Fahrgäste bleiben aus

Bürgerbus: Hoher Dieselpreis bereitet Sorgen

Erst 1061 Fahrgäste zählte der Bürgerbus-Verein im ersten Halbjahr 2022.
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Erst 1061 Fahrgäste zählte der Bürgerbus-Verein im ersten Halbjahr 2022.

Rücklage wird immer weiter aufgezehrt.

Von Udo Teifel

Wermelskirchen Seit Beginn des Ukraine-Krieges sind die Kosten für Kraftstoffe stark gestiegen. Der Preis für Diesel hat den für Benzin längst überholt. Fuhr-, aber auch Taxiunternehmen stehen vor einer schwierigen Situation. Das gilt auch für den Bürgerbusverein Wermelskirchen. Die Fahrgäste bleiben aus – und um den Sprit zu bezahlen, greift der Verein in die Rücklage, die deshalb immer weiter aufgezehrt wird.

„Die Rücklage ist für uns wichtig. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren unsere kleinen Überschüsse zurückgelegt, um neue Fahrzeuge mitfinanzieren zu können“, sagt Bürgerbusvereins-Vorsitzender Wolfgang Craen. Die Rücklage schmilzt dahin. Der Bürgerbusverein ist kein privatwirtschaftliches Unternehmen, sondern auf Zuschüsse angewiesen. Neue Fahrzeuge werden nie zu 100 Prozent finanziert. „Wir haben jetzt erst der RVK 10 000 Euro überwiesen, um die Differenz für das unlängst angeschaffte Fahrzeug zu bezahlen.“ Inzwischen sind nur noch 15 000 Euro auf dem Konto – und der Betrag wird immer kleiner.

Denn: Im Durchschnitt hat der Verein monatlich 500 Euro eingenommen, musste aber diesen Betrag fürs Tanken aufbringen. „Unsere Einnahmen gingen also gleich drauf“, so Craen. 8000 Fahrgäste jährlich zählte der Verein in den Jahren vor Corona – jetzt sind es durchschnittlich 2500. „Wenn wir mal 3000 zählen, sind wir schon froh.“

Das Fazit des ersten Halbjahres 2022 ist entsprechend deprimierend. 1061 Fahrgäste zählte der Verein bislang. Im Juni waren es gerade mal 104 zahlende. 275 Euro hat der Verein eingenommen, 800 Euro musste er für den Diesel bei der RVK bezahlen. „Das schmälert immer mehr unsere Rücklage“, so Craen.

Die einstige Kundschaft bleibt aus

104 zahlende Fahrgäste – das hat auch etwas mit dem Neun-Euro-Ticket zu tun. Denn 170 Fahrgäste kamen mit dem neuen Ticket. „Der Zuwachs ist also zu beobachten“, freut sich letztlich doch der Vorsitzende. Der finanzielle Ausgleich ist gesetzlich festgeschrieben; die RVK als betreibender Verkehrsbetrieb des Bürgerbusses muss die Fahrgastzahlen dokumentieren. „In welcher Höhe wir nun einen Ausgleich bekommen, steht nicht festgeschrieben. Und wir wissen es auch nicht, können also nichts verbuchen.“ Wolfgang Craen hofft jetzt, dass von den 170 Ticket-Fahrgästen viele vom Angebot des Bürgerbusses überzeugt sind, dass sie auch nach der dreimonatigen Laufzeit auch weiter Kunden beim Bürgerbus bleiben. „Corona hat uns schon richtig Geld gekostet“, resümiert er.

Andererseits seien die verbliebenen Fahrgäste dem Bürgerbusverein in der Pandemiezeit ganz besonders dankbar, dass der Verein das Angebot ermögliche, erfahren seine Fahrer. Doch es werde allgemein festgestellt, dass die einstige Kundschaft ausbleibe. „Als wir vor 20 Jahren anfingen, haben wir die damals 70-Jährigen gefahren. Das war die Kriegsgeneration, wo zum Beispiel die Frauen keinen Führerschein hatten. Heute sind die 70-Jährigen mobil unterwegs.“ Da habe sich viel geändert.

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