„Der Wupperverband hat die Lage nicht ernst genug genommen“

Landtagsabgeordneter Andreas Bialas (SPD) befürchtet, dass niemand die Verantwortung für das Ausmaß der Flut übernimmt. Der Untersuchungsausschuss geht unter anderem der Frage nach, warum die Wuppertalsperre so voll war und in der Flutnacht so viel Wasser abgelassen wurde. Archivfotos: Jürgen Moll/SPD
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Landtagsabgeordneter Andreas Bialas (SPD) befürchtet, dass niemand die Verantwortung für das Ausmaß der Flut übernimmt. Der Untersuchungsausschuss geht unter anderem der Frage nach, warum die Wuppertalsperre so voll war und in der Flutnacht so viel Wasser abgelassen wurde. Archivfotos: Jürgen Moll/SPD

Landtagsabgeordneter Andreas Bialas (SPD) ist Mitglied im Untersuchungsausschuss Hochwasserkatastrophe

Von Andreas Boller

Der Landtagsabgeordnete Andreas Bialas (SPD) ist Mitglied des parlamentarischen Untersuchungsausschusses Hochwasserkatastrophe. In der jüngsten Sitzung am 21. Januar hatte er die Gelegenheit, Fragen zum Hochwasser der Wupper am 14. und 15. Juli zu stellen.

Herr Bialas, wie ist die Sitzung des Ausschusses aus ihrer Sicht gelaufen?

Bialas: Überraschend war für mich, dass Thomas Klein, der als Sachverständiger Zeuge den Wupperverband vertrat, von einem Krisenstab des Wupperverbandes berichtete, der am 14. Juli ab 17 Uhr eingerichtet worden sei. Ich finde in den Unterlagen über das gesamte Schadensereignis nicht, dass es eine solche interne Kommunikation über die gesamte Nacht beim Wupperverband gegeben hat. Die Kommunikation mit der Stadt Wuppertal war mangelhaft, zudem hat es offensichtlich auch keine Kommunikation nach oben mit übergeordneten Stellen wie der Bezirksregierung gegeben.

Ein Kritikpunkt gegenüber dem Wupperverband ist der hohe Füllstand der Wuppertalsperre vor dem Unwetter. Die Talsperre war schon vor den kritischen Regenfällen fast voll. Wie wurde das erklärt?

Bialas: Der Wupperverband hat berichtet, dass stets kontrolliert Wasser aus der Talsperre abgelaufen ist. Normalerweise liegt der Wert unter 50 Kubikmeter pro Sekunde. Am 14. Juli um 17 Uhr wurden schon 70 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen, um 18 Uhr waren es 96 Kubikmeter, um 19 Uhr 140 Kubikmeter, um 21.30 Uhr 170 Kubikmeter. Ab 1 Uhr waren es knapp über 180 Kubikmeter. Erstmals auf unter 100 ging es dann erst am 15. Juli um 21 Uhr zurück. Ich habe dazu gesagt: Sie sind doch die Fachleute. Wenn sie selbst erklären, dass man mehr als 50 Kubikmeter nicht ablaufen lassen sollte, weil es dann für die unteren Bereiche der Wupper problematisch wird, so müssen sie mir dann doch sagen können, welches Schadenszenario zu erwarten ist, wenn derartige Mengen ablaufen? Darauf habe ich die Antwort erhalten, dass der Wupperverband die Meldungen weitergegeben habe, aber nicht für die Warnungen zuständig sei.

Der hohe Füllstand der Wuppertalsperre wird vom Wupperverband mit den extremen Niederschlägen Mitte Juli erklärt. Können Sie diese Erklärung nachvollziehen?

Bialas: Es liegen mir Aufzeichnungen vor, die zeigen, dass die Talsperre schon Tage und Wochen zuvor in zwei Fällen so gut wie vollgelaufen war. Das hatte aber keine Folgen, weil keine extremen Regenfälle folgten. Nicht so Mitte Juli, als die Talsperre am 14. und 15. Juli einen Zulauf aus dem Bergischen und von weiter oben liegenden Talsperren von bis zu 230 Kubikmeter pro Sekunde nicht mehr verkraften konnte.

Gibt es weitere Erkenntnisse?

Bialas: Der Wupperverband verweist darauf, dass die Öffentlichkeit über das Hochwasserportal laufend informiert worden sei. Wenn bei mir das Haus brennen würde, dann würde ich hoffen, dass mein Nachbar die Feuerwehr alarmiert und nicht nur Bilder vom Brand ins Internet stellt. Ich stehe fassungslos davor, wenn ich als Antwort bekomme, „wir melden doch unsere Pegelstände“.

Im Sommer ist kein Hochwasserschutz erforderlich – so jedenfalls sehen es die Vorgaben des Landes NRW vor. Was muss der Gesetzgeber ändern?

Bialas: Da muss etwas geschehen. Ich möchte aber auch gerne wissen, ob gewisse Stauziele erreicht werden müssen. 2020 und in den trockenen Sommern davor war der Wasserverlust sehr groß. 2021 war aber im Juli so viel mehr Wasser gestaut, dass man große Mengen hätte ablassen können.

Was muss geschehen, damit solche Schäden entlang der Wupper in Zukunft vermieden werden können? Welche Wirkung wird der Ausschuss haben? Besteht die Befürchtung, dass die Flut an der Wupper im Windschatten der noch schlimmeren Ereignisse an der Ahr kaum Beachtung findet?

Bialas: Das befürchte ich leider. Doch selbst wenn man an der Wupper nicht alle Schäden hätte verhindern können, wäre das Ausmaß geringer gewesen, wenn man die Wasserlinie niedriger gehalten hätte. Die Beyenburger haben mir berichtet, dass am 14. Juli gegen 22 Uhr noch einmal so etwas wie eine Welle am Untergraben angekommen ist.

Die Landtagswahl steht an und damit endet die Arbeit des Untersuchungsausschusses in seiner jetzigen Zusammenstellung. Was werden die Ergebnisse sein?

Bialas: Wir möchten wissen, wie das passiert ist. Es geht darum, zu wissen, wer dafür verantwortlich ist, dass viele Menschen immer noch im Müll sitzen. Es geht um Millionenschäden. Der Wupperverband hat die Situation offenbar nicht ernst genug genommen.

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