Die 40-tägige Reise ins eigene Ich startet

Antje Menn über die Fastenzeit

Von Melissa Wienzek

Heute ist Aschermittwoch. Das bedeutet: Karneval ist aus und vorbei. Obwohl man dieses Jahr ohnehin nichts verpasst hat. Christlich gesehen bedeutet das aber auch: Die Fastenzeit startet. Während das Brauchtum in erster Linie den Katholiken zugeschrieben wird, begehen aber auch Protestanten diese Zeit. Wie und warum, erklärt Superintendentin Pfarrerin Antje Menn.

Heute startet die Fastenzeit. Worum geht es hierbei für Christen?

Von Aschermittwoch an zu fasten, ist eine alte christliche Tradition aus dem 4. Jahrhundert, sagt Menn. 40 Tage dauert die Fastenzeit. Die 40 Tage erinnern an biblische Geschichten. Zum Beispiel an die, in der Jesus in der Wüste darum ringt, ob er dem Weg Gottes folgen kann. Mit all den Herausforderungen, die er auf sich zukommen sah. „Fastenzeit ist darum für mich eine Zeit der Neuausrichtung auf Gott. Eine Zeit, Kopf und Herz freizumachen für meinen Weg mit Gott und für meine Mitmenschen.“ Sprich: Alltagsroutinen zu überdenken, innere Einkehr zu üben. Sich selbst zu fragen: Was trägt mich? Wie will ich mein Leben gestalten? Oft gehe mit der Fastenzeit eine Form von Verzicht einher. In der katholischen Kirche gibt es dazu konkretere Vorschriften und zusätzlich das Bußsakrament.

Auf was wird bewusst verzichtet?

Das ist individuell verschieden. Klassisch ist der Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol oder auf das Handy. Konsumverzicht im weitesten Sinne. Manche lassen das Auto stehen. Das könne einem die Augen öffnen wie im Song von Silbermond „Eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent nicht brauchst“. „Ein toller Song zum Ausmisten nicht nur des Kleiderschranks, zum Perspektivwechsel und neue Schritte gehen.“ Mit leichterem Gepäck eben und der neuen Erfahrung: Ich habe in meinem Leben Platz für andere.

Warum tun Sie das?

„Das hat für mich auch eine geistliche Dimension. Beim Klimafasten Gott als den Geber aller Gaben wahrzunehmen und sehen, wie viel ich wirklich brauche, und dafür dankbar zu sein.“ Allerdings habe sie in den letzten Tagen angesichts des Krieges in der Ukraine darüber nachgedacht, wie sie für den Frieden fasten beziehungsweise was sie in den kommenden Wochen zum Frieden beitragen könne. „Frieden ist oft mühsame Arbeit.“ Sie möchte sich fragen, wo sie zu Begegnung und Verständigung beitragen könne oder wo sie konkret auch auf unbedachte und verletzende Wort verzichten könne, sagt Menn. Und für die Menschen in der Ukraine weiter beten.

Wann endet die Fastenzeit?

Sie zielt auf das Osterfest. In der Fastenzeit denken wir an den Weg, den Jesus konsequent mit Gott gegangen ist, gegen Widerstände auch ins Leiden hinein, erklärt die Pfarrerin. Um dann an Ostern zu feiern, dass seine Verurteilung, Kreuzigung und Tod nicht das Ende waren, sondern der Beginn eines neuen Lebens, das Gott schenkt. „Aber damit hört an Ostern hoffentlich nicht auf, was die Fastenzeit an Erfahrung bringt. Im Gegenteil – es geht darum, das Leben auch weiterhin neu zu entdecken und mit anderen zu teilen.“

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