Zukunft der Sekundarschule

Bürgerforum will die Gesamtschule

Oliver Platt möchte eine zukunftsfähige Schule für Wermelskirchen. Foto: Jürgen Moll
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Oliver Platt möchte eine zukunftsfähige Schule für Wermelskirchen.

Nach langer Abwägung hat sich noch eine Fraktion entschieden.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Das Bürgerforum (BüFo) spricht sich für eine Gesamtschule in Wermelskirchen aus. Das teilten Fraktionsvorsitzender Oliver Platt und ein Team des BüFo am Dienstagabend mit. „Wir haben uns lange beraten, auch über die Möglichkeit einer Realschule als zweite weiterführende Schule“, sagte Oliver Platt. Letztlich stelle sich aber die Gesamtschule für die Ortspolitiker des BüFos als „einzige mögliche Alternative zur jetzigen Sekundarschule“ dar. Allem voran sei die Akzeptanz der Eltern für eine Sekundarschule nicht mehr gegeben und somit sei diese Schulform für Wermelskirchen auch kein funktionierendes Zukunftsmodell mehr.

Die Elternbefragung, die die Stadtverwaltung zusammen mit der Neuauflage des Schulentwicklungsplans in Auftrag gegeben hatte, habe zunächst gezeigt, dass eine Gesamt- oder eine Realschule anstelle der Sekundarschule gewünscht würde. Da eine Gesamtschule nach Auffassung des Bürgerforums aber mehr Möglichkeiten biete als eine Realschule, befürworten die Mitglieder sie. Zuvor hatten sich bereits SPD, Grüne und FDP öffentlich für diese Schulform ausgesprochen.

Die Wermelskirchener CDU hatte sich indes bei ihrer Klausurtagung vor gut zwei Wochen noch nicht festgelegt. Einige der Mitglieder können sich offenbar durchaus auch eine Realschule vorstellen. „Die Eltern, die derzeit ihre Kinder auf eine Realschule in einer Nachbarstadt schicken, und die, die sich in der Umfrage für eine Realschule ausgesprochen haben, wollen wir nicht vor den Kopf stoßen – die haben sich sehr bewusst entschieden und die muss man ernst nehmen“, sagte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Leßenich unmittelbar nach der Sitzung.

Wir wollen mit einer modernen Schule die Abwanderung von Kindern in Nachbargemeinden vermeiden.

Oliver Platt, Bürgerforum

Für das BüFo indes ist die Realschule auf Wermelskirchener Gebiet jetzt kein Thema mehr. Als Standort der neuen Gesamtschule stellt sich die Fraktion die Wirtsmühler Straße/Weyersbusch vor.

„Wir brauchen ein Angebot für alle Schüler in Wermelskirchen und wollen, dass mit einem modernen Schulkonzept und auch Schulgebäude die Abwanderung von Kindern in Nachbargemeinden vermieden wird“, sagte Oliver Platt.

BüFo-Mitglied Miriam Schöpp ergänzte, dass beim An- und Neubau auch auf Nachhaltigkeit geachtet werden solle. Zum Beispiel könne ein Schulgarten als Dachbegrünung entstehen.

Auch könne sich das Team modern ausgestattete Technikräume für die Berufsvorbereitung vorstellen. „Dazu könnte die Schule eng mit Unternehmen aus Wermelskirchen zusammenarbeiten“, schilderte Martina Wirker eine weitere Idee. Den Neubau einer Mensa beziehungsweise eines Multifunktionsraums befürworte das BüFo.

Auch die geplante Modulbauweise des Gebäudes, die unter anderem bei den Grünen für Kritik gesorgt hatte, befürworten die Mitglieder des BüFo. Sie ermögliche „spannende und flexible Raumkonfigurationen mit der Möglichkeit, sich an zukünftige Veränderungen oder auch neue pädagogische Konzepte anzupassen – aus Nachhaltigkeitssicht ist dies die Grundvoraussetzung für eine lange Nutzungsdauer“.

Ein Neubau an der Rotkreuzstraße, wo er ursprünglich geplant war, sehen Oliver Platt und sein Team als nicht realisierbar, weil nicht bezahlbar und lehnen deswegen einen solchen Neubau ab. Für das BüFo sei es aber sehr wichtig, dass der Um- und Neubau der Sekundarschule hin zu einer Gesamtschule „in der Qualität die besten Voraussetzungen für eine großartige, zukunftsfähige Schule“ biete.

Die Fraktion habe bei Ortsterminen am jetzigen Standort Wirtsmühle/Weyersbusch gesehen, dass mit gut geplanten Investitionen eine hervorragende Schule an dem Standort zu realisieren sei. Oliver Platt: „Hier darf nicht gespart werden.“ | Standpunkt

Hintergrund

In einer sicher spannenden Schulausschusssitzung am Donnerstag, 24. Februar, um 17 Uhr im Großen Saal des Bürgerzentrums, geht es um die mögliche Form der neu geplanten Schule. Die Fraktionen sollen dann ihre Entscheidung mitteilen. SPD, FDP, Grüne und Bürgerforum hatten sich bereits dazu entschlossen, ihre Wahl öffentlich zu machen, so dass vorab eine Diskussion möglich ist. Derzeit sieht es nach einer politischen Mehrheit für die Gesamtschule aus.

Standpunkt: Transparenz ist gut

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Eigentlich war angedacht, dass die Mitglieder des Schulausschusses ihre politische Meinung zur Nachfolge der Sekundarschule erst in der Sitzung am 24. Februar kundtun. Nun haben die meisten sich aber entschieden, mit ihrer Ansicht transparent umzugehen und schon vorher an die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist gut und begrüßenswert. Denn die Schulzukunft der Stadt ist ein öffentliches Thema das alle, aber vor allem Familien mit Kindern und das Personal der Schulen angeht. Viele zu lange schwelte das Thema im Verborgenen vor sich hin. War doch bereits seit längerer Zeit bekannt, dass die Sekundarschule nicht ausreichend Nachzügler hat, um einen Schulneubau zu rechtfertigen, wie er ursprünglich geplant war. Das Interesse für eine Sekundarschule ist bei den Familien schlicht nicht mehr vorhanden, wie die Elternbefragung jüngst eindrucksvoll gezeigt hat. Das ist aber nicht nur in Wermelskirchen, sondern auch in vielen anderen Städten so. Deshalb ist es jetzt wichtig, rasch aber besonnen zu handeln. Und das machen die Akteure offensichtlich gerade auch. Gut so.

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