Hochwasserschutz

Die Erlebnisse der Flutkatastrophe hallen bis heute nach

Truppführer Sven Weber (v.l.), Marcus Klaar, Björn Zanger und Marvin Fechler: Die THW-Ortskräfte freuen sich über einen neuen Lkw – das Material hat zuletzt eine Aufwertung erfahren.
+
Truppführer Sven Weber (v.l.), Marcus Klaar, Björn Zanger und Marvin Fechler: Die THW-Ortskräfte freuen sich über einen neuen Lkw – das Material hat zuletzt eine Aufwertung erfahren. Foto: Stephan Singer

Spürbare Modernisierung beim THW: Wermelskirchener Ortsverband zeigt sich erfreut über Materialzufluss.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. Es inzwischen der vierte neue Lkw, den der Ortsverband Wermelskirchen des Technische Hilfswerks (THW) in der jüngsten Zeit in seinen Fuhrpark aufnehmen durfte. Natürlich wurden dafür auch altgediente „Schätzchen“ außer Dienst gestellt, aber die Verjüngung des Materials ist sichtbar. Mit dem neuen Ladebordwand-Lkw verfügt das THW nunmehr über vier Lkw, zwei Pkw, vier Anhänger, eine Feldkochküche sowie einen Gabelstapler. „Der Materialzufluss und die Modernisierung sind in den vergangenen drei Jahren sehr gestiegen - davor ist jahrelang für uns wenig passiert“, stellt Zugführer Marcus Klaar fest.

Ob das in jüngster Zeit mit der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 zusammenhängt, liege im Bereich der Spekulation, aber: „Das THW hat festgestellt, dass sehr watfähige Fahrzeuge benötigt werden.“ Einig sind sich Klaar und der Ortsbeauftragte Björn Zanger: „Das Jahresbudget für das THW als Bundeseinrichtung ist gestiegen. Es sind 500 Millionen Euro. Früher war es mal die Hälfte.“

Wir sind froh, dass wir keine toten Menschen gefunden haben. Davor hatten wir alle Angst.

Marcus Klaar zur Flutkatastrophe

Das Starkregenereignis im Juli vergangenen Jahres und die daraus resultierende Hochwasserkatastrophe löste den umfangreichsten Einsatz aus, den der Wermelskirchener THW-Ortsverband je erlebte: 46 Personen leisteten innerhalb von zwei Wochen knapp 5000 Einsatzstunden. Ziele waren das Gut Landscheid in der Nachbarstadt Burscheid, Leichlingen, Bad Münstereifel und die Urft-Talsperre.

Im Rückblick bilanziert Marcus Klaar, der auch Gastdozent für Hochwasserschutz an einer Bundesschule, dem Ausbildungszentrum Hoja, ist: „Unser Wermelskirchener Ortsverband ist sehr gut ausgebildet. Das mag auch daran liegen, dass das mein Steckenpferd ist.“ In der alltäglichen Ehrenamtsarbeit der THW-Helfer mache sich die Katastrophe von vor etwas mehr als einem Jahr nichtsdestotrotz bemerkbar. So habe der Ortsverband einen vierstündigen „Crashkurs“ entwickelt, in dem sich andere Einsatzkräfte über Grundlagen des Hochwasserschutzes informieren könnten: So seien bereits Feuerwehrleute aus Burscheid oder Aktive der DLRG in Wermelskirchen zu Gast gewesen.

Bei aller Sachlich- und Fachlichkeit erinnern sich die Wermelskirchener THW-Helfer in Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe vom Juli 2021 auch an Emotionen, die sie „noch nicht gänzlich aus der Jacke geschüttelt“ haben. „Wir sind froh, keine toten Menschen gefunden zu haben. Das ist ja Kollegen passiert und davor hatten wir alle Angst“, beschreibt Marcus Klaar. Angesichts der sowieso extrem belastenden Einsatzsituation wäre ein Leichenfund eine weitere Belastung gewesen. „Und wir sind froh, dass alle unsere Leute unverletzt und ohne nennenswerte Blessuren nach Hause zurückgekehrt sind“, ergänzt Ortsverbandschef Björn Zanger.

Am Tag des Starkregenereignisses habe er sich von seinem „Bauchgefühl“ täuschen lassen, berichtet Björn Zanger: „Noch am Mittag bin ich zwar von stärkerem Regen, jedoch nicht von solch einem Ausmaß ausgegangen.“

Alarmiert von der Feuerwehr Burscheid ging es für die THW-Helfer zuerst nach Burscheid, wo von drei Seiten Wasser in das Gut Landscheid eindrang. Am Folgetag des 14. Juli 2021 „sollten wir alles, was geht, nach Leichlingen schicken“, blickt Marcus Klaar zurück. Die fachliche Expertise war genauso in Bad Münstereifel gefragt, wo die zum reißenden Strom angewachsene Erft alle Brücken und Hochwasserschutz-Einrichtungen beschädigt hatte. Der THW-Ortsverband zählt knapp 100 Aktive.

Die Fachgruppe N des Wermelskirchener THW wurde von der THW-Regionalstelle zur Urft-Talsperre gerufen. Dort galt es, das Gewässer zu reinigen. „Wir haben so ziemlich alles an Material gefunden, was man sich vorstellen kann“, berichtet Einsatzkraft Tom Schnell. Er und Klaar betonen: „Hochwasser ist gefährlich, weil toxisch. Es reißt schließlich alles mit sich, auch aus Gewerbegebieten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Sie wissen, was Eltern wollen
Sie wissen, was Eltern wollen
Sie wissen, was Eltern wollen

Kommentare