Hospizverein Wermelskirchen

Der Blick auf den Tod und das Leben verändert sich

Der Hospizverein Wermelskirchen bot einen Infostand vor dem Rathaus: (v.l.) Manfred Skopnick, Barbara vom Stein, Malte Schartz, Tanja Franken und Hans Sieadak. Foto: Doro Siewert
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Der Hospizverein Wermelskirchen bot einen Infostand vor dem Rathaus: (v.l.) Manfred Skopnick, Barbara vom Stein, Malte Schartz, Tanja Franken und Hans Sieadak.

Hospizverein Wermelskirchen informiert vor dem Rathaus über seine Arbeit.

Von Peter Klohs

Anlässlich des Deutschen Hospiztages (9. Oktober) stellte sich am Samstagmorgen vor dem Rathaus der Hospizverein Wermelskirchen vor und gab Einblicke in seine Arbeit. Außer zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen sind im Verein 32 ehrenamtliche Mitarbeitende tätig, vor allem Frauen. „Aber mittlerweile haben wir auch vier Männer in unseren Reihen“, berichtet Mitarbeiterin Tanja Franken. „Und das ist gut so, denn es gibt schon Männer, die in der ihnen verbliebenen Lebenszeit lieber von Männern begleitet werden wollen.“

Die Koordinatorinnen klären im Vorfeld der Hospizarbeit die Bedingungen, schauen sich die Gegebenheiten und Möglichkeiten des zu begleitenden Menschen an und klären, welcher Mitarbeiter für diesen Menschen als Begleitung seiner verbliebenen Lebenszeit geeignet ist. „Das ist mitunter auch viel Verwaltungsarbeit“, weiß Barbara vom Stein, stellvertretende Vorsitzende.

Für die Arbeit als Begleitung für sterbende Menschen ist nicht jede und jeder geeignet. Der Befähigungskurs klärt, ob die jeweiligen Hospizmitarbeiter die in sie gesteckte Erwartung erfüllen können, ohne - zumeist seelische - Schäden davonzutragen. „Diese Kurse sind immens wichtig“, erzählt Tanja Franken. „Sie gehen über insgesamt 80 Stunden, die über mehrere Monate verteilt sind, und man lernt unglaublich viel über sich selbst, seine Stärken und Schwächen. Da werden Fragen gestellt wie: Was ist Würde? Oder: Was braucht ein Sterbender? Es gibt auch Menschen, die nach zwei Stunden Befähigungskurs gehen, weil sie merken, dass diese Arbeit doch nichts für sie ist. Die alle zwei Monate durchgeführte Supervision ist darüberhinaus außerordentlich stärkend für uns.“

Manfred Skopnick, ebenfalls Mitarbeiter des Vereins, berichtet davon, dass sich sein Blick auf den Tod durch die Hospizarbeit stark verändert habe. „Und der Blick auf das Leben ebenso“, sagt er. „Man entwickelt einen Sinn dafür, was wesentlich ist und was nicht.“

Oft werde der Hospizverein zu spät gerufen

Die Mitarbeiter des Hospizvereins sind sich darüber einig, dass sie eigentlich sehr oft zu spät gerufen werden. „Wir machen zu viel finale Begleitung“, findet Tanja Franken. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen eher bei uns melden. Genau dann, wenn ein Mensch eine schlechte Diagnose erhält und dadurch seine Lebenszeit verkürzt wird, ist der Zeitpunkt, uns zu kontaktieren. Wir begleiten die Menschen ja nicht nur drei oder vier Tage, sondern auch über einen weitaus längeren Zeitraum.“

Erinnerungswürdige Szenen haben sie alle schon erlebt. „Manchmal“, sagt Manfred Skopnick, „kommt man an einen Ort, an dem ein Mensch stirbt und der trotzdem voller Leben ist.“

Standpunkt: Hilfe in schwerer Zeit

Von Markus Schumacher

markus.schumacher@rga.de

Sich mit dem Tod zu beschäftigen, gehört sicher nicht zu den angenehmeren Dingen im Leben. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, sich auch damit auseinanderzusetzen. Mit einem Informationsstand vor dem Rathaus sorgte der Hospizverein Wermelskirchen an diesem Wochenende schon einmal dafür, dass die Hemmschwelle möglichst niedrig ist. Und die Mitarbeiter hatten auch gut zu tun, viele Menschen kamen vorbei, ließen sich informieren. Hospizarbeit ist aus einer Bürgerbewegung heraus entstanden und wird noch bis heute maßgeblich vom ehrenamtlichen Engagement getragen. Im Wermelskirchener Verein gibt es zwei hauptamtliche Koordinatorinnen, alle anderen Mitarbeiter sind ehrenamtlich im Einsatz. Ziel ihrer Arbeit ist es, die letzte Lebensphase so lebenswert wie möglich zu gestalten und den Menschen ein Sterben in Würde und Geborgenheit zu ermöglichen. Hospizarbeit besteht auch darin, Angehörige und nahestehende Menschen in der Zeit des Abschiednehmens und der Trauer zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, den Verlust emotional zu verarbeiten.

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