Tierschutz

Das Tierheim ist nicht immer zuständig

Tierheimleiter Günter Leuerer kümmert sich um Fundtiere. Manchmal aber auch um herrenlose Katzen. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Tierheimleiter Günter Leuerer kümmert sich um Fundtiere. Manchmal aber auch um herrenlose Katzen.

Bei herrenlosen, verletzten Katzen kann auch die Hilfe der Finder gefragt sein.

Von Anja Carolina Siebel

Günter Leuerer ist es gewöhnt, dass er es nicht allen recht machen kann. Der Leiter des Wermelskirchener Tierheims hatte es schon häufiger mit schwierigen Fällen zu tun.

Aktuell sah er sich wieder harscher Kritik ausgesetzt. Vor allem in den sozialen Netzwerken ging es hoch her. Der Grund: In Dabringhausen hatte jemand eine Katze gefunden, die offensichtlich verletzt war. Sie hätte gehechelt, sei dehydriert gewesen und hätte unter epileptischen Anfällen gelitten, berichtet Leuerer. Der Finder hätte eine Tierhilfe-Einrichtung benachrichtigt; das Team des Tierheims sei nicht erreichbar gewesen. Die Tierhilfe-Mitarbeiter hatten die Katze zum Tierarzt gebracht; die Kosten sollte nun das Tierheim übernehmen.

„Wir sind in einem solchen Fall nicht zwingend zuständig“, sagt Günter Leuerer. „Wenn jemand ein verletztes Tier findet, das offensichtlich schnell Hilfe braucht, ist er erst einmal selbst verantwortlich“, sagt der Tierheim-Leiter. „Wir sind auch nicht rund um die Uhr erreichbar. Aber täglich von 11 bis 16 Uhr mindestens. Ansonsten per Anrufbeantworter. Wir kümmern uns um jedes Anliegen.“

„Bei einer verletzten Katze ist erst mal der Finder verantwortlich.“

Günter Leuerer, Tierheimleiter

Klar geregelt sei die Zuständigkeit der Stadt beziehungsweise des Tierheims bei Fundtieren, die zum Beispiel ein Halsband tragen oder einen Chip. Leuerer: „Das ist zum Beispiel bei Hunden so. Die werden dann erst mal bei uns aufgenommen, bis sich der Besitzer gefunden hat. Das geht in der Regel auch schnell.“

Katzen würden in der Regel sehr selten beim Tierheim als Fundtiere abgegeben. „Sie werden in den seltensten Fällen als offensichtlich vermisst aufgegriffen, weil eine Katze auf der Straße ja nicht auffällt. Katzen streunen nun mal herum.“

Einzig, wenn sich eine Katze auffällig verhalte oder – wie im aktuellen Fall – verletzt sei, würden viele handeln. „Sie rufen dann beispielsweise die Feuerwehr oder eben die Tierhilfe. Oder uns.“ Sei das Tierheim erreichbar, würde es sich auch kümmern. „Aber bei verletzten Tieren ist immer schnelle Hilfe gefragt. Und dafür ist der Finder dann selbst zuständig“, sagt Günter Leuerer.

Arne Feldmann, Leiter des Wermelskirchener Ordnungsamtes, unterstreicht auch, dass man zwischen herrenlosen und Fundtieren unterscheiden müsse. „Bei herrenlosen Tieren, meist sind das ja Katzen, ist es wirklich schwer, eine Zuständigkeit zu ermitteln“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Bei Fundtieren sei aber prinzipiell die Stadt, dann das Tierheim zuständig. „Meist greift die Feuerwehr die Tiere auf und bringt sie dann ins Tierheim“, sagt Feldmann.

Einige finden ein neues Zuhause

Günter Leuerer berichtet indes, dass durchaus auch herrenlose Katzen, die offensichtlich Hilfe brauchen, vom Tierheim betreut werden. „Wir haben da einige ganz tolle Beispiele von Katzen, die erst total scheu waren, bei uns dann kastriert und geimpft wurden und später auch wieder ein tolles, artgerechtes Zuhause gefunden haben.“

Wenn die Tiere sich nicht gleich anfassen lassen, kommen die sogenannten Katzenkrauler im Tierheim zum Einsatz. Sie domestizieren die Katzen, so dass sie später tatsächlich als Freigänger weiter vermittelt werden könnten.

Einige Wermelskirchener Ehrenamtler füttern auch herrenlose Katzen, die sich partout nicht einfangen lassen wollen, im Stadtgebiet. „Es gibt da ganz bestimmte Stellen, wo teilweise bis zu 20 Katzen hinkommen“, weiß Günter Leuerer. „Herrenlose Katzen fallen in der Regel erst dann auf, wenn sie sich irgendwie bemerkbar machen. Sei es durch starke Markierung, Maunzen oder wenn sich Hauskatzen durch sie gestört fühlen“, sagt der Tierheimleiter. Dann würden die Tierschützer mit Futterfallen aktiv und würden sich kümmern.

Kontakt

Das Tierheim Wermelskirchen, Am Aschenberg 1, hat jeden Tag von 11 Uhr bis 14 Uhr geöffnet und ist telefonisch täglich von 11 bis 16 Uhr zu erreichen. Auch an Sonntagen und an Feiertagen. Außerhalb dieser Zeiten geht der Anrufbeantworter ran, der regelmäßig abgehört wird. Besichtigungen sind in der Regel ohne vorherige Anmeldung möglich, zu Corona-Zeiten ist ein Anruf vorher allerdings erwünscht.

Standpunkt: Recht auf Schutz

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Man kann es nicht jedem recht machen. Schon gar nicht im Tierschutz. Da treffen sich mitunter sehr engagierte, aber auch sehr sensible Menschen. Günter Leuerer weiß das. Er versucht zusammen mit seinem Team, seine Sache gut und es vor allem den Tieren recht zu machen. Auch das gelingt nicht immer. Aber manchmal helfen dann auch einfach ein klärendes Gespräch und ein Zurückschrauben der Befindlichkeiten. Vielleicht muss auch noch mal abschließend geklärt werden, wer tatsächlich für die Kosten einer verletzten Katze aufkommt, die gefunden wurde. Aber im Falle von Wildtieren sind es ja auch jene, die das Tier gefunden und zum Tierarzt gebracht haben. Grundsätzlich wird sich bei einem verletzten Tier aber – hoffentlich – immer jemand finden, der letztlich für die Kosten aufkommt. Sei es ein großzügiger Spender. Denn wenn auch Fundtiere vor dem Gesetz als „Sachen“ gelten, so sind sie das noch lange nicht. Es sind Lebewesen, die ein Recht darauf haben, keine Schmerzen erleiden zu müssen und bestmöglich behandelt zu werden. Das sollte jeder wissen.

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