Chefarzt zieht eine positive Bilanz

Stephan Ganz schätzt die Vorteile eines kleinen Krankenhauses – und sein starkes Team. Foto: Doro Siewert
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Stephan Ganz schätzt die Vorteile eines kleinen Krankenhauses – und sein starkes Team.

Stephan Ganz leitet seit gut einem Jahr die gynäkologische Abteilung des Krankenhauses

Von Anja Carolina Siebel

Herr Ganz, bei Ihrem Dienstantritt vor gut einem Jahr in Wermelskirchen haben Sie gesagt, dass Sie auf die Stärken eines vergleichsweise kleinen Krankenhauses setzen. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Stephan Ganz: Ja, ich bin durchweg herzlich aufgenommen worden, habe anfangs auch viel Unterstützung bekommen; sowohl von den Kollegen als auch vom Pflegepersonal. Nach einem Jahr kann ich sagen, dass meine Bilanz gut ausfällt. Das Miteinander und die angenehme Atmosphäre waren mir gleich zu Anfang aufgefallen. Inzwischen sind wir als Team mit zwei Oberärzten und sechs Assistenzärzten und -ärztinnen auch noch einmal mehr zusammengewachsen. Es besteht ein sehr gutes Verhältnis zwischen uns und zu den Pflegekräften. Und ich kann sagen: Ich arbeite gern hier in Wermelskirchen.

Und es gibt ja auch kurze Wege.

Ganz: Ja, unsere Patientinnen müssen etwa vor einem Eingriff nicht erst mit mehreren ihnen unbekannten Ärzten Kontakt haben. Sie sprechen mit dem Arzt, der sie auch später operieren wird.

Im Klinikum Niederberg in Velbert, wo Sie zuvor als leitender Oberarzt tätig waren, gab es noch die Abteilung Geburtshilfe, die ja in Wermelskirchen bereits vor einigen Jahren geschlossen wurde. Vermissen Sie diese Sparte Ihrer Tätigkeit?

Ganz: Natürlich ist es schön, aktiv bei einer Geburt dabei zu sein und schließlich dazu beitragen zu können, dass alles reibungslos abläuft. Aber ich war immer schon eher der Operateur, der, der sich mit neuen Entwicklungen in der Gynäkologie beschäftigt. Das, was ich jetzt tue, entspricht genau dem.

Sie konnten einiges bewegen innerhalb der gynäkologischen Abteilung, schon in Ihrer Anfangszeit . . .

Ganz: Wir freuen uns, dass wir seit einigen Wochen Inkontinenzzentrum sind, können entsprechend Frauen, die unter Inkontinenz leiden, kompetent und mit modernen Verfahren behandeln, und zwar je nach Bedarf sowohl konservativ als auch mit verschiedenen Operationsmethoden. Hochmoderne Untersuchungsgeräte ermöglichen uns fortschrittliche Diagnoseverfahren. So können wir etwa mit einem Kolposkop, mit dem der Gebärmutterhals gespiegelt wird, inzwischen zusammen mit der Patientin sehen, welche Untersuchungsergebnisse vorliegen. Vorher musste die allein auf die Beobachtungen des Mediziners vertrauen. Auch unser Ultraschallgerät ist hochmodern. Das haben wir erst voriges Jahr anschaffen können und verdanken es einer Spende der Firma Tente in Wermelskirchen.

Wie haben die niedergelassenen Kollegen Sie aufgenommen?

Ganz: Ich habe früh Kontakt zu den zwei Kollegen in Wermelskirchen und den über 20 in der näheren Region aufgenommen. Der Kontakt ist gut, und sie begrüßen es, dass sie mit unserer Abteilung jetzt wieder ein gutes stationäres Angebot für ihre Patientinnen haben.

Im Mai erweiterten Sie und Ihr Team das Angebot für Kassenpatientinnen mit Sprechstunden im Medizinischen Versorgungszentrum am Schwanen. Wird das Ihren Vorstellungen entsprechend angenommen?

Ganz: Absolut. Besonders ausgebucht ist die Oberärztin Anna Slutschanski. Sie arbeitet inzwischen an drei Tagen in der Woche in der Praxis am Schwanen. Vermutlich, weil viele Patientinnen gerne zu einer Gynäkologin zu Vorsorge und ambulanten Untersuchungen gehen. Aber auch mein Terminkalender, immer mittwochs vormittags, ist gut gefüllt. Wir wollen deshalb das Angebot auch noch erweitern. Eine Kassenzulassung für Kassen-Sprechstunden hier im Krankenhaus haben wir beantragt; wir hoffen, das eventuell im Sommer realisieren zu können.

Der gute Ruf der gynäkologischen Abteilung unter Ihrer Leitung hat sich offenbar herumgesprochen . . .

Ganz: Es ist in der Tat so, dass wir Patientinnen haben, die von weiter her nach Wermelskirchen kommen. Neulich hatte ich beispielsweise eine Patientin aus Dortmund, die sich hier hat operieren lassen, da liegen ja nun einige Krankenhäuser dazwischen (lacht). Ich denke aber auch, dass es daran liegt, dass wir interdisziplinär arbeiten können. Wenn sich zum Beispiel eine Frau mit einer Inkontinenzproblematik vorstellt, und wir stellen fest, dass das noch eine andere Ursache hat, können wir sie gleich zum Kollegen weiterschicken, oft sogar noch am selben Tag. Bei uns haben die Patientinnen alles in einem Haus und auf möglichst unkompliziertem und schnellem Weg. Das schätzen viele, die dann manchmal auch zur Nachuntersuchung und zur Vorsorge weiter zu uns kommen.

Das Thema Vorsorge wird ja derzeit vielerorts diskutiert. Ist Ihnen als Facharzt da eine gewisse Aufklärung wichtig?

Ganz: Klares Ja. Ich sehe zum Teil Frauen, die schon lange nicht mehr zum Gynäkologen gehen. Sie denken, sie seien jetzt über 50 und bräuchten das nicht mehr. Das ist aber ein Trugschluss, denn gerade auch ältere Frauen nach der Menopause sollten regelmäßig die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft als gynäkologischer Chefarzt in Wermelskirchen?

Ganz: Dass mit Abklingen der Pandemie wieder mehr persönlicher Kontakt möglich ist. Ich würde gerne bei Veranstaltungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten referieren, einfach mehr nach draußen gehen.

Zur Person

Stephan Ganz ist Wuppertaler und wurde 1976 dort geboren. Von 1997 bis 2003 studierte er Medizin an der Ruhr-Universität Bochum und arbeitete später als Gynäkologe am Klinikum Niederberg, zuletzt als leitender Oberarzt. Der Mediziner lebt mit Ehefrau und zwei Söhnen in Wuppertal-Vohwinkel. Seine Hobbys sind Musik, unter anderem das Schlagzeugspielen mit seinem Sohn, und das Radfahren durchs Bergische.

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