Trauer

Der Tod der Queen bewegt

Oliver Platt sagt: Die Queen hat immer Haltung gezeigt. „Die Mutter der Verlässlichkeit ist gestorben“, sagt er.
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Oliver Platt sagt: Die Queen hat immer Haltung gezeigt. „Die Mutter der Verlässlichkeit ist gestorben“, sagt er.

Wie Wermelskirchener mit britischen Wurzeln den Tod der Monarchin aufnehmen.

Von Theresa Demski

Der Tod von Queen Elizabeth bewegt die Menschen auch im Bergischen Land. Während die Bürgerinnen und Bürger in Großbritannien zum Buckingham Palace oder Windsor Castle pilgern, um gemeinsam zu trauern und Blumen abzulegen, erinnert sich Oliver Platt an seine eigene Geschichte mit der Königin: „Wenn früher im Fernsehen die englische Nationalhymne gespielt wurde, dann sind mein Vater und ich aufgestanden. Das war selbstverständlich. God Save The Queen.“ Royale Feste und Ereignisse, die im Fernsehen übertragen wurden, habe seine Familie genauso selbstverständlich angesehen wie große Fußballspiele. Und auch als er sich selbst viel mehr als Europäer und Weltbürger zu empfinden begann, blieb der respektvolle Blick zur englischen Königin. „Das hat etwas mit Haltung zu tun“, sagt er, „sie war jeden Tag Königin und jeden Tag für die Menschen im Einsatz.“

Sie habe Stabilität geboten und Verlässlichkeit – und das habe den Menschen in Großbritannien vor allem in schweren Zeiten sehr geholfen. Dann erinnert er sich, wie sein Vater von der Königin in Kriegs- und Nachkriegsjahren erzählte, von der Ermutigung die für ihr Volk in ihrem Handeln und ihrer Haltung steckte. „Das sind miteinander verknüpfte Lebensgeschichten“, sagt Oliver Platt in Erinnerung an seinen Vater, der im vergangenen Jahr gestorben ist.

Es bleiben nun Bilder wie die von jenem Moment, als Queen Elizabeth fast unmerklich zusammenzuckte, als Donald Trump ihr die Hand auf die Schulter legte. Oder an die kleinen Heiterkeiten am Rand, die Platt zu schätzen wusste. „Das war so eine edle Verschmitztheit“, sagt er, „sie hat mich oft zum Schmunzeln gebracht.“ Allerdings ist der Vorsitzende des Bürgerforums auch sicher, dass die Königin hinter den Kulissen stärker wirkte, als die meisten ahnen: „Sie war mehr als die winkende Hand im Rolls-Royce“, sagt er, „sie hatte politischen Einfluss.“ Und den habe sie auch genutzt – im Gespräch mit Staatenlenkern

„Und trotzdem hatten wir nicht die leiseste Ahnung, was sie politisch dachte“, sagt Les Searle am Freitag. Der britische Jazzmusiker und Komponist aus Polesworth lebt seit mehr als 50 Jahren nicht mehr in seinem Heimatland. Als Saxophonist der Royal Air Force kam er in den 1960er Jahren nach Deutschland. „Meine Frau und ich, wir sind keine Monarchisten“, sagt er, „aber heute sind wir doch ein bisschen traurig – so wie viele Menschen auf der ganzen Welt.“ Die Königin habe einen „tollen Job“ gemacht – bis zuletzt. Womöglich sei die Queen die prominenteste Frau der ganzen Welt gewesen. „Dass die Menschen in Großbritannien nun zum Buckingham Palace, nach Balmoral und Windsor aufbrechen, das hatte ich nicht anders erwartet“, sagt Les Searle. Für viele sei ihr Tod ein Schlag gewesen, auch wenn er mit 96 Jahren zu erwarten gewesen sei. Sorgen um Großbritannien mache er sich nicht: „Es geht weiter“, ist Les Searle der Meinung.

Die Queen war am Donnerstagabend auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in Schottland gestorben. Zuvor hatten sich ihre Ärzte schon Sorgen um ihren Gesundheitszustand gemacht.

Oliver Platt trauert um die Queen

-kc- Oliver Platt, Mitglied des Bürgerforums, ist Brite. Er wurde in Wermelskirchen geboren, von seinem britischen Vater aber königstreu und mit einer britischen Haltung erzogen. „Für mich ist mit Queen Elizabeth die Mutter der Verlässlichkeit gestorben“, sagt er. „Als ich die Nachricht von ihrem Tod gehört hatte, wurde mir das sehr deutlich. Sie stirbt in einer Zeit, wo in dieser Welt nichts mehr verlässlich ist. Das habe ich auch meinen Kindern erzählt, als sie mich fragten, wie es mir ginge.“ Queen Elizabeth habe ihr Leben lang Haltung gezeigt – bis zum Schluss. „Sie hat mit Churchill geredet, mit John F. Kennedy und auch mit Barack Obama“, sagt Oliver Platt. „Sie war eine kluge, weltpolitisch versierte und humorvolle Frau. Und wenn man auf ihr ganzes Leben schaut, dann dürfen die Fehler, die sie auch gemacht hat, nicht im Vordergrund stehen.“

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