Interview

Das Bergische wird zur Fahrradregion

Achim Lambeck beobachtet den Fahrradmarkt selbstverständlich genau – er kennt die Trends und Neuigkeiten.
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Achim Lambeck beobachtet den Fahrradmarkt selbstverständlich genau – er kennt die Trends und Neuigkeiten.

Zweirad-Fachhändler Achim Lambeck über die Beliebtheit von E-Bikes und aktuelle Trends

Von Wolfgang Weitzdörfer

Herr Lambeck, wie ist die Nachfrage nach E-Bikes?

Achim Lambeck: Sie ist teilweise sogar noch stärker geworden. Es lässt sich kaum in Zahlen festmachen, aber vor zehn Jahren machten E-Bikes ungefähr ein Drittel unserer Verkäufe aus, heute dürfte es rund die Hälfte sein.

Hat sich die Zielgruppe verändert?

Lambeck:Das ist definitiv so, die Zielgruppe hat sich komplett verändert. Waren E-Bikes früher vor allem etwas für die rüstigen Senioren, werden sie heute quer durch alle Altersschichten verwendet. Ob nun zum einfachen von A-nach-B-Fahren oder mit dem Mountainbike durchs Gelände – all das findet heute auch auf dem E-Bike statt.

Steigen die Kosten für E-Bikes eigentlich – oder ist das Gegenteil der Fall?

Lambeck: Die steigenden Preise haben im Moment natürlich in erster Linie etwas mit der Konjunktur zu tun – die steigenden Materialkosten machen die Räder aber schon teurer. Also nicht nur, weil die Nachfrage entsprechend gestiegen ist – sondern auch, weil sie insgesamt wertiger werden. So werden zum Beispiel die Akkus besser, früher hatte man etwa einen Akku mit 260 Wattstunden, heute sind es 750 Wattstunden. Gleiches gilt etwa für die Ausstattung – die Akkus sind heutzutage integriert, es gibt mehr Federweg. Das alles ist komfortabler – aber eben auch teurer. Das gab es übrigens auch früher schon bei den normalen Fahrrädern, dass es hochwertigere und weniger hochwertige Fahrräder gab.

Gibt es Lieferschwierigkeiten wie bei Autos?

Lambeck: Im Moment ist das in Teilen so, es wird uns wohl auch noch eine Zeit lang begleiten. Wir haben im Laden zwar sehr viele Fahrräder vorrätig, so dass man durchaus spontan fündig werden kann – das ist sicherlich anders als auf dem Automarkt –, aber wenn jemand etwa ganz speziell dieses eine Modell von jener Marke in dieser Farbe und Größe haben will, dann kann es schon sein, dass man sich auf einige Wochen Wartezeit einstellen muss.

War es insgesamt eine gute Saison in Sachen Zweirädern?

Lambeck: Nicht ganz schlimm, ich würde sie als wechselhaft bezeichnen. Denn natürlich merken wir auch die Krisen, wobei sie durch den E-Bike-Markt wieder etwas abgefedert werden. Ich bin also durchaus zufrieden.

Ist das Bergische Land mittlerweile bei den Menschen endgültig als Fahrradregion etabliert?

Lambeck: Ja, auch hier spielt dann wieder das E-Bike mit rein. Durch die Antriebshilfe sind die Berge und Hügeln bei uns in der Region praktisch nicht mehr merkbar – und dass Fahrradfahren Spaß macht, ist ja nun auch kein Geheimnis. Meiner Meinung nach macht die hiesige, wechselhafte Landschaft auch viel mehr Freude zu befahren, als es etwa am Rhein der Fall ist, wo man ja doch eher nur geradeaus entlang des Flusses unterwegs ist.

Welche Rolle spielt das Thema Job-Bike?

Lambeck: Das Thema wird immer attraktiver. Immer mehr Leute steigen auf das Fahrrad – oftmals eben auch ein E-Bike – um, um so nicht mehr mit dem Auto fahren zu müssen. Grundsätzlich funktioniert das so, wie es bei einem Kfz-Leasing-Vertrag der Fall ist. Der Arbeitgeber bietet es seinem Arbeitnehmer an – und über drei Jahre wird dann ein monatlicher Betrag direkt auf dem Gehaltszettel abgezogen. Nach drei Jahren kann der Arbeitnehmer das Fahrrad dann für einen Restbetrag übernehmen – oder bekommt ein neues. Meistens ist noch ein Wartungsvertrag dabei, wodurch Inspektionen und Verschleißteile durch den monatlichen Leasing-Betrag mit abgedeckt sind. 

Stehen die Trends für das nächste Jahr schon fest?

Lambeck: Die großen Trends gibt es aktuell nicht. Das war sicherlich so, als die E-Bikes neu auf den Markt gekommen sind, dann lagen sie natürlich eine Zeit lang extrem im Trend. Zurzeit werden Gravel-Bikes, also Rennräder mit dicken Mountain-Bike-Reifen, mehr gefragt – etwa seit drei Jahren ist das so. Bei den E-Bikes wiederum werden momentan eher die leichteren Räder gefragt. Es verschiebt sich also ein wenig, aber der große Trend ist aktuell nicht in Sicht.

Was ist mit Ersatzteilen – gibt es hier auch lange Wartezeiten?

Lambeck: Leider müssen wir hier mit verstärkten Wartezeiten rechnen, ja. Tatsächlich allerdings nicht im Bereich der Akkus, wie man vielleicht meinen könnte. Das kommt hier zwar auch vor, aber es dreht sich dabei hauptsächlich um Zahnkränze und Antriebe. Wir versuchen, dem zu begegnen, indem wir nicht mehr nur einen Lieferanten haben, sondern gleich mehrere – drei bis fünf –, um das eben ein wenig zu verteilen.

Gibt es den Trend zum Zweit-Fahrrad?

Lambeck: Ja, auch das wird in den vergangenen Monaten immer mehr. Oft kommen Kunden, die ein Mountain-E-Bike haben, die dann auch noch ein City-E-Bike wollen.

Sie fahren selbst auch E-Bike – haben Sie eine Lieblingsstrecke im Bergischen?

Lambeck: Eine ganz konkrete Lieblingsstrecke habe ich tatsächlich nicht, ich fahre beispielsweise gerne auf den Trassen, einfach um ein wenig abzuspannen, runterzukommen. Aber gleichzeitig bin ich auch sehr gerne im Wald unterwegs. Ich habe viele Lieblingsstrecken – fahre gerne etwa an der Sengbach-Talsperre, entlang der Wupper oder auch an die Große Dhünn-Talsperre – einfach auch, weil es hier im Bergischen landschaftlich so schön abwechslungsreich ist. Das ist doch das Schöne hier – ich kann mich spontan entscheiden, ob ich lieber links in den Wald hineinfahre oder rechts. Und in beiden Fällen ist es dort schön!

Job-Bike

Steuer: Fahrräder können erst seit 2012 als Job-Bike geleast werden, zuvor haben steuerliche Gründe dagegengesprochen. Seitdem hat das Prinzip einen echten Boom erlebt.

Prinzip: Der Arbeitgeber least ein Fahrrad für den Mitarbeiter, der wiederum für das Fahrrad monatlich einen Teil seines Gehalts umwandelt.

Förderung: Die Finanzbehörden der Länder fördern die Anschaffung und den Unterhalt eines Job-Bikes.

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