Medizinisches Personal gesucht

Diakonie sucht medizinische Helfer

Peter Siebel hatte am Dienstagabend einen Hilferuf via E-Mail ausgesendet. Archivfoto: Herbert Draheim
+
Peter Siebel hatte am Dienstagabend einen Hilferuf via E-Mail ausgesendet.

Verpflichtende Tests auf das Coronavirus bringen Mitarbeiter an ihre Grenzen.

Von Anja Carolina Siebel

Es war am Dienstagabend, als Peter Siebel einen kleinen Hilferuf via E-Mail versandte. Der Grund: Der Leiter der Wermelskirchener Diakonie sucht für die verschiedenen Bereiche der Diakoniestation dringend medizinisches Personal, um notwendige Corona-Schnelltests wie vorgegeben durchführen zu können.

„Wie alle wahrscheinlich der überregionalen Presse entnommen haben, ist die Corona-Situation in den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen besonders angespannt“, heißt es im Schreiben.

Hinzu komme jetzt zusätzlich die Verpflichtung von massenhaften Testungen von Mitarbeitern, Bewohnern, Gästen und Besuchern. Alleine für die Diakoniestation bedeutet diese Testverpflichtung zwischen 500 und 600 Testungen pro Woche.

„Wir wissen nicht, wie wir das schaffen können, weil uns schlicht das Personal dafür fehlt“, sagt Peter Siebel. „Wir brauchen schließlich unsere Mitarbeiter für die Versorgung der Menschen und können nicht fünf oder sechs davon für Tests freistellen.“

Hinzu komme, dass sich zurzeit sieben Mitarbeiter der Wermelskirchener Diakoniestation in Quarantäne befänden, weil sie entweder selbst an Covid-19 erkrankt seien oder Kontakt zu einem positiv getesteten Menschen gehabt hätten.

Gesucht werden jetzt Ärzte oder Medizinisch-Technische Assistenten, die mit dem Verfahren der Schnelltests bereits vertraut, beziehungsweise entsprechend geschult worden seien. „Auch bei uns finden Schulungen statt“, unterstreicht Siebel. Zwei Schulungen mit zwölf Mitarbeitern hätten bereits stattgefunden, eine Handvoll weitere hätte sich für Donnerstag zur Schulung angemeldet. Und dennoch: „Uns wird das zu viel“, sagt Peter Siebel.

Insgesamt verfügt die Diakoniestation über fünf Wohngemeinschaften mit 55 pflegebedürftigen, zum Teil an Demenz erkrankten Menschen, die von 75 Mitarbeitern versorgt werden. 45 Mitarbeiter pflegen Menschen ambulant zu Hause in zwei großen Teams. Hinzu kommen zwei Tagespflegestätten mit insgesamt 50 regelmäßigen Besuchern und 20 Mitarbeitern.

Das heißt: Insgesamt 180 Mitarbeiter müssen laut Verordnung ab heute zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Die Bewohner und Besucher einmal pro Woche. Allein jene Menschen, die zu Hause versorgt werden, müssen nur dann getestet werden, wenn sie coronatypische Symptome aufweisen. Siebel: „Das ist dann zu unserer eigenen Sicherheit, denn unsere Mitarbeiter müssen ja eng mit den Patienten in Kontakt kommen.“

Sogar die Besucher sollen getestet werden

Empfohlen sei, dass sogar die Besucher von außen, die die Menschen in den Wohngemeinschaften empfangen, mit einem Schnelltest auf das Virus getestet würden.

„Wir möchten ja einerseits den Angehörigen und unseren Bewohnern den Kontakt zueinander unbedingt ermöglichen, andererseits wissen wir aber nicht, wie wir diese Flut an Testungen bewerkstelligen sollen“, beschreibt der Leiter der Diakoniestation das Dilemma. „Unsere Bitte lautet deshalb: Gibt es in Wermelskirchen medizinisch vorgebildete Menschen (medizinisch technische Assistenten, Pflegefachkräfte, et cetera), die uns bei der Testung unterstützen können und zeitliche Ressourcen haben? Eine Anstellung auf 450 Euro-Basis ist sofort möglich. Wegen der Vielzahl an durchzuführenden Tests benötigen wir im Grunde täglich zwei bis drei Menschen. Wer kann helfen?“

Er habe sich mit seinem dringenden Bedarf auch schon im Helfer-Register der Kassenärztlichen Vereinigung registriert, berichtet Siebel. „Aber ich weiß ja nicht, ob ich da jemals eine Antwort bekomme.“ Er setze deshalb nun auf lokale Hilfe von Medizinern oder Pflegekräften, die Kapazitäten frei hätten. | Standpunkt

Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das per E-Mail tun: info@diakonie-wk.de

Hintergrund

Pflegeheime und Krankenhäuser können Antigen-Schnelltests nutzen, um Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Corona-Virus zu testen. Außerdem können die Schnelltests nun auch in Schulen eingesetzt werden. Eine entsprechende Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung ist am 4. Dezember in Kraft getreten. Laut Verordnung müssen Tests regelmäßig stattfinden.

Standpunkt: Wieder undurchdacht

Von Anja Carolina Siebel

Es ist schon klar, wir sind mit der Corona-Pandemie in einer Situation, die es bisher die letzten Jahrzehnte nicht gab. Es gab entsprechend auch keine Blaupause. Fehler sind deshalb sicher auch zu verzeihen. Und dennoch erscheint so vieles dieser Tage undurchdacht von Bund und Ländern.

anja.siebel@rga-online.de

Die Schulen, die sich mit allenfalls halbguter digitaler Ausstattung durch den Distanzunterricht hangeln, die überfüllten Busse, während der Handel mit guten Hygienekonzepten geschlossen bleibt – und nun auch noch Pflegeeinrichtungen, die zwar verpflichtet sind zu testen, aber nicht wissen, wo sie das Personal dafür hernehmen sollen. 

Die Diakoniestation ist offenbar nicht die einzige Einrichtung, die vor diesen Problemen steht. Auch die Caritas Rhein-Berg meldete am Mittwoch schon dringenden Bedarf an medizinischem Hilfspersonal an. Dass zur Sicherheit vor allem der alten Menschen in den Heimen und Tagespflegen jetzt regelmäßig Tests stattfinden sollen, ist sicher aus vielen Gründen zu begrüßen. Allerdings sollte dann auch vorher geklärt sein, dass es ausreichend Menschen gibt, die das übernehmen können. Sonst wird das nichts.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Rhombus wirft viele Fragen auf
Rhombus wirft viele Fragen auf
Rhombus wirft viele Fragen auf
Eisenbach übergibt im Tierheim 1.000 Euro
Eisenbach übergibt im Tierheim 1.000 Euro
Eisenbach übergibt im Tierheim 1.000 Euro

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare