Interview

Achim Stollberg: „Das ist Interaktion. Das ist Leben.“

Achim Stolberg ist der Konzert- und Kulturmanager der Kattwinkelschen Fabrik. Foto: Roland Keusch
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Achim Stolberg ist der Konzert- und Kulturmanager der Kattwinkelschen Fabrik.

Achim Stollberg, künstlerischer Leiter der Katt, freut sich über den Neustart von Konzerten

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Kurz vor dem ersten Konzert nach langer Durststrecke in der Kattwinkelschen Fabrik (Katt) haben wir den künstlerischen Leiter der Kultur-Institution gefragt, wie es ihm in den vergangenen Monaten ergangen ist und wie es ihm jetzt, angesichts des ersten Konzertes geht.

Herr Stollberg, wie lange konnten keine Kulturveranstaltungen in der Katt durchgeführt werden?

Achim Stollberg: Unsere letzte Veranstaltung war am 30. Oktober 2020, als der Zauberer Marc Weide bei uns zu Gast war. Das ist jetzt beinahe acht Monate her.

Wie haben Sie die Zeit seither verbracht?

Stollberg: Zunächst einmal haben wir uns über den Begriff ‚Lockdown light’ amüsiert. Wir mussten permanent Veranstaltungen verschieben. Man sitzt vor dem Kalender und spielt Veranstaltungs-Tetris. Nur um festzustellen, dass der angepeilte zweite oder dritte Termin auch nicht zu halten ist und erneut verschoben werden muss. Trotz allem läuft die Planung ja weiter. Aber dieses permanente Verschieben der Veranstaltungen und die Aussicht, dass sich dies so schnell auch nicht ändern wird, kann man nur mit einer großen Portion Zuversicht aushalten. Man muss positiv bleiben. Ende Februar / Anfang März war ein dunkler Punkt erreicht und wir fragten uns alle, ob das noch Sinn macht. Aber das muss man schnell ablegen können und darf sich davon nicht einholen lassen. Das haben wir geschafft.

Geben Sie ein konkretes Beispiel für Ihre Arbeit im Lockdown?

Stollberg: Gerne. Die geplanten Veranstaltungen mit dem Kabarettisten Gerd Dudenhöffer mussten mehrere Male verschoben und neu geplant werden. Dazu haben wir die Agentur des Künstlers einbezogen, alleine um sicher zu stellen, dass Gerd nicht an einem Tag von Garmisch nach Flensburg und anschließend nach Wermelskirchen reisen muss. Der kommunikative Aufwand ist schon enorm. Man hat noch nie soviel Aufwand betreiben müssen, um eine Veranstaltung nicht durchführen zu können.

Was erwarten die Besucher jetzt in der Katt?

Stollberg: Zunächst einmal ist das Zeichen wichtig: Uns gibt es noch! In der Katt selbst ist die Lüftungsanlage umgebaut worden und produziert nun zu 100 Prozent Frischluft. Die Sitzplätze bei den Indoor-Veranstaltungen werden im Schachbrettverfahren verteilt. Er herrscht eine Einbahnstraßen-Regelung. Wir dürfen zur Zeit etwa 100 Besucher für die innen stattfindenden Events begrüßen. Das wird auch wohl noch eine Zeit so bleiben. Wir richten uns auf eine längere Teilauslastung ein. Beim Eintritt und auf dem Weg zum Sitzplatz besteht Maskenpflicht, auf dem Platz selbst dann nicht mehr. Die Veranstaltungen finden bis auf Weiteres ohne Pause statt und dauern in der Regel 75 Minuten. Also läuft alles so safe wie eben möglich. Das Restrisiko ist schon sehr, sehr gering. Das Ordnungsamt war kürzlich noch bei uns und hat das Konzept begrüßt.

Was erwarten Sie außer der Teilauslastung für die Katt?

Stollberg: Ich denke, dass es noch dauert, bis bei den Menschen eine Angstlosigkeit vorherrscht. Die Menschen sind zum Teil verunsichert und vorsichtig. Und das ist ja auch richtig so. Man sollte auch jetzt, da sich die Inzidenzzahlen immer deutlicher reduzieren, aufmerksam bleiben. Normal ist unser Leben noch nicht. Ich rechne auch weiterhin mit Durststrecken in der Katt. Aber wir ziehen das jetzt durch. Und wenn mal zu einer Veranstaltung nur drei Besucher kommen, dann ist das so. Wir machen es trotzdem. Ich bin Veranstalter. Ich liebe Live-Kultur. Das ist Interaktion, das ist Leben. Da ist die Anzahl der Besucher erst einmal zweitrangig.

Am Samstagabend eröffnet nun der hoch angesehene Jazzpianist Marcus Schinkel mit seinem Trio den hoffentlich langen Reigen der Konzerte in der Katt. Wie fühlen Sie sich?

Stollberg (tief aus dem Herzen): Großartig!

Programm

Nach dem Konzert mit dem Marcus Schinkel Trio (hierzu Bericht auf der nächsten Seite) steht in der Katt am Freitag, 3. September, das nächste Event an: Fee Badenius wird mit ihrer Musik zwischen Chanson, Satire und Wehmut zu Gast sein. Am Samstag, 11. September, folgt die Beatles-Coverband Rubber Soul, bevor am Freitag, 24. September, der Kabarettist Hennes Bender die Kattwinkelsche Fabrik heimsuchen wird. Am 28. Oktober soll Urban Priol kommen.

www.katwinkelsche-fabrik.de

Standpunkt

markus.schumacher@rga-online.de

Kommentar von Markus Schumacher

Man kann die Freude der Macher in der Kattwinkelschen Fabrik um Achim Stollberg gut nachvollziehen: Nach acht Monaten Zwangspause wegen Corona geht es seit diesem Wochenende endlich wieder los mit Konzerten in der Kattwinkelstraße. Zwar nur unter Hygieneauflagen, zum Teil auch noch mit Maske und auch nur mit einer begrenzten Zuschauerzahl – aber immerhin! Das erinnert zwar so ein bisschen an jemanden, der sich mit dem Hammer auf den Daumen haut, weil es so schön ist, wenn der Schmerz wieder nachlässt . . . Aber tatsächlich scheint man sich nun auch an Dingen erfreuen zu können, die eigentlich als „normal“ galten: Einkaufen ohne Termin, Pizza essen beim Italiener, Fußball mit Zuschauern – und eben Livemusik. Nur ausgewiesene Spaßbremsen raunen jetzt: „Delta-Variante“ oder „Warte mal den Herbst ab.“ Es ist sicher nicht verkehrt, jetzt all das zu genießen, was eben geht. Und wenn es irgendwann mal wieder neue Einschränkungen gibt, dann bleiben wenigstens ein paar schöne Erinnerungen.

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