Ehemaliges Eifgen-Freibad

Bürger wollen Naturschutz im Eifgen

Jürgen Kirch, Britta Klooß, Erdmute Schekat (v.l.) sprachen mit Stefan Janosi (Grüne), wie man mehr aus dem ehemaligen Eifgen-Freibad herausholen könnte. Foto: Heike Magnitz
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Jürgen Kirch, Britta Klooß, Erdmute Schekat (v.l.) sprachen mit Stefan Janosi (Grüne), wie man mehr aus dem ehemaligen Eifgen-Freibad herausholen könnte.

Sie wollen das Konzept des Investors nicht alternativlos hinnehmen.

Von Heike Magnitz

Wermelskirchen. Wer sich traut, den heruntergekommen Torbogen zu dem ehemaligen Schwimmbad zu durchschreiten, landet in einer anderen Welt. Im Tiefflug segelt ein Reiher über das von Weiden und alten Bäumen begrenzte Feuchtbiotop, das früher mal das Schwimmbad war. „Hier habe ich schon Eisvögel und Feuersalamander beobachtet,“ erklärt Erdmute Schekat, die mit ihren Malkursen viele Stunden dort verbracht hat.

Als die Wermelskirchenerin erfuhr, dass die Stadt einen Investor gefunden hat, der das komplette Gelände inklusive der zum Teil denkmalgeschützten Gebäude und den ehemaligen Umkleiden in Büros umbauen möchte, war sie entsetzt: „In meinen Augen ist das hier ein Schatz, den es zu erhalten gilt. Würden hier, unmittelbar an diesem wunderbaren Biotop, Büros entstehen, wäre der Zauber dahin“, findet Schekat. Ihre Idee: „Ich könnte mir vorstellen, dass der Investor die Gebäude übernimmt, die der Schmied angemietet hat und das die ehemaligen Umkleideanlagen für den Naturschutz, Kultur- und Jugendarbeit genutzt werden. Vielleicht sogar für sanften Tourismus.“

Erste Gespräche mit dem Naturschutzbund sind geführt

Ein Projekt, in das sie sich gerne aktiv einbringen möchte, erste Gespräche mit dem Naturschutzbund im Rheinisch-Bergischen Kreis hat sie schon geführt. Der wollte dort schon vor Jahren eine biologische Station aufbauen, war jedoch an fehlenden Ehrenamtlern gescheitert. Erdmute Schekat würde das gerne übernehmen, momentan versucht sie, weitere potenzielle Ehrenamtler mit ins Boot zu holen. Ursula Scheben wäre zum Beispiel sofort dabei: „Wenn ich die vielen Insekten und Schmetterlinge hier sehe, könnte ich mir vorstellen, Insektenhotels zu bauen oder Bienenstöcke aufzustellen.“ Erdmute Schekat weiß aber auch, dass es nicht reicht, das Außengelände zu gestalten: Die Gebäude um das Biotop herum sind stark sanierungs-bedürftig. Wenn da nichts passiert, werden sie über kurz oder lang verfallen. Aber eine Sanierung koste Geld, das einfach nicht da sei, sagt Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Wermelskirchen. Auch seine Fraktion würde das Biotop am Liebsten mit den ehemaligen Umkleiden erhalten, aber: „Dafür brauchen wir Visionen und Geld. Und die Zeit drängt. Es ist fünf vor Zwölf.“

Am 5. Mai sollen die Politiker im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr einen Vorentscheid treffen, im Juli fällt dann der endgültige Entschluss, ob der Investor grünes Licht zur Umsetzung seiner Pläne im Eifgen bekommt, im Rat. Problem: „Es gibt bisher keine Alternativen, die müssten jetzt aber sehr schnell her“, sagt Stefan Janosi. „Und zwar inklusive Finanzierungsplan. Noch ist die Stadt im Haushaltssicherungskonzept, das heißt, selbst wenn sie wollte, dürfte sie nicht in freiwillige Leistungen investieren.“

Erdmute Schekats Vision von einem Projekt, in dem Naturschutz, Kunst und Jugendarbeit zusammenfließen, könne da schon richtungsweisend sein, sei aber noch zu vage sagt Stefan Janosi weiter: „Wichtig ist, dass das ehemalige Schwimmbad wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt und sich möglichst viele Menschen aus Wermelskirchen mit ihren Ideen einbringen.“

Aus dem öffentlichen Bewusstsein ist das ehemalige Schwimmbad aber schon lange verschwunden, bedauert Jürgen Kirch aus Wermelskirchen, er gehört zu der bisher noch kleinen Gruppe von engagierten Menschen, die jetzt zusammen mit Erdmute Schekat nach einer Alternative zu den Büros suchen: „In meiner Jugend habe ich hier wunderbare Sommertage verbracht, doch dann ist das Bewusstsein für diesen außergewöhnlichen Ort leider einfach versickert.“ Dabei sei es eigentlich ganz einfach, das ehemalige Schwimmbad als besonderen Ort wieder zu entdecken, sagt Ursula Scheben. Ihr Rat: „Traut euch einfach durch den heruntergekommen Torbogen hindurch und schaut euch um. Es lohnt sich.“

Hintergrund

Die Wermelskirchener Künstlerin Erdmute Schekat und andere engagierte Bürger kritisieren, dass die Aspekte Naturerleben, Kultur und sanfter Tourismus bei den Plänen des Investors zu kurz kommen. Sie suchen jetzt nach Alternativen. Wer seine Ideen mit einbringen möchte, kann sich gerne mit ihnen in Verbindung setzen. Kontakt: Erdmute@schekat.de

Standpunkt: Nichts romantisieren

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Dass die Pläne für das Eifgen so polarisieren würden, das hatte so wohl niemand vermutet. aber es ist eben auch ein Kleinod, mit dem vermutlich jeder verwurzelte Wermelskirchener etwas verbindet. Die Idee, den Naturschutz in die Pläne des Investors mit einzubinden, ist gut. Und sicher sinnvoll und gewinnbringend. Wenn den Initiatoren das gelingen würde, hätte das sicher viele Vorteile. Also sollten sie fix Kontakt mit Stadt und Investor aufnehmen und ihre Ideen vorbringen. Die vorliegenden Pläne des Investors komplett zu verteufeln, ist indes auch nicht angebracht. Denn wer sie im Original gesehen hat und versteht, was dort geplant ist, der wird zugeben, dass das nicht reine Bürogebäude sind, die dort entstehen sollen. Das Konzept fügt sich viel mehr in die Landschaft ein und ist absolut zeitgemäß. Menschen neigen häufig dazu, Dinge zu romantisieren. Sicher ist das Eifgen als Tor zum Erholungsgebiet Eifgenbachtal bedeutend für Wermelskirchen und schützenswert. Das heißt aber nicht, dass dort nicht auch neue Dinge eine Chance bekommen dürfen, die am Ende auch der Allgemeinheit nutzen.

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