Darmkrebs: „Risiko enorm minimieren“

Chefarzt Dr. Volker Launhardt wirbt für die Vorsorge-Koloskopie in der Bekämpfung von Darmkrebs. Der März ist Darmkrebsmonat. Foto: Roland Keusch
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Chefarzt Dr. Volker Launhardt wirbt für die Vorsorge-Koloskopie in der Bekämpfung von Darmkrebs. Der März ist Darmkrebsmonat.

Dr. Volker Launhardt wirbt für die Darmspiegelung ab 50 und möchte die Sorge vor der Untersuchung nehmen

Von Anja Carolina Siebel

Herr Dr. Launhardt, der März gilt bundesweit als sogenannter „Darmkrebsmonat“. Welche Bedeutung hat für Sie als internistischer Chefarzt, Kardiologe und Gastroenterologe des Krankenhauses Wermelskirchen dieser Monat mit Symbolcharakter?

Dr. Volker Launhardt: Für mich ist das eigentlich ganz gleich, ob es ein Monat ist oder ein Informationstag. Wichtig ist allein, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät. Denn mit den Vorsorgeuntersuchungen kann man das Risiko, schwer an Darmkrebs zu erkranken, in enormer Weise senken.

Wie sieht denn eine optimale Vorsorge aus?

Launhardt: Bei Frauen und Männern ab 50 Jahren wird empfohlen, beim Hausarzt oder Gynäkologen jährlich einen Test auf okkultes Blut im Stuhl durchführen zu lassen. So ein Stuhltest weist unsichtbare Blutspuren nach, die von Krebs oder Polypen im Darm stammen können. Wenn der Test solche Spuren findet, sollte die Ursache immer durch eine Koloskopie, also Darmspiegelung, abgeklärt werden. In Kombination mit einer Darmspiegelung kann der Stuhltest nachweislich das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben. Eine Vorsorge-Darmspiegelung empfehlen wir grundsätzlich allen Frauen ab 55 Jahren und Männern ab 50 Jahren.

„Die beste Prävention ist die regelmäßige Vorsorge.“

Gibt es Ausnahmen, bei denen die Darmspiegelung schon im jüngeren Alter empfehlenswert ist?

Launhardt: Ja. Bei Beschwerden wie Blut im Stuhl oder unklaren Bauchbeschwerden. Und auch bei Menschen, bei denen Darmkrebserkrankungen schon in jüngerem Alter in der Familie vorkamen.

In den letzten Jahren wird öffentlich für die Darmkrebsvorsorge geworben. Sogar Prominente haben sich in einer Kampagne der Felix-Burda-Stiftung vor einigen Jahren dafür eingesetzt. Denken Sie, dass so etwas ein Umdenken bei den Menschen betreffend der Vorsorgeuntersuchung zur Folge hatte?

Launhardt: Wir haben ja im Krankenhaus keine Kassenzulassung für ambulante Vorsorge-Koloskopien und sind damit nicht an vorderster Front bei der Prävention. Studien zeigen aber, dass die Anzahl der präventiven Untersuchungen mit den Jahren gestiegen und auch die Anzahl der Erkrankungen und Todesfälle rückläufig ist. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass Vorsorge effektiv ist.

Was genau macht denn die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung so effektiv?

Launhardt: Bei der Koloskopie können wir schon kleinste Veränderung an der Darmschleimhaut erkennen. Es handelt sich meist um sogenannte Darmpolypen, die Vorstufen für eine Tumorerkrankung sein können. Das heißt: Darmpolypen können sich später zu Darmkrebs entwickeln. Bei der Darmspiegelung entfernen wir diese Polypen sofort und lassen sie anschließend feingeweblich untersuchen. Sollte es sich um Krebsvorstufen handeln, können wir auch die sofort entfernen und die Patientin oder der Patient muss lediglich danach engmaschiger untersucht werden.

Viele Menschen haben ja Bedenken vor der Untersuchung, auf die man sich ja auch einen Tag zuvor vorbereiten muss. Können Sie sie beruhigen?

Launhardt: Die Darmspiegelung braucht eine gute Vorbereitung, denn der Darm muss möglichst leer und frei von Nahrungsresten sein – sonst hat der Untersucher keine ausreichend gute Sicht auf den Darm. Am Nachmittag oder Abend vor der Darmspiegelung nehmen die Patienten ein Abführmittel ein. Es gibt sicher schmackhaftere Getränke (lacht), aber man kann das durchaus trinken. Vor allem im Bewusstsein, dass gerade diese Untersuchung wirklich sinnvoll und wichtig ist. Anschließend sollten sie keine feste Nahrung mehr essen und außerdem viel trinken. Am besten geeignet sind Wasser, Brühe oder Tee und Saftschorlen. Bei der Darmspiegelung am nächsten Tag führt der Mediziner einen flexiblen Schlauch mit Lichtquelle und Kamera in den Dickdarm. Er kann damit das Innere des Dickdarms betrachten. Und er kann wie gesagt über kleine chirurgische Instrumente am Schlauch bei Bedarf Gewebeproben entnehmen und Polypen sowie kleinere Darmtumore entfernen. Von der Untersuchung selbst bekommt der Patient aber überhaupt nichts mit. Er bekommt in der Regel eine Kurznarkose und wird erst wach, wenn die Untersuchung beendet ist. Das Ergebnis bekommt er dann auch schon am selben Tag mitgeteilt.

Was geschieht, wenn sich bei der Untersuchung herausstellt, dass doch eine bösartige Erkrankung vorliegt?

Launhardt: Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Größe und Art des Tumors oder davon, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, ob der Tumor beispielsweise schon in andere Regionen gestreut hat. Wir besprechen das dann individuell mit dem Patienten und bereiten ihn sensibel auf weitere Schritte vor.

Welche Gründe nennen Ihnen die Patienten mit bereits fortgeschrittener Erkrankung, warum sie sich nicht früher zur Vorsorge entschieden haben?

Launhardt: Auch das ist unterschiedlich. Oft wird Blut im Stuhl als Symptom beispielsweise auf schon bestehende Hämorrhoiden geschoben und das dann nicht weiter abgeklärt. Manche Menschen sind aber auch generell Vorsorgeuntersuchungen gegenüber nicht so aufgeschlossen. Das sollte man akzeptieren und ihnen dann später als Mediziner auch keine Vorwürfe machen. Die regelmäßige Vorsorge im Gesundheitsbereich ist immer noch eine individuelle Entscheidung. Wir können nur eingehend dafür werben, dass sie angenommen wird.

Gibt es Präventionsmaßnahmen, die man selbst ergreifen kann, um das eigene Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, zu minimieren?

Launhardt: Generell gelten eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, Obst und Gemüse sowie möglichst wenig rotem Fleisch und Wurstwaren, die Reduktion von Übergewicht, insbesondere von Bauchfett, und körperlicher Bewegung als günstig für die Darmgesundheit. Aber die beste Prävention ist immer noch die regelmäßige Vorsorge ab dem empfohlenen Alter.

Hintergrund

Darmkrebs ist bei beiden Geschlechtern die dritthäufigste Krebserkrankung. In Deutschland erkranken jährlich rund 33 000 Männer und 28 000 Frauen an Darmkrebs.

Seit 20 Jahren wird der März in Deutschland zum Aktionsmonat für die Prävention von Darmkrebs. Zum 21. Mal steht der März daher dieses Jahr in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Ausgerufen wird er von der Felix Burda Stiftung, der Stiftung Lebens-Blicke und dem Netzwerk gegen Darmkrebs e. V.

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