Das letzte Abendmahl Jesu ist ein starkes Zeichen von Gemeinschaft

Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster.Archivfoto: Roland Keusch
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Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster.Archivfoto: Roland Keusch

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster, Remscheid

Es ist sicher das „katholischste“ unter allen kirchlichen Festen: das Fest Fronleichnam, das letzten Donnerstag gefeiert wurde. Dieses Fest, das im 13. Jahrhundert entstand, feiert noch einmal das, was bereits am Gründonnerstag begangen wurde: das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Da der Gründonnerstag von der anschließenden Feier des Leidens und Sterbens Jesu überschattet wird, wird dieses wichtige Ereignis noch einmal separat gefeiert. Der Name dieses Festes kommt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt in heutigem Deutsch „Leib des Herrn“. Gemeint ist damit die zentrale Handlung dieses Abendmahles: Jesus reicht den Jüngern Brot und spricht dazu „Das ist mein Leib“. Über einen Becher mit Wein sagt er: „Das ist mein Blut.“ Das hört sich zunächst seltsam an. Aber damit ist gemeint: Ich bin in Brot und Wein bei euch, wenn ihr dieses Mahl feiert. Er gibt ihnen den Auftrag, dieses Mahl immer wieder zu seinem Gedächtnis zu feiern. Wenn Christinnen und Christen dieses Mahl in Erinnerung an Jesus begehen, dann gedenken sie all dessen, was Jesus gelebt und getan hat, was er gepredigt und wofür er mit seiner Person stand.

Miteinander essen verbindet. Das verstehen Menschen auch heute noch, selbst da, wo in Familien gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr vorkommen. Vielleicht wird gerade jetzt in Corona-Zeiten deutlich, wie bereichernd miteinander essen sein kann und wie wichtig dies für Gemeinschaftserfahrungen ist.

Im Orient war und ist das gemeinsame Essen ein starkes Zeichen von Gemeinschaft. So hat Jesus immer wieder mit Menschen zusammen gegessen, um ihnen zu zeigen, dass sie dazugehören. Und er pflegte auf diese Weise Gemeinschaft mit ausgegrenzten und geächteten Menschen. Das war für viele Fromme eine Provokation. Wenn Christinnen und Christen dieses Mahl in Erinnerung an Jesus begehen und er selbst in Brot und Wein bei ihnen ist, sollen sie sich vergegenwärtigen, wie er im Mahl Gemeinschaft geschenkt und tiefe Gräben zwischen Menschen überwunden hat. So wird dieses Mahl zum Auftrag, wie er zu handeln.

Um so tragischer ist, dass dieses kostbare Zeichen der Gemeinschaft und des Einsseins der Jüngerinnen und Jünger Jesu miteinander und ihrem Herrn im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder zum Zankapfel und Anlass geworden ist, einander auszugrenzen, sich zu entzweien und zu spalten. Dabei hat Jesus kurz vor seinem Tod dringend darum gebetet, dass die Jüngerinnen und Jünger eins seien. Auch wenn Fronleichnam ein katholisches Fest ist, ist es für mich immer wieder Anlass, mich nicht mit den Spaltungen abzufinden. Wäre es nicht wichtiger, auf Jesu Beispiel zu schauen, als mit theologischen Spitzfindigkeiten Spaltungen zu zementieren? Es schmerzt, dass eine gemeinsame Feier zwischen den christlichen Konfessionen nicht möglich ist. Es bleibt aber der dringende und bleibende Auftrag Jesu, dies nicht einfach hinzunehmen. Das Mahl Jesu, das eine Einheit bezeichnet, darf Christinnen und Christen nicht voneinander trennen.

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