Der Bauboom in Wermelskirchen hält an

Während die Vorbereitungen für die Tiefgarage bereits abgeschlossen sind (r.), macht auch die große Baustelle am Loches-Platz Fortschritte. Fotos: Udo Teifel
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Während die Vorbereitungen für die Tiefgarage bereits abgeschlossen sind (r.), macht auch die große Baustelle am Loches-Platz Fortschritte.

Privatleute schufen sich für 34,2 Millionen Euro ihre eigenen Häuser – Stadtsparkasse zufrieden mit Kreditgeschäft

Von Udo Teifel

Wenn die beiden Sparkassenvorstände Rainer Jahnke und Hans-Jörg Schumacher aus dem Fenster schauen, sehen sie auf den Loches-Platz. Sie blicken auf den Rohbau des neuen Einkaufszentrums, der sich täglich verändert – er wächst zügig. Nicht nur die beiden riesigen Kräne sind die Taktgeber für Wachstum in der Stadt – insgesamt sind fünf Kräne allein in der Innenstadt im Einsatz. Doch nicht nur hier ist eine rege Bautätigkeit zu beobachten. Viele Eigenheime entstehen, und auch der Bauverein ist rührig.

Geld wird nach wie vor in Steine investiert. Das können die Sparkassenvorstände bestätigen. Denn das Geld ist billig. 2015 war man fast sprachlos, weil erstmals der Darlehnszins bei einer zehnjährigen Laufzeit unter zwei Prozent lag. Heute zahlen Kunden etwa ein bis 1,3 Prozent. Billiger war das Bauen noch nie. Der Grund ist seit vielen Jahren bekannt: die Leitzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sparer haben da das Nachsehen, müssen sogar Negativzinsen zahlen, wenn zu viel Geld gespart haben.

Reges Kreditgeschäft bei der Stadtsparkasse

Die Häuslebauer indes freut es: Die Wermelskirchener nutzen es, preiswert an ein Eigenheim oder eigene vier Wände zu kommen. Die Stadtsparkasse gab 2020 für den Wohnungsbau Darlehenszusagen in Höhe von 69 Millionen Euro. 2019 lagen die Darlehen bei 50,1 Millionen Euro. Für rund 27 (2019: 16,1) Millionen Euro wurden davon Neubauten errichtet. Für Kauf/Erwerb wurden 39,5 (29,9) Millionen Euro genutzt, für Renovierung gab´s Darlehenszusagen in Höhe von 4,2 (3,9) Millionen Euro. Für insgesamt 34,2 (25,3) Millionen Euro wurden Eigenheime gebaut.

Das rege Kreditgeschäft, erläutert Hans-Jörg Schumacher, sei im Wesentlichen durch die derzeit hohe Nachfrage nach den Wohnungsbaufinanzierungen getragen. „Sowohl der gewerbliche Neubau von Wohnungen als auch der Erwerb/Neubau von Eigenheimen entwickelte sich sehr positiv für die Stadtsparkasse“, sagt der Vorstand. Ruhiger hingegen sei es bei Unternehmensinvestitionen wie für Fahrzeuge, Anlagen oder Maschinen. „Die Unternehmer sind mit Investitionen vorsichtig oder haben sich bereits zu Beginn der Pandemie mit ausreichend Liquidität versorgt, so dass kleinere Investitionen nun aus vorhandenen Finanzmittel finanziert werden.“

Obwohl der Wohnungsbau sehr stabil sei, bereite die Baumaterialknappheit große Sorgen. „Die Preise für den Quadratmeter steigen und machen das Bauen und auch den Kauf von Immobilien teurer.“ Das sei aber nicht so dramatisch, dass es die Bautätigkeit stoppe. „Wir beobachten aber doch eine Preissteigerung bei Neubauten von zehn bis 20 Prozent in den vergangenen Jahren.“ Die Folge für viele Bauherren: Es muss oftmals nachfinanziert werden.

„Wenn Neubauten teuerer werden, ziehen auch die Preise im Bestand an.“

Hans-Jörg Schumacher, Sparkassenvorstand

Preissteigerungen bei Baumaterialien haben aber auch weitere Folgen. Schumacher: „Wenn die Neubauten teurer werden, ziehen auch die Preise für Bestandsimmobilien mit an.“ Die Nachfrage nach Wohnungsbaufinanzierungen setzt sich auch 2021 fort – trotz deutlich steigender Immobilienpreise. So gab es bereits bis September 2021 Zusagen für den Wohnungsbau in Höhe von 53,6 Millionen Euro. Davon für Eigenheime in Höhe von 27,1 Millionen Euro. Für die Renovierung wurden 3,7 Millionen Euro zugesagt. Hans-Jörg Schumacher: „Insgesamt sind wir mit der Entwicklung im Kreditgeschäft in den Jahren 2020/21 sehr zufrieden.“

Von städtischer Seite kann man diesen Bauboom bestätigen – denn die Zahl der Bauanträge ist hoch. Im Jahr 2020 wurden 247 Anträge eingereicht, und zwar 24 für Einfamilienhäuser, sieben Mehrfamilienhäuser und elf Gewerbeobjekte. Der Rest sind Anträge für Umbauten, Erweiterungen, Nutzungsänderungen, Teilungen. Im Jahr 2021 seien bisher 218 Anträge eingereicht – 23 für Einfamilienhäuser, vier Mehrfamilienhäuser und neun Gewerbeobjekte. Aktuell sind noch rund 40 Anträge in der Bearbeitung. Das teilte Florian Leßke, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, mit.

Leßke betonte, dass die Bearbeitungszeit variieren könne. Denn: Ein geplanter Neubau in der Innenstadt sei einfacher zu prüfen als ein Bauantrag für ein Grundstück, das im Außenbereich liege und für das mehr externe Behörden Stellungnahmen erstellen müssen. „Gerade bei externen Stellungnahmen kommt es aufgrund der pandemischen Lage zu Verzögerungen. Intern werden die Stellungnahmen innerhalb von spätestens zwei Wochen abgegeben.“ Und weiter: „Durchschnittlich benötigen wir dann 18,4 Tage für die Prüfung und Genehmigung.“

In sehr vielen Fällen fehlen jedoch relevante Unterlagen, die nachgereicht werden müssten. „Als Service hat die Stadtverwaltung deshalb online eine Bauberatung eingerichtet, um potenziellen Bauherren einen ersten Überblick über das Planungs- und Baurecht zu geben, damit die weiteren Schritte für die Bauphase leichter wird.“ Dabei erhalten die künftigen Bauherren auch einen Überblick, welche Unterlagen erforderlich sind.

Hintergrund

Darlehenszusagen: Unter dem Strich war 2020 für die Stadtsparkasse wieder ein „Top-Jahr“. Insgesamt wurden 97,2 Millionen Euro an Darlehen bewilligt. 2019 waren es 75,9 Millionen Euro. Bis September dieses Jahres wurden bereits 60,1 Millionen bewilligt.

Privatpersonen: In 2020 erhielten Privatpersonen Darlehenszusagen in Höhe von 39,7 Millionen Euro, in 2019 34,8 Millionen Euro. 2021 sind es 23,8 Millionen.

Unternehmen/Selbstständige: Bei 57,1 Millionen Euro lagen die Zusagen in 2020. Im 2019 waren es 40,8, aktuell wurden 36,8 Millionen Euro bewilligt.

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