Charity oder Wohltätigkeit wendet das Blatt

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Pfarrer Manfred Jetter, Ev. Kirchengemeinde Wermelskirchen

500 Euro Spende – Zweck: Charity. 300 Euro Spende – Zweck: Charity. Etliche Spenden zugunsten der „Hochwasserhilfe Unterburg“ erreichten uns zuletzt unter diesem Stichwort. Auch eine eigene Charity-Veranstaltung wurde organisiert.

Das hat mich beeindruckt. Charity: „Die freiwillige Hilfe für Menschen in der Not, als ein Ausdruck menschlichen Handelns.“ So ungefähr lautet die Übersetzung einer englischen Definition.

Wie viele Menschen haben sich derart engagiert. Haben menschlich gehandelt. Seitdem das Hochwasser Mitte Juli nicht nur Solingen-Unterburg, sondern auch Beyenburg, die Haasenmühle, Opladen und viele weitere Orte und Menschen entlang der Flüsse und Bäche in unserer Region katastrophal getroffen hat. Sie spenden, packen an, organisieren, stehen bei, gewähren Obdach, sind da, versorgen, fühlen mit, ermutigen. Das alles wird praktiziert, in einem überwältigenden Maß. Immer noch. Das alles ist Charity, Wohltätigkeit. Oder wie wir Christen sagen: Nächstenliebe.

„Was ihr getan habt einer meiner geringsten Schwester, einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan“. So stellt Jesus in seinem Gleichnis vom Weltgericht uns die spirituelle Grundlage unseres Handelns vor Augen (Matthäus 25,40). Und vertieft damit unsere gegenseitige Wahrnehmung: In deinem Mitmenschen begegnest du Gott selbst. In deinem Mitmenschen begegnest du Gottes Liebe selbst. In deinem Mitmenschen begegnest du auch dir selbst. Du bist selbst ein geliebter Mensch Gottes – so wie er. Mal glücklich, mal traurig. Aber immer wertgeschätzt. Als Schwester und Bruder Jesu. Charity – Charité – Caritas – Nächstenliebe – Wohltätigkeit. Geschichtlich gewachsene Worte für Handeln, das verändert, verbindet. Weil Mit-Menschlichkeit verändert, verbindet.

Es ist berührend zu erleben, wie betroffene Menschen aus anfänglicher Katastrophen-Schockstarre wieder erwachen zu neuer Hoffnung, ja, neuer Lebenslust. Trotz all dem Schlamassel. Weil sie Menschen erfahren an ihrer Seite. Weil sie Hilfe erfahren von Menschen, von denen sie seither noch gar keine Ahnung hatten. Morgen, am Samstag, kommt ein Hilfstrupp einer westfälischen Kirchengemeinde in die Unterburger Kirche. Feuchten Putz abschlagen. Wir kennen die Helfer noch nicht. Über eine landeskirchliche Unterstützerplattform sind wir aufeinander gekommen. Wir sind überwältigt.

Wenn dies eine bleibende Haltung nach der Katastrophe sein könnte, auch über Wahlen und weitere Ereignisse hinweg: Freiwillig da zu sein für Menschen in Not. Charity, Wohltätigkeit, Nächstenliebe – wie viel menschlicher ginge es dann bei uns zu, wie viel barmherziger und herzlicher. Ein Gewinn wäre das für uns alle.

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