Dabringhausen hält an Tradition fest

Geschäftiges Trio: Dirk, Stephanie und Max Wartmann (v. l.) mitsamt geschmücktem Baum auf der Südstraße. Foto: Peter Klohs
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Geschäftiges Trio: Dirk, Stephanie und Max Wartmann (v. l.) mitsamt geschmücktem Baum auf der Südstraße.

Verkehrs- und Verschönerungsverein stellt wieder Weihnachtsbäume auf

Von Peter Klohs

Die Menschen im Bergischen Land sind sehr traditionsbewusst und trachten danach, auch in dunklen Zeiten und unter widrigen Umständen ihre Traditionen weiterzuführen. Als Beispiele seien hier nur die Herbstkirmes in Kürten oder das Pöhlsche Schieten in Remscheid erwähnt. Im Wermelskirchener Stadtteil Dabringhausen besteht die Tradition des Weihnachtsbaumaufstellens und -schmückens in der Stadt seit 20 Jahren. Und nur weil Corona die Lage im Land beeinflusst, ist das für den Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Wermelskirchen kein Grund, in diesem Jahr von der im Dorf beliebten Tradition abzuweichen oder sie abzusagen.

„Das ist und war keine Option“, sagt Harald Röntgen vom VVV. „Die Anzahl an Bäumen, die wir in Dabringhausen aufstellen und schmücken, ist seit Jahren gewachsen“, berichtet der Vereinsveteran. „Angefangen haben wir mit 30 Bäumen, die wir im Dorf verteilt haben. Aber es kamen in jedem Jahr weitere Anfragen hinzu. Einzelhändler, aber auch private Personen, kamen auf uns zu und fragten: Könnt ihr bei uns nicht auch mal einen Baum aufstellen? Inzwischen ist die Anzahl der Bäume auf 48 Stück angewachsen, ein deutliches Zeichen, dass diese Tradition in Dabringhausen hoch angesehen ist.“

Auch die Hofschaften wollen bedacht sein

Dabei ist es nicht damit getan, ausschließlich den Dorfkern mit Weihnachtsbäumen zu bestücken, weiß Dirk Wartmann, 1. Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Auch die vorgelagerten Hofschaften werden bedacht. Diese liegen wie an einer Perlenschnur gezogen an der L 101, die auf direktem Weg zum Altenberger Dom führt.

Von Kreckersweg im Nordosten von Dabringhausen, über Stumpf und Arnzhäuschen geht der Weg, der im Dorfkern an der Südstraße endet. Hier zwei, dort drei, im Dorfkern sicher 20 Bäume stehen zunächst ordentlich gebunden an den Straßen und warten darauf von helfenden Händen aufgestellt und geschmückt zu werden. „Und das war in diesem Jahr nicht ohne Probleme“, weiß Dirk Wartmann, „diese helfenden Hände. Im Allgemeinen und in besseren Zeiten hat uns die Wermelskirchener Feuerwehr stark unterstützt. Aber das ist in diesem Jahr leider nicht möglich. Man weiß ja, warum.“

Er spielt auf Corona an. „Natürlich haben wir im Verein herumtelefoniert, wer uns helfen kann und wer nicht. Aber man muss auch bedenken, dass der Altersdurchschnitt im VVV über 70 Jahre liegt. Da können auch nicht mehr alle helfen. Aber der organisatorische und finanzielle Aufwand ist zu hoch, um eine solche Tradition einfach zu canceln. Da stelle ich lieber selbst zehn Bäume mehr auf.“

Spricht´s und wendet sich einem Baum an der Südstraße zu, schält ihn aus dem Netz und stellt ihn, tatkräftig von Sohn Max unterstützt, auf.

Max wohnt in Remscheid, kommt zum Helfen aber gerne nach Dabringhausen. „Ehrensache“ sagt er. Vor dem Baum liegt ein kleiner durchsichtiger Beutel. In dem liegen exakt 20 rotgefärbte Lackschleifen. Ehefrau Stephanie Wartmann, die sich ebenfalls zum Helfen entschlossen hat, bindet diese nach einem bestimmten Muster in die vielen Zweige des Baums. Irgendetwas missfällt ihr, und sie bindet eine Schleife wieder los und verändert deren Standort um fünf Zentimeter. Jetzt nickt sie zufrieden. „Jeder Baum erhält genau 20 Schleifen. Wir stellen die im VVV selber her“, bestätigt sie den hohen Aufwand der Aktion.

„Und das Wetter spielt uns schön in die Karten“, ist Dirk Wartmann erfreut. „Es ist zwar kühl und grau, aber es regnet nicht, und das ist, wenn man einige Zeit im Freien verbringt, schon die halbe Miete.“ Er zieht mit Sohn Max weiter, hin zur Kreuzung Strandbadstraße, wo der nächste Baum auf das geschäftige Trio wartet. Auch an Kreckersweg ist ein Trupp Helfer mit den Bäumen beschäftigt. Gegen Mittag endet die Aktion mit ein paar Kaltgetränken. | Standpunkt

Hintergrund

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Wermelskirchen ist der zentrale Bürgerverein in der Stadt und verfügt zur Zeit über 350 Mitglieder. Der Verein wurde 1882 gegründet, ist in diesem Jahr somit 139 Jahre alt. Zu den fünf Kernaufgaben des VVV gehören außer der Schaffung, Pflege und Erhaltung von Grünanlagen, Wanderwegen und anderer Einrichtungen, die die Gesundheit der Menschen fördert, auch die Pflege heimischen Brauchtums. Obwohl die Aktion „Weihnachtsbäume für Dabringhausen“ erst 20 Jahre besteht, gehört sie auf jeden Fall dazu.

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