Seniorenpark

Carpe Diem: Bewerbertag kommt gut an

Elmas Cinar, Skadi Flanhardt, Anne Savarino und KatJA Willmann (v. l.) begrüßten die Bewerber. Foto: Anja Carolina Siebel
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Elmas Cinar, Skadi Flanhardt, Anne Savarino und KatJA Willmann (v. l.) begrüßten die Bewerber.
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Das Haus an der Adolf-Flöring-Straße stand für Interessenten und Gespräche offen.

Von Anja Carolina Siebel

Eric Hagen ist ein bisschen aufgeregt, als er in der Galerie des Seniorenparks Carpe Diem die Mitarbeiter begrüßt. Kein Wunder, denn immerhin möchte der 35-Jährige sich an diesem Dienstagnachmittag bewerben. Das Ungewöhnliche: Er kommt als Medienberater eigentlich aus einer ganz anderen Branche – und möchte jetzt zum Altenpfleger umschulen . „Ich habe mich bewusst entschieden, etwas ganz Anderes zu machen“, berichtet der Bewerber. „Früher habe ich mit Jugendlichen im Hochseilgarten gearbeitet – und damals schon bemerkt, dass mich die Arbeit mit Menschen besonders fasziniert.“

Das Team des Seniorenparks Carpe Diem hatte für Dienstag zum Bewerbertag eingeladen. Es gab wegen der Corona-Pandemie nicht wie sonst eine Ausbildungsmesse im Haus. Stattdessen konnten sich die potenziellen Auszubildenden und Quereinsteiger in Ruhe umschauen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen.

Bis zum Mittag waren acht Interessenten, die vorbeigeschaut hatten. „Wir hatten mit etwas mehr Besuch gerechnet, einige sind aber wegen des Streiks im Öffentlichen Nahverkehr nicht gekommen“, berichtet Einrichtungsleiterin KatJA Willmann. Einige Bewerbungen seien deshalb schriftlich eingegangen, würden aber selbstverständlich genauso berücksichtigt wie die persönliche Vorstellung im Haus.

„Corona hat der Pflege zwar Öffentlichkeit verschafft, aber kein besseres Image.“

KatJA Willmann, Einrichtungsleiterin

Fakt ist: Im Carpe Diem gibt es einen hohen Bedarf an Mitarbeitern. Insgesamt beschäftigt die Gesellschaft in Wermelskirchen derzeit 160 Mitarbeiter. „Bei uns fehlt es besonders an Pflegekräften, aber auch an Mitarbeitern in der Haustechnik“, berichtet KatJA Willmann. Von vorgesehenen drei Haustechnikern sei derzeit nur einer im Dienst. Willmann: „Einer ist langzeiterkrankt, die andere Stelle ist schön länger nicht besetzt.“ Gerade in der Haustechnik sei viel Feingefühl gefragt. Ein „Mädchen“ für alles werde vor allem gesucht.

Was die Pflege-Stellen angeht, habe die Corona-Pandemie auch den Altenpflegeeinrichtungen noch einmal mehr geschadet, findet Willmann. „Die Pflegeberufe hatten sowieso schon lange nicht den besten Ruf. Es gibt viel zu tun und das wird schlecht bezahlt, heißt es oft.“ Kurzzeitig seien die Pflegekräfte durch die Pandemie zwar positiv in die Öffentlichkeit gerückt. „Aber dass für uns geklatscht wird, dafür können wir uns ja auch nichts kaufen. Und letztlich wurde auch dadurch noch mehr deutlich, dass es in unserem Beruf Missstände gibt.“

Das ernüchternde Ergebnis: Es gibt nun noch weniger Bewerber auf die Pflegestellen, zumindest im Carpe Diem in Wermelskirchen sei das so.

Dabei habe das Haus als Zentralstelle der Carpe Diem Gesellschaft so vielfältige Möglichkeiten, auch für praktisch alle Bewerber. „Heute Morgen war ein junger Mann da, der eigentlich noch gar nicht so genau wusste, was er bei uns machen möchte“, berichtet die Einrichtungsleiterin. „Wir haben ihm jetzt erstmal Hospitanzen in verschiedenen Bereichen angeboten und wollen dann gemeinsam schauen, wo seien Talente und Fähigkeiten liegen, um ihm schließlich etwas Passendes anbieten zu können.“

Letztlich sei der Bewerbertag vor dem Hintergrund der erschwerten Bedingungen durch die Pandemie gut angekommen. „Wir sind froh um jeden, der Kontakt zu uns aufgenommen hat“, betont KatJA Willmann.

Die Bewohner und Angehörigen hätten sich inzwischen an die veränderte Situation gewöhnt. Etwas Ruhe sei eingekehrt. „Die Angehörigen nehmen die Besucherregel gut an. Und wenn sich jetzt einige Leute bei uns bewerben, können wir die Arbeit langfristig auch wieder auf mehrere schultern verteilen“, sagt Willmann. „Das tut allen gut.“

Einrichtung

Die Carpe Diem Gesellschaft (Eigenschreibweise: carpe diem) für den Betrieb von Sozialeinrichtungen mbH wurde 1998 gegründet und hat heute ihren Sitz in Wermelskirchen. Inzwischen betreibt sie 32 Einrichtungen in Deutschland und verfügt damit über rund 2200 stationäre Pflegeplätze, etwa 1000 Betreute Wohnungen, Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Wohngemeinschaften, Wäschereibetriebe und mehr.

Standpunkt: Ja zum Leben

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Manchmal sind es die Geschichten hinter den Kulissen, die bewegen und mitfühlen lassen. So werden sich sicher einige Leser gewundert haben über die merkwürdige Schreibweise des Vornamens KatJA im Haupttext. Aber KatJA Willmann, die Einrichtungsleiterin des Seniorenparks Carpe Diem in Wermelskirchen, heißt wirklich so. Und wird auch aus gutem Grund so geschrieben. „Meine Mutter hat damals bei meiner Geburt am Standesamt auf diese Schreibweise bestanden“, erzählte Willmann beim Bewerbertag im Carpe Diem an der Adolf-Flöring-Straße auf Nachfrage. 

Ihre Mutter sei damals, im Jahr 1976, schwer erkrankt gewesen und kurz nach der Geburt von KatJA Willmann verstorben. „Das große „JA“ im Namen sollte bewusst stehenbleiben“, sagt Willmann. „Als Symbol für ein Ja zum Leben.“ Lange Zeit sei sie damit nicht hausieren gegangen, habe sich schlicht „Katja“ genannt. „Bis eine Kollegin mich aufmerksam gemacht hat, dass man das auch öffentlich machen könnte“, sagte Willmann. Eine ungewöhnliche wie beeindruckende Geschichte. Denn was könnte es schon Schöneres geben als ein „Ja“ zum Leben. 

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