Corona: Amt muss Datenschutz wahren

Das Gesundheitsamt weist noch einmal auf die Hygieneregeln hin: Abstandhalten, Mund-Nase-Maske und Händedesinfektion. Symbolfoto: cb

WNK/UWG fordert mehr Informationen über Infektionsherde

Von Anja Carolina Siebel

Henning Rehse sorgt sich um die wieder etwas steigende Zahl der Corona-Fälle im Rheinisch-Bergischen Kreis. Deshalb hat der Fraktionsvorsitzende der WNK/UWG sich jetzt an Landrat Stephan Santelmann gewandt.

Mit einer Bitte: „Bedauerlicherweise steigen die Zahlen der Corona-Infektionen flächendeckend wieder an“, schreibt Rehse nach Bergisch Gladbach. Dies sei „sicherlich einem Mix von Lockerung der Maßnahmen, Gewöhnung an das Leben mit dem Virus, Bequemlichkeit, Unachtsamkeit und so weiter“ geschuldet.

„In Restaurants gelten meist strenge Vorgaben. Und die werden in den allermeisten Fällen auch eingehalten.“

Birgit Bär, Krisenstab Kreisverwaltung

„Um das Bewusstsein für bestimmte kritische Aktivitäten besonders zu schärfen und wach zu halten, rege ich an, dass die täglichen Fälle des Kreises zukünftig mit dem Infektionsursprung, so dieser denn ermittelt worden ist, publiziert werden“, schreibt der Wermelskirchener. Und weiter: „Es müsste auch unter Beachtung des Datenschutzes möglich sein, Infektionsgründe wie zum Beispiel Rückkehr aus dem Urlaub, Arbeit, Nutzung des ÖPNV, sportliche Aktivität, Restaurant- oder Hotelbesuch, private Feier zu benennen. So würde jeder beim Lesen der Fälle daran erinnert werden, bestimmte Aktivitäten zu meiden beziehungsweise sie nur sehr vorsichtig durchzuführen.“

Dass das Kreisgesundheitsamt vielfach schon genau so verfährt, betont Birgit Bär als Sprecherin des Krisenstabs. „Wir machen die Infektionsherde in einigen Fällen publik“, sagt sie. So sei es beispielsweise bei einem kleinen Ausbruchsgeschehen in Wermelskirchen gewesen, bei dem sich die Betroffenen die Erkrankung Covid-19 von einer Familienfeier in einem anderen Bundesland mit nach Hause gebracht hatten.

Möglich sei so viel Transparenz aber nicht immer. Bär: „Wenn jemand hört, dass jemand sich beispielsweise bei einem Auslandsaufenthalt in einem bestimmten Land infiziert hat, geht besonders in kleinen Städten die Spekulation schon los. Wir müssen vermeiden, dass Persönlichkeitsrechte verletzt werden.“

Die Verantwortlichen des Kreises hätten sich von einer Fachanwältin darüber beraten lassen, in welcher Form und in welchem Umfang Medien und Öffentlichkeit über Hintergründe informiert werden können. Bär: „Daran halten wir uns.“ Und so sei es eben nicht immer möglich, detailliert über den Ort und den genauen Herd der Infektionen zu informieren.

Die Rückverfolgung im Kreis funktioniere aber gut und weitgehend reibungslos. „Wir haben dafür extra ein ganzes Team abgestellt, das die Fälle akribisch nachverfolgt“, berichtet die Sprecherin.

Ein wenig Sorge bereiten auch in Bergisch Gladbach die wieder leicht ansteigenden Infektionszahlen. Laut Birgit Bär übertragen sich viele Infektionen durch das Nicht-Einhalten der Abstandsregeln: „Wir haben beobachtet, dass es viele Ausbrüche beispielsweise auf privaten Feiern oder im Nachbar- und Freundeskreis gab“, berichtet sie. Und mahnt deshalb noch einmal, die drei wichtigsten Regeln zu beachten: Abstandhalten, Mund-Nase-Maske tragen und Handhygiene betreiben.

Ein Lob richtet Birgit Bär an die Restaurantbetreiber. „In der Gastronomie gibt es vergleichsweise wenig Ausbrüche. Dort herrschen strenge Vorgaben. Und die werden in den allermeisten Fällen auch eingehalten.“

Birgit Bär unterstreicht, dass jetzt jeder Einzelne in seiner Disziplin und seiner Rücksichtnahme gefragt sei. „Bisher gibt es bei uns im Rheinisch-Bergischen Kreis nur vereinzelte Fälle. Wenn wir wollen, dass das so bleibt, sollte jeder seinen Beitrag dazu leisten. Das ist mit ein bisschen Anstrengung auch möglich.“

Kommentar

Von Leon Hohmann

Dass die Pandemie nicht nach wenigen Wochen aus der Welt sein würde, das müsste bereits im März jeder halbwegs Denkende geahnt haben. Verständlich dennoch, dass viele das immer wieder aufflammende Infektionsgeschehen mit Sorge, vielfach sogar Angst, betrachten. Verständlich auch, dass mit der Angst der Wunsch größer wird, Gründe für die Ansteckungen zu kennen. Aber genau das ist vielfach nicht möglich. Genau so wie es nicht möglich ist, eine Prognose abzugeben, wie eine Covid-19-Erkrankung bei einzelnen Betroffenen verläuft. Es ist, und das müssen alle derzeit akzeptieren, eine Gleichung mit Unbekannten. Ein Risiko, das jeder zu tragen hat. Das gilt es schlicht auszuhalten. So schwer das fallen mag. Minimierbar ist das Risiko freilich durch verantwortungsvolles Verhalten und Rücksicht. Auf die eigene Gesundheit und die anderer. Das geht mit Abstand, mit Mund-Nase-Maske und Hygiene. Und: mit Augenmaß. Mit einem Restrisiko werden wir indes lernen müssen zu leben. Denn selbst wer sich in seinen eigenen vier Wänden verbarrikadiert, wird es nicht ausschließen können zu erkranken. An was auch immer.

leon.hohmann@ rga.de

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