Zahlen des Kreises verunsichern nicht nur Reisende

Corona: Verwirrung um Risikogebiet

Das Corona-Virus breitet sich derzeit wieder verstärkt aus. Das erfordert besondere Regeln. Manche sorgen indes für Verwirrung. Archivfoto: Christian Beier
+
Das Corona-Virus breitet sich derzeit wieder verstärkt aus. Das erfordert besondere Regeln. Manche sorgen indes für Verwirrung.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Infektionszahlen des Robert Koch-Instituts stimmten nicht mit den Veröffentlichungen des Kreises überein

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Risikogebiet oder nicht? Das war die Frage, die sich am Wochenende und am Montag im Rheinisch-Bergischen Kreis einige stellten.

Denn während am späten Freitagnachmittag aus Bergisch Gladbach die öffentliche Nachricht kam, dass der so genannte Inzidenzwert im Kreis die kritische Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche überschritten hätte, war laut Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts noch bis Montagmittag der Wert von 48 angegeben. Also ein Wert, nach dem der Kreis noch kein ausgewiesenes Risikogebiet gewesen wäre.

Den Wermelskirchener Kai Willumat, der vorige Woche mit seiner Familie in den Startlöchern für eine Reise nach Schleswig-Holstein stand, betraf das direkt. „Wir hatten über die Internetseite des Kreises am Freitag gesehen, dass der Inzidenzwert über 50 geklettert war“, berichtet der Familienvater. „Die Meldung kam gegen 17 Uhr und für einen möglichen Corona-Test war das zu spät. Also mussten wir das Ferienhaus bei unserer Vermieterin in Grömitz absagen.“

Die Vermieterin indes hatte andere Informationen: Laut Dashboard des Robert-Koch-Instituts, das derzeit als aktuelle Richtlinie für Maßnahmen gilt, lag der Wert sowohl am Freitag als auch am Wochenende und Montag noch bei 48. Willumat: „Wir hatten zwischenzeitlich schon ein Ferienhaus auf Norderney gefunden, wohin wir problemlos reisen konnten, weil es dort kein Beherbergungsverbot gibt.“ Die Vermieterin der Urlaubsunterkunft habe zuerst auf Zahlung des Betrags für die Ferienwohnung bestanden.

Bis der Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises dann am Montagmittag für Aufklärung sorgte – und auch die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts angepasst wurden. Der Rheinisch-Bergische Kreis zählt demnach ab sofort zu den Risikogebieten.

„Die Inzidenz der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner liegt im Rheinisch-Bergischen Kreis nach der aktuellen Berechnung des Kreises heute bei 58,9“, hieß es in dieser aktuellen Mitteilung.

Es sei am Wochenende, als die Inzidenz im Kreis die 50er-Marke überschritten hatte, „zu divergierenden Inzidenz-Zahlen zwischen Kreis und Landeszentrum Gesundheit (LZG NRW)“ gekommen.

„Die Inzidenz beim LZG liegt danach derzeit immer noch bei 48,0 und weicht von den Kreiszahlen deutlich ab“, schrieb Krisenstabs-Managerin Birgit Bär.

Der Rheinisch-Bergische Kreis hätte indes bisher die aktuellen Fallzahlen und die Inzidenz tagesaktuell am Abend bekannt gegeben. Die Uhrzeit der Kreismeldung weiche jedoch von den Zeiten des Systemabgleichs beim LZG ab.

Diese Diskrepanz sei am vergangenen Wochenende besonders ins Gewicht gefallen und hätte dazu geführt, dass das LZG in der Inzidenz pro 100 000 Einwohner den Rheinisch-Bergischen Kreis noch nicht als Risikogebiet eingestuft hatte. Rechtlich verbindlich für die Anordnung von Maßnahmen zum Infektionsschutz und die Einordnung als Risikogebiet sind die Angaben im Dashboard des LZG.

„Nach heutiger Rücksprache mit dem LZG wird heute eine Harmonisierung der Meldeverfahren stattfinden“, hieß es. Das bedeute, zukünftig werde das LZG zuerst nachts um null Uhr die aktuellen Zahlen veröffentlichen und der Kreis per Pressemitteilung erst am darauffolgenden Morgen. Diese Umstellung der Meldeverfahren sei aus Gründen der Rechtssicherheit erforderlich.

Sperrstunde tritt ab 23 Uhr in Kraft

In NRW gelten ab dieser Woche insbesondere für die so genannten Risikogebiete verschärfte Regeln. So gilt für die Gastronomie in allen Kommunen mit hohen Corona-Neuinfektionszahlen eine verpflichtende Sperrstunde zwischen 23 Uhr und 6 Uhr. Mit der Sperrstunde einhergeht eine Einschränkung beim Verkauf von Alkohol. Er darf in Corona-Risikogebieten während der Nachtstunden auch an Tankstellen und Kiosken nicht mehr verkauft werden.

Treffen dürfen sich nur noch fünf Personen oder zwei Haushalte. Zudem gilt an allen öffentlichen Punkten Maskenpflicht.

Aktuelle Infektionszahlen

Am Montag schickte der Krisenstab des Kreises die Zusammenfassung der Corona-Infektionszahlen des vergangenen Wochenendes. Insgesamt sind demnach 61 weitere bestätigte Corona-Fälle bekannt geworden: 20 in Bergisch Gladbach, zwei in Burscheid, vier in Kürten, sieben in Leichlingen, drei in Odenthal, fünf in Overath, elf in Rösrath und neun in Wermelskirchen. Es gilt keine weitere Person als genesen. 257 Personen sind aktuell infiziert. Es befinden sich 906 Personen in Quarantäne, das sind 23 mehr als Freitag.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Hilfringhauser Straße: Remscheider fährt unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein
Hilfringhauser Straße: Remscheider fährt unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein
Hilfringhauser Straße: Remscheider fährt unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein
Rheinisch-Bergischer Kreis warnt vor unseriösen Spendenaufrufen
Rheinisch-Bergischer Kreis warnt vor unseriösen Spendenaufrufen
Rheinisch-Bergischer Kreis warnt vor unseriösen Spendenaufrufen
Hühnermobil beherbergt 20 Tiere
Hühnermobil beherbergt 20 Tiere
Hühnermobil beherbergt 20 Tiere
Hochwasser spült Hauswand weg
Hochwasser spült Hauswand weg
Hochwasser spült Hauswand weg

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare