg. Die Cafés waren gestern bis auf den letzten Platz besetzt. Die Kölner Straße und die Telegrafenstraße waren die Verbindungswege, die von den Eisessenden genutzt wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Motorradfahrer nach Zusammenstoß mit Pkw schwer verletzt
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
Für Hausmeister ändert sich die Arbeit
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
So entsorgen Sie Elektroschrott richtig
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star
„Alex Mania“ wird zum Facebook-Star

Kommentare