Coronavirus verdirbt das Obi-Jubiläum

Ist seit Mai 2003 Vorstand der Obi AG und Geschäftsführer aller Unternehmensteile: Sergio Giroldi. Foto: Jürgen Moll
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Ist seit Mai 2003 Vorstand der Obi AG und Geschäftsführer aller Unternehmensteile: Sergio Giroldi. Foto: Jürgen Moll

Vorstandsvorsitzender spricht über die Belastung durch die Pandemie und den Einsatz seiner Mitarbeiter

Von Melanie Aprin

2020 steht bei Obi in der Albert-Einstein-Straße das 50-jährige Firmenjubiläum auf der Agenda. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr funkte Corona dazwischen. Welche weiteren Folgen die Pandemie für die Wermelskirchener Baumarkt-Kette hatte, sagt ihr Vorsitzender Sergio Giroldi im Interview.

Herr Giroldi, hat Corona den Obi-Mitarbeitern das Firmenjubiläum verdorben?

Sergio Giroldi: Diese Pandemie stürmte plötzlich und völlig überraschend in unser aller Leben und hat viele Pläne zerstört. Natürlich können und werden wir unseren 50. Geburtstag nicht wie ursprünglich geplant feiern. Jedoch haben wir für unsere Mitarbeiter trotzdem eine schöne Überraschung vorbereitet. Mehr will ich nicht verraten.

Als die Pandemie in China ausbrach, bangten viele Händler um ihre Lieferungen aus Fernost. Gab es auch bei Obi unterbrochene Lieferketten?

Giroldi: Auch bei Obi haben wir teils unter fehlenden Lieferungen gelitten. Dennoch konnten wir die Kunden-Erwartungen größtenteils erfüllen. Wir haben jedoch festgestellt, dass es für uns noch andere Bezugsquellen im näheren Umfeld gibt, die wir in den letzten Jahren vernachlässigt haben und die sogar umweltfreundlicher sind.

Obi gehört zur Tengelmann-Gruppe und gilt dort als Umsatzbringer. 2019 erzielte die Baumarkt-Kette noch ein Plus bei den Erlösen von vier Prozent. Was zeichnet sich für 2020 ab?

Giroldi: Es ist noch etwas zu früh, um genaue Angaben zu machen. Jedoch können wir definitiv sagen, dass unsere Kunden auch 2020 trotz aller Schwierigkeiten unser Angebot anerkannt, geschätzt und wahrgenommen haben. Das erlaubt uns, unsere Marktführerschaft im Do-It-Yourself-Bereich weiter zu behalten.

Gehört Obi folglich zu den wenigen Krisengewinnlern?

Giroldi: Wir hatten in Deutschland das Glück, dass die Baumärkte als Grundversorger eingestuft wurden und daher immer geöffnet bleiben durften. Allerdings war das nicht überall so: Im Ausland mussten wir in mehreren Ländern die Märkte für Wochen komplett schließen oder konnten maximal den Onlineverkauf betreiben.

Ihr Heimatland Italien zum Beispiel hatte in der Pandemie weniger Glück als Deutschland. Wie sehr hat es Sie persönlich belastet, dass dort unzählige Menschen auf der Intensivstation verstarben, während hierzulande die Menschen in vielen Städten weiter in den Baumärkten einkaufen gehen konnten?

Giroldi: Natürlich haben die unzähligen Menschen, die auf Intensivstation gelegen haben und gestorben sind, mich sehr belastet. Jedoch dauerte der Lockdown in Italien auch aus unternehmerischer Sicht viel länger, als wir es uns alle gewünscht hätten. Die Umsätze dort haben daher etwas gelitten. Allerdings sind wir dank des großen Engagements unserer Organisation auf einem guten Wege, die Umsätze auch in Italien aufzuholen.

Sie klingen, als ob Obi in Summe wirklich gut durch die Krise gekommen ist. Inwieweit profitiert Wermelskirchen als Ort des Hauptsitzes davon?

Giroldi: Obi als einer der größten Arbeitgeber vor Ort hat die Stadt Wermelskirchen immer gerne unterstützt und ist auch aktuell bei diversen Initiativen wie zum Beispiel als Projektpartner für den neuen Kindergarten Biberbau an der Hilfringhauser Straße präsent.

„Keiner unserer Mitarbeiter ist in Kurzarbeit.“

In Wermelskirchen arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter für Obi, verteilt auf die Holding, diverse Standorte und den ortsansässigen Baumarkt. Wie sicher sind ihre Arbeitsplätze?

Giroldi: Obwohl das Jahr für Obi relativ gut verlief, sind wir derzeit vorsichtig und beobachten sehr genau, wie sich die wirtschaftliche Situation in der EU, aber auch in Deutschland entwickelt.

Wie sieht es bei Obi mit Kurzarbeit aus?

Giroldi: Keiner unserer Mitarbeiter ist in Kurzarbeit. Im Headquarter arbeiten wir derzeit nur mit einer Auslastung von 35 Prozent. Der Rest arbeitet aktuell im Homeoffice. Das ist für uns zwar keine optimale Lösung, lässt sich zur Zeit aber nicht ändern. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir nach dieser Pandemie schnell wieder alle unsere Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen begrüßen können.

Die Obi-Mitarbeiter in den Märkten mussten sogar während des Lockdowns zur Arbeit gehen, weil die Baumärkte immer geöffnet hatten. Welche Herausforderung bedeutete das?

Giroldi: Wir hatten hierdurch eine große Verantwortung und haben die Gefahr des Virus zu keiner Zeit mit Leichtsinn betrachtet. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden stehen bei Obi immer an erster Stelle. Wir gingen daher direkt in die Offensive und trafen sofort alle Maßnahmen, die zum Schutz aller Menschen in unseren Märkten dienten.

Welche Maßnahmen waren das konkret?

Giroldi: Wir stellten überall Desinfektionsmittel auf, bauten Plexiglas-Barrieren und beachteten die Maskenpflicht sowie den einzuhaltenden Mindestabstand nach wie vor mit großer Präzision. In der Hochphase der Ausbreitung regulierten wir durch Personal auch den Zutritt und somit die Anzahl von Personen im Markt, so dass eine Maximalzahl von Kunden im Markt nicht überschritten werden konnte.

Gab es dennoch Mitarbeiter, die Angst hatten, arbeiten zu gehen?

Giroldi Ich bin wirklich sehr positiv beeindruckt von der Kooperation unserer Mitarbeiter, die sofort mitgemacht haben. Besonders den Mitarbeitern in den Märkten möchte ich noch einmal danken: Sie haben alle während dieser schwierigen Phase immer mit einem Lächeln – auch wenn es unter der Maske versteckt war – gearbeitet und unsere Kunden betreut und beraten.

Ist Obi durch die vielen Maßnahmen bisher von Corona-Infektionen verschont geblieben?

Giroldi: Toi, toi, toi hatten wir bis jetzt zum Glück nur ganz wenige Fälle, sowohl in den Märkten in Deutschland und in der EU als auch in den Büros. Das zeigt, dass unsere Vorsicht und die Maßnahmen richtig waren. Bei 48 000 Mitarbeitern ist das ein gutes Ergebnis, und ich bin stolz auf meine Mannschaft.

In diesem Jahr wurde durch den Lockdown, der viele Menschen ins Homeoffice zwang, viel über die Digitalisierung geredet. War das auch bei Obi so?

Giroldi: Obi investiert schon seit Jahren in die Digitalisierung, auf jeder Ebene und in jedem Bereich. Jedoch möchte ich betonen, dass bei uns das „Digitale” lediglich ein Tool ist, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Keine Technologie der Welt kann das reale Einkaufsgefühl ersetzen. „People first“ ist unser Spruch, und auch in diesem Bereich passt er sehr gut.

„Obi investiert schon seit Jahren in die Digitalisierung, auf jeder Ebene und in jedem Bereich.“

Sie pendeln schon seit Jahren zwischen Wermelskirchen und Italien. Ist das nicht zu anstrengend?

Giroldi: Tatsächlich pendele ich schon seit 2002. Damals waren meine drei Töchter noch klein, und meine Frau und ich wollten sie nicht entwurzeln. Wurzeln sind für mich wichtig. Also traf ich die Entscheidung, werktags für den Beruf komplett zur Verfügung zu stehen und am Wochenende für die Familie da zu sein. Das war für mich vielleicht manchmal stressig, rückblickend aber die richtige Entscheidung. Mittlerweile sind meine Töchter erwachsen, und als meine Frau auch nach Deutschland kommen wollte, wurde sie Oma. So ist alles beim Alten geblieben. Seitdem Leone, mein erstes Enkelkind, auf der Welt ist, wünsche ich mir jedoch, öfter mal zu Hause zu sein. Opa zu sein hat mich überwältigt.

Wermelskirchen kann mit dem Flair Italiens schwer mithalten. Was haben Sie dennoch am Bergischen Land lieben gelernt?

Giroldi: Über das Bergische Land kann ich nur Gutes sagen - vorrangig, weil ich hier eine der besten beruflichen Herausforderungen bekommen habe. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe die Menschen, die hier leben, kennenlernen können, und sie haben mich sofort willkommen geheißen. Ich habe die Kultur kennenlernen können, die mich irgendwie an meine Heimat erinnert. Ich komme ja aus einer ähnlichen Region Piemonts. Ich finde es hier wunderschön – sowohl unter dem Naturaspekt als auch hinsichtlich des vielfältigen Angebots im Bereich Freizeit und Sport.

Top-Manager großer Unternehmen sind oft Juristen oder Kaufleute. Sie jedoch sind Bauingenieur. Reizt es Sie, für eine Firma wie Obi zu arbeiten, weil man dort fast alles bekommt, was man für den Hausbau braucht? Oder sollte es einem CEO egal sein, ob man an der Spitze von Campari oder Obi steht – weil es am Ende nur darum geht, gut zu führen?

Giroldi: Das ist nicht egal. Ich bin ein überzeugter Unterstützer des „Situational Leadership Prinzips“, wonach man in jedem Beruf in Bezug auf Branchen und spezifisch auf Unternehmen anpassungsfähig sein muss. Unternehmen bestehen aus Menschen, aus Teamwork. Das zu berücksichtigen ist das, was wirklich zählt, wenn man ein Unternehmen führt.

Hintergrund

Zur Person: Der Vorstandsvorsitzende Sergio Giroldi wurde 1955 in Italien geboren und studierte Bauingenieurswesen. Bevor er zur Baumarktkette OBI wechselte, arbeitete er u.a. an der Spitze der Mailänder Spirituosenbrennerei Campari sowie beim niederländischen Konkurrenten Bols. Bei OBI war er von 1998 bis 2002 zunächst Geschäftsführer von OBI Italien und anschließend Vertriebsleiter Europa (außer Deutschland). Seit Mai 2003 ist er Vorstandsvorsitzender der OBI Group Holding und Geschäftsführer aller Unternehmensteile.

Unternehmen: Das Unternehmen OBI wurde 1970 gegründet, ist heute ein Teil der Tengelmann-Gruppe und in Deutschland die Nummer eins der Baumarkt-Branche.

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