Mein Blick auf die Woche

Demokratie muss jetzt auch mal wehrhaft sein

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anja.siebel@rga.de

Mein Blick auf die Woche

Von Anja Carolina Siebel

Das war im Grunde schon lange überfällig: Die neu gegründete Bürgerinitiative für Solidarität und Gesundheit hatte für Montag zu einer angemeldeten Kundgebung auf den Rathausplatz eingeladen. Die kleine und friedliche Demonstration, an der laut Polizei rund 100 Wermelskirchener teilnahmen, sollte nicht nur einen Gegenpol zu den nicht angemeldeten „Spaziergängen“ bilden, die die Kritiker der Corona-Maßnahmen allwöchentlich montags anbieten. Sie sollte vor allem dokumentieren, dass man hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Sinn der Impfung steht, wenn man auch manche Entscheidung der Politik kritisch betrachtet.

Längst überfällig war das, weil ein Teil der so genannten Spaziergänger nicht müde wird, hetzerische und regierungsfeindliche Töne anzuschlagen – unter anderem zu lesen in der öffentlichen Telegram-Gruppe „Widerstand Wermelskirchen“. Da werden zum Teil rechtsextreme Inhalte geteilt und für das „Austreten aus dem System“ geworben, da wird gegen anders Denkende gehetzt. Zudem erhalten Journalisten, Verwaltungsmitarbeiter und Politiker auch in Wermelskichen gehäuft Droh-E-Mails, in denen sie aufgefordert werden, dafür einzustehen, die Corona-Maßnahmen sofort zu beenden. Andernfalls hätten sie „Konsequenzen zu erwarten“. All das kann und muss eine demokratische Gesellschaft nicht dauerhaft hinnehmen. Deshalb ist es wichtig, dass auch jene sich klar und deutlich zu Wort melden, die hinter den Impfungen und für den offenen, konstruktiven Diskurs stehen.

Die „Spaziergänger“ betonen in den sozialen Netzwerken immer wieder, dass niemand mit ihnen spreche, sich ihre Meinung anhöre. Wie Bürgermeisterin Marion Lück indes am Abend der Kundgebung noch einmal verdeutlichte, habe mit ihr bisher niemand gesprochen. Sie sei allerdings jederzeit zum Dialog bereit. Möglicherweise ist es für solche Dialoge indes schon zu spät. Dass die Fronten sich verhärtet haben, lässt sich nicht nur in den sozialen Medien ablesen. Der Versuch der demokratischen Parteien diese Woche, zu allen Seiten gesprächsbereit zu bleiben, ist ein hehres Ziel. Ob es umsetzbar ist, sei dahingestellt. Denn jene, die sich gesichts- und namenlos montags zu ihren „Spaziergängen“ formieren. möchten offenbar in der Mehrzahl gar nicht mehr sprechen. Sie möchten „Widerstand“ leisten, am liebsten ganz anonym. Das ist bitter, aber wohl hinzunehmen. Gleichwohl muss man das nicht schweigend tun. „Demokratie muss wehrhaft sein“, hat Alt-Bürgermeister Rainer Bleek am Montag am Mikrofon gesagt. Und warum sollte sie das nicht auf konstruktive Art sein?

Top: Parkplatznot im Eifgen: Parteien kommen ins Gespräch.

Flop: Dauerthema: Eschbachstraße wird wieder Baustelle.

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