Pandemie

Das Weihnachtsgeschäft lief schleppend

Blickt trotz aller Sorgen noch recht optimistisch in die Zukunft: Christian Warnke vom Hotel Zum Schwanen.
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Blickt trotz aller Sorgen noch recht optimistisch in die Zukunft: Christian Warnke vom Hotel Zum Schwanen.
  • Anja Carolina Siebel
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Händler und Gastronomen sind frustriert und verunsichert wegen der Corona-Verordnung

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Seit er vor 17 Jahren nach Wermelskirchen gekommen sei, habe er kein so trauriges Weihnachtsgeschäft erlebt, resümiert Einzelhändler Jörg Michels (Hochzeitstraße, Anzugs-Kultur). „Das Online-Geschäft bei uns lief zwar bombastisch“, räumt Michels ein. Und auch seine Whiskey-Gutscheine oder die Männer-Geschenke im neuen Geschäft „Anzugs-Kultur“ an der Carl-Leverkus-Straße seien gut angenommen worden. „Aber dass die Leute mit Liebe in der Stadt eingekauft hätten, das kann ich wirklich nicht sagen. Das meiste lief über das Internet.“

Ähnlich sieht das Ulrike Schnütgen (Quick-Schuh): „Es lief wirklich sehr schleppend dieses Jahr“, sagt sie. Die Unternehmerin glaubt, dass es in Wermelskirchen hätte besser funktionieren können – mit einer etwas anderen Strategie: „Den Leuten war es häufig lästig, immer wieder ihren Impfnachweis und den Personalausweis parat zu haben. Mit einer Bändchen-Lösung wie in Remscheid oder Wuppertal hätten wir mit Sicherheit mehr erreichen können. Es wäre für die Kunden wesentlich bequemer gewesen, nur einmal ihren Nachweis zeigen zu müssen und dann den ganzen Tag lang in der Stadt einkaufen zu können.“ Stadtverwaltung und Marketingverein WiW hatten sich aber wie berichtet in der Vorweihnachtszeit bewusst gegen dieses Modell entschieden. Die Wermelskirchener würden in der Regel eher Zielkäufe vornehmen, statt einen ganzen Tag lang in der City zu bummeln, hieß es zur Begründung.

„Es war natürlich nicht vergleichbar mit 2019.“

Stefan Rojewski, Sprecher der Einzelhändler

Stefan Rojewski zieht als Sprecher der Wermelskirchener Einzelhändler und Inhaber der Modegeschäfte „Male“ und „Female“ ein etwas positiveres Resümee. „Wir können uns im Großen und Ganzen nicht beschweren. Natürlich war das Geschäft nicht so gut wie im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie“, räumt der Händler ein. „Aber ich denke, dass es bei uns noch immer besser läuft als in den Großstädten. Wir haben ja auch viele Stammkunden.“

In der Gastronomie herrscht noch ein wenig mehr Unsicherheit als im Handel. Anna Fanelli (ToscaAnna) hatte sich zusammen mit ihrem Team deshalb entschlossen, das Restaurant über die Feiertage zu schließen. Zu unsicher sei die Lage gewesen. „Wir wussten ja gar nicht, ob Gäste kommen. Und dann hätten wir umsonst eingekauft“, berichtet die Wermelskirchener Gastronomin. Und die Unsicherheit bleibt. „Wir öffnen diese Woche wieder, wollen aber schauen, wie es läuft und dann weiter entscheiden.“ Die Vorweihnachtszeit sei schwierig gewesen. „Die Leute waren trotz Impfung sehr vorsichtig. Immer wenn von steigenden Zahlen die Rede war, haben wir das auch im Restaurant gemerkt.“

„Wir mussten viele Abstriche machen“, sagt auch Christian Warnke (Hotel Zum Schwanen). Für ihn sei 2021 „mit Abstand das schlimmste Jahr seines Lebens“ gewesen. Neben privaten Schicksalsschlägen, Krankheits- und Todesfällen, seien die existenziellen Sorgen hinzugekommen. „Es herrscht einfach nach wie vor eine große Unsicherheit“, sagt er. Und befürchtet, dass Bund und Länder bei ihrem erneuten für den 7. Januar einberaumten Treffen einen weiteren Lockdown für alle beschließen. „Dann“, sagt Warnke, „hätten wir wieder dieselbe Situation wie vor einem Jahr.“

Das Geschäft über Weihnachten sei im Hotel Zum Schwanen recht gut gelaufen. „Allerdings nicht vor Weihnachten“, sagt der Gastronom. Weihnachtsfeiern seien ausgefallen, Geburtstage und andere Feierlichkeiten. „Normalerweise zehren wir in den ersten ruhigeren Monaten des Jahres vom November und Dezember“, erklärt er. „Das können wir dieses Jahr mit Sicherheit nicht.“

Trotz aller Rück- und Schicksalsschläge blickt Warnke optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, das war der letzte Winter, in dem wir solche Einschränkungen hinnehmen mussten.“

Corona-Regeln

Die 2G-Regel wurde Anfang Dezember von der Gastronomie auf den Einzelhandel ausgeweitet. Davon ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, wie etwa Supermärkte, Apotheken, Drogerien, aber auch Buchhandlungen. Der Zugang soll von den Geschäften selbst kontrolliert werden. Ab Dienstag gilt für Sport und Wellness in Innenräumen außerdem die 2G-plus-Regel, das heißt, dass auch immunisierte Personen einen Schnelltest vorlegen müssen.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

An die 2G-Regel in Gastronomie und Handel haben sich die meisten Menschen inzwischen wahrscheinlich Zähne knirschend gewöhnt. Nun kommt, zumindest in Nordrhein Westfalen, die 2G-plus-Regel für Sport und Wellness in Innenräumen hinzu. Für wie lange? Das steht in den Sternen. Und folgt dem ein weiterer harter Lockdown? Das weiß man bislang nicht. Freilich ist die Situation mit der Omikron-Variante des Coronavirus‘ eine neue. Und es ist noch recht unsicher, wie gut eine Impfung gegen die Mutation wirkt. Allerdings scheint klar zu sein, dass zumindest das Risiko, schwere Krankheitsverläufe zu erleiden, mit einer dritten Impfung minimiert ist. Verständlich ist, dass auch jenen, die sich haben ein drittes Mal impfen lassen, die seit nunmehr fast zwei Jahren Rücksicht und Vorsicht walten lassen, langsam die Puste ausgeht. Und auch die Unternehmer, allen voran Gastronomen, Händler, Kulturschaffende, gehen auf dem Zahnfleisch. Ihnen gegenüber wäre ein wenig mehr Transparenz angebracht, wie es denn nun weitergehen soll. Denn fest steht: Das muss es.

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