In Bollinghausen steigt der Unmut

Das lange Warten auf den Kreisverkehr

Bollinghausen ist eine Sackgasse. Hier die Ausfahrt mit Blick auf die Landstraße und das Logistikzentrum.
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Bollinghausen ist eine Sackgasse. Hier die Ausfahrt mit Blick auf die Landstraße und das Logistikzentrum.

Versprochene Maßnahme befindet sich in der Schwebe.

Von Udo Teifel

Wermelskirchen. Wann kommt endlich der Kreisverkehr in Bollinghausen? Diese Frage stellen sich die Bürger der Ortschaft seit über einem Jahr – manche noch länger. Denn mit den ersten Planungsansätzen zur Sanierung der Brücke und der Ansiedlung des Logistikzentrums Dönges & Wetec kam sofort der Bau eines Kreisverkehres in Höhe einer zu bauenden Einfahrt zum Logistikzentrum gegenüber der Einfahrt nach Bollinghausen ins Gespräch.

Vor eineinhalb Jahren, als die Brücke eingerüstet wurde, fanden Gespräche statt, wie es mit dem Kreisverkehr weitergehen könnte. Die Frage stand immer im Raum: Kann der Kreisverkehr-Bau parallel zur Brückensanierung erfolgen? Die Aussage der Stadt im Mai 2021: Beide Bauprojekte könnten parallel umgesetzt werden. Diese Position vertrat damals der Tiefbauamtsleiter Harald Drescher. Das sei so mit dem Landesbetrieb Straßen NRW abgestimmt. Auch die Autobahn GmbH des Bundes als neuer Straßenbaulastträger der Brückensanierung erklärte auf Anfrage der Redaktion: „Nach Abstimmungsgesprächen mit der Stadtverwaltung steht zwei parallelen Baustellen nichts im Wege.“

Auf die zweite Baustelle warten die Bollinghausener immer noch. „Der Kreisverkehr ist dringend notwendig“, sagt Uta Lenz. Sie wie auch ihr Sohn Tim haben schon böse Erfahren auf der Landstraße gemacht: „Wir hatten schon zweimal einen wirtschaftlichen Totalschaden, weil uns im Abbiegevorgang nach Bollinghausen Autos draufgefahren sind.“ Wer aus Richtung Brücke komme und nach Bollinghausen abbiegen wolle, müsse mit allem rechnen. „Ab der Brücke nehmen viele Fahrer wieder Tempo auf. Oftmals knallt es. Wir sind nicht die Einzigen, die dort einen Unfall hatten.“

Die L 157 in Bollinghausen: Gegenüber der Zufahrt nach Bollinghausen sollte ein Kreisverkehr gebaut werden.

Davon berichtet auch Frank Hulverscheidt. Auch er war Opfer eines Auffahrunfalls, der jedoch glimpflicher verlief. Beide Bollinghausener betonen, dass ein Abbiegen auf die Landstraße  aus der Ortschaft vor allem in der morgendlichen und abendlichen Rushhour immer schwieriger werde. „Wir stehen wenigstens fünf Minuten, damit wir eine Lücke finden im Verkehr Richtung Autobahn. Und oftmals kommt dann noch ein Auto von rechts, und dann geht wieder nichts“, so Uta Lenz. Der Kreisverkehr in Ostringhausen habe dazu geführt, dass die Autos „wie auf einer Perlenkette aufgezogen“ die Landstraße runterkämen – da gebe es keine Lücke. Dem stimmt Frank Hulverscheidt zu. „Wenn dann noch die tief stehende Sonne dazukommt, wird es noch schwieriger.“ Und auch die Lastwagen von Dönges, hat Uta Lenz beobachtet, kämen auch nur sehr schwer nach links auf die Landstraße zur Autobahn.

Den Bollinghausenern sei immer im Zusammenhang mit der Bebauung des neuen Gewerbegebietes „verkauft“ worden, dass ein Kreisverkehr komme, so Uta Lenz. „Er bringt eine verkehrliche Verbesserung und Sicherheit“, so Frank Hulverscheidt. Er versteht nicht, dass nicht gleichzeitig gebaut wird. „Wir merken jetzt schon in der Bauphase, dass viel weniger Verkehr ist. So etwas wünschen wir uns eigentlich immer.“ Er verstehe nicht, warum nicht parallel beide Bauprojekte begonnen worden seien. „Wenn der Kreisverkehr nicht kommt, wäre das eine Katastrophe.“

Auch die Firma Dönges & Wetec „hängt“ in der Luft. „Es gibt nicht viel Neues“, so Geschäftsführer Thomas Pletsch. Außer: „Die möglichen Baukosten dürften sich inzwischen verdoppelt haben.“ Warum noch nichts passiert sei, wisse er nicht. „Die Stadt müsste erst einmal eine Stützmauer bauen, um ein gegenüberliegendes Gewerbegrundstück abzufangen.“ Das sei sein Wissensstand. Danach könnte mit den Bauausführungsplanungen begonnen werden. Die scheint es aber nicht zu geben. „Wir haben auch keine konkreten Kosten vorliegen.“ Denn für die Anordnung des Neubaus sind Stadt und Straßen NRW zuständig, so Tiefbauamtsleiter Harald Drescher 2021.

„Wir haben festgestellt, wir brauchen keinen Kreisverkehr“

Der Bau eines Kreisverkehrs an dieser Stelle, zugleich eine Hauptzufahrt zum Logistikzentrum, sei eine Forderung von Straßen NRW gewesen. „Das ist Teil des Bebauungsplans“, so Thomas Pletsch. „Wir sind jetzt zwei Jahre vor Ort und wir haben festgestellt, wir brauchen keinen Kreisverkehr als Zufahrt.“ Eine eigene Abbiegespur hätte gereicht, aber das gehe wohl im Nachhinein nicht mehr. Da müsste wohl der Bebauungsplan geändert werden.

Und was sagt die Stadt dazu? Auf eine Anfrage der Redaktion reagiert sie mit einem Satz: „Die Stadt gibt zum aktuellen Zeitpunkt keine Stellungnahme ab“, so die Stadtsprecherin im Auftrag der Bürgermeisterin. Uta Lenz sagt daraufhin nur: „Das ist ja ein ganz schlechtes Zeichen. Kommt der Kreisverkehr jetzt nicht?“

Hintergrund

Kaufvertrag: Die Firma Dönges & Wetec muss den Bau eines Kreisverkehrs bezahlen. Das ist Teil des Kaufvertrages. Die Grundstückskosten wurden mit den Kosten des Kreisel-Baus gegengerechnet.

Kosten: Entsprechend ungehalten war der Geschäftsführer Thomas Pletsch im Gespräch mit der Redaktion im Mai 2021: Eine Verzögerung des Baus werde zu Mehrkosten führen. Wer das zahle, habe ihm noch niemand gesagt.

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