Einsatz

Chlorgas: Quellenbad in Wermelskirchen evakuiert

Feuerwehreinsatz am Freibad Dabringhausen.
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Feuerwehreinsatz am Quellenbad.

Badegäste mussten schlagartig die Becken verlassen. Das Gebäude bleibt vorerst geschlossen.

+++ Update, 17.44 Uhr +++

Von Anja Carolina Siebel

Als Nadine Popko-Paterka am Freitagmittag gegen 14 Uhr das Hallenbad am Quellenweg betritt, um mit dem Kollegen ihren Spätdienst zu beginnen, stutzt die Schwimmmeisterin. „Mir stieg starker Chlorgasgeruch in die Nase, und das ist definitiv nicht normal.“ Die Fachkraft für Bäderbetriebe reagiert sofort: „Zuerst mussten wir ja das komplette Bad evakuieren. Zeitgleich haben wir natürlich sofort die Feuerwehr alarmiert.“

Und die rückt sofort aus zum Quellenweg – mit drei von vier Löschzügen und der hauptamtlichen Wache, drei Rettungswagen, einer Dekontaminationseinheit des Landkreises, zwei Messfahrzeugen des Kreises und zwei Fachberatern Chemie. „Das ist das reguläre Prozedere bei solchen Einsätzen“, informiert Einsatzleiter Ingo Mueller.

Mit „solchen Einsätze“ meint der stellvertretende Feuerwehrchef den Gasaustritt. „Damit ist nicht zu spaßen“, weiß auch die stellvertretende Badleiterin des Quellenbades, Melanie Fleck. Zusammen mit sechs Kolleginnen und Kollegen und 16 Badegästen – nur mit Badeanzug oder Badehose bekleidet – steht sie während des Einsatzes mit einer Gasmaske vor dem Schwimmbad. Und ist wie viele der Umstehenden noch etwas unter Schock. „Chlorgas ist keine Lappalie“, weiß sie als ausgebildete Fachkraft für Bäderbetriebe. „In entsprechenden Mengen eingeatmet, führt es sicher zum Tod.“

Einsatzleiter Ingo Mueller ergänzt: „Auf feuchter Haut wandelt sich das Gas zudem in Salzsäure um. Damit ist nicht zu spaßen. Wir müssen hier sehr umsichtig vorgehen.“ Vier der Badegäste müssen dann auch zur Beobachtung ins Krankenhaus, weil sie über verschiedenste Symptome klagen. Notärzte vor Ort hatten sie sofort nach Beschwerden befragt und untersucht.

Weil Chlorgas schwerer ist als Sauerstoff, lagert es sich eher Richtung Boden ab. Entsprechend sperren die Einsatzkräfte die Bereiche unterhalb den Hallenbades; den Ascheplatz vorm Eifgenstadion und den Bereich an der Minigolf-Anlage.

Nach etwa einer Stunde steht fest: Die Werte im Eingangsbereich sind zwar erhöht, aber noch nicht im bedenklichen Bereich. „Wir müssen aber auf jeden Fall noch weitere Messungen vornehmen“, kündigt Mueller eine mehrstündige Weiterarbeit der Feuerwehr an. Das Hallenbad soll vorsorglich auf jeden Fall noch am heutigen Samstag geschlossen bleiben. Mueller: „Eine Fachfirma muss jetzt vor allem prüfen, was die Ursache des Gasaustrittes war.“

Badegast ist erbostüber den Einsatz

Ein Badegast, der, nur in ein Handtuch gewickelt, auf Entwarnung wartet, ist erbost: „Die haben zuerst gar nicht gesagt, was eigentlich los ist und Panik gemacht“, wettert er. „Und ich verstehe auch nicht, warum im Hallenbad keine Chlorgasmessgeräte stehen, die das Personal bedienen kann. Die müssten doch wissen, wie hoch oder bedenklich der Gasaustritt ist, und ob es gerechtfertigt ist, dass wir jetzt alle auf der Straße stehen.“

Die Verwaltung versichert auf WGA-Nachfrage, dass es ein Chlorgas-Messgerät sowie Gasmasken für das Personal im Quellenbad gebe.

Einsatzleiter Ingo Mueller betont, dass die Umsicht des Personals „keinesfalls überzogen“ gewesen sei. „Sowas erfordert immer einen Feuerwehreinsatz. Man darf nicht riskieren, dass Menschen gefährdet werden. Und immerhin mussten wir vier Badegäste ins Krankenhaus bringen.“

Immer wieder gehen Einsatzkräfte mit Gasmaske ins Gebäude und nehmen Messungen vor. Werte wie 0,2 oder 0,3 rufen sie sich zu.

Polizei und Feuerwehr betreten nach etwa zwei Stunden das Gebäude und holen Kleidung und Wertsachen der Badegäste aus den Spinden. „Dann können die schon mal nach Hause fahren“, sagt Ingo Mueller. Für ihn und seine Kollegen dauert der Einsatz dann allerdings noch einige Stunden an.

Chlorgas

Chlor ist ein grünlich-gelbes, stechend riechendes und aggressives Atemgift, das in Gasbehältern (Flaschen und Fässern) geliefert und in speziellen Chlorgasräumen bereitgestellt wird. Chlorgas reagiert schon mit kleinsten Mengen Wasser unter Bildung von Salzsäure.

Meldung vom 2. September 15 Uhr

Wermelskirchen. Kurz vor 14 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr ein. Als Schwimmleiterin Nadine Popko-Paterka zum Spätdienst eintraf, nahmen sie und ihr Kollege Chlorgeruch im Hallenbad wahr. Sie reagierte sofort und rief die Badegäste aus dem Schwimmbad und alarmierte die Feuerwehr.

Chlorgas kann in großen Mengen eingeatmet zum Tode führen. Derzeit stehen die Badegäste in Badekleidung und das Personal vor dem Hallenbad und warten, was weiter geschieht. acs

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