Sprechstunde

Bürger stellen viele Fragen zum Eifgen

Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von Bowl Church gibt es zumindest im laufenden Investorenverfahren keine Chance. Archivfoto: Doro Siewert
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Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von Bowl Church gibt es zumindest im laufenden Investorenverfahren keine Chance.
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Im Juni soll über den Verkauf an den Investor entschieden werden,

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Paul-Gerd Schramm ist Wermelskirchener durch und durch. Dem ehemaligen Busunternehmer blutet aber genau deshalb das Herz, wenn er an die Erschließung des Eifgens denkt. „Alles wird an Investoren veräußert“, sagt Schramm. „Das muss doch nicht sein“, findet er. Er beteiligte sich deshalb an der Bürgersprechstunde, bei der Wermelskirchener am Freitag ihre Fragen und Anregungen zur Erschließung des Eifgens loswerden konnten.

Viele Fragen hatten Bürgermeisterin Marion Lück schon vorher erreicht. Zum Beispiel, welche Gebäude die Stadt denn genau verkaufen will. „Es sind die Häuser Eifgen 8 und 9“, erklärt Lück. „Das Wohnhaus und das ehemalige Wasserwerk stehen zum Verkauf. Optional wurde auch das Freibad angeboten, denn der Sanierungsstau in beiden denkmalgeschützten Häusern sei sehr groß, so dass erhebliche Investitionen zum Erhalt notwendig seien. Das mache den Kauf weniger attraktiv, deshalb wurde das Freibad optional zusätzlich angeboten. Der Fledermausturm, nachdem sich vor allem Naturschützer erkundigt hatten, bleibe aber in jedem Fall an dieser Stelle bestehen und auch Wanderparkplatz und Wanderwege sowie der Grillplatz würden nicht mitverkauft.

Die Gebäude 8 und 9 sowie das dazugehörige Außengelände müsse die Stadtverwaltung aber verkaufen. Alles stehe unter Denkmalschutz. Beide Häuser seien stark sanierungsbedürftig. Würde die Stadt die Sanierung beauftragen, wären nach ersten Schätzungen rund 1,5 bis 2 Millionen Euro notwendig. Dieses Geld sei im städtischen Haushalt nicht vorhanden beziehungsweise würde für die Sanierung von Sporthallen, Kitas und so weiter dringender benötigt.

Was mit dem Schmied geschehe, der zurzeit noch die Häuser bewohnt, beziehungsweise dort arbeitet, möchten viele Bürger wissen. Das sei Verhandlungssache zwischen Schmied und Investor, sagt dazu die Bürgermeisterin.

Die mehrfach vorgebrachte Idee, im Eifgen ein Museum zu errichten, könne nicht realisiert werden: „Museen kosten in der Regel viel Geld in der Einrichtung und Unterhaltung, das nicht über Eintrittsgelder finanziert werden kann.“ Veranstaltungen könnte es aber weiter dort geben, aber in eingeschränktem Maße. Das Biotop sei zu schützen. Der Grillplatz sei zum Feiern auch ein guter Ort.

Bowl Church kann jetzt nicht mehr berücksichtigt werden

Vom April bis Juni 2020 seien die beiden Häuser in öffentlicher Ausschreibung von der Stadt zum Verkauf angeboten worden. Viele Interessenten hätten angefragt. „Am 12 Mai 2020 fand ein Rückfragenkolloquium statt; zwei Investoren haben schließlich ein Angebot abgegeben“, berichtet Marion Lück. Der Verein Bowl Church, der wie berichtet das Gelände in Eigenregie erschließen möchte, habe sich an nicht an dem Verfahren beteiligt und könne jetzt auch nicht mehr berücksichtigt werden. Denn: „Ein Investorenauswahlverfahren läuft nach bestimmten Regeln ab, die den Beteiligten Sicherheit, Verlässlichkeit und Klarheit bietet und auf dem Prinzip des gesellschaftlichen Zusammenspiels beruht“, heißt es dazu.

Im Juni werde nun über den Verkauf an den Investor entschieden. Er habe zugesagt, eine Biologische Station einzurichten und das Biotop ausreichend schützen zu wollen. Aufgrund seiner bisherigen Bauprojekte bringe er auch genügend Erfahrung im Schutz von Habitaten mit. Außerdem würden die Naturschutzaspekte im Bebauungsplan berücksichtigt und sie würden auch als Auflagen in der Baugenehmigung erscheinen, die für die Nutzungsänderung notwendig ist. Laut Stadt soll das Planverfahren fürs Eifgen von Sommer 2021 bis Ende Sommer 2023 dauern, anschließend könnte der Umbau erfolgen, der etwa ein Jahr dauern würde. Eine Nutzung der geplanten Büros könnte demnach ab Mitte 2024 möglich sein.

Wenn sich die Politik allerdings gegen den Verkauf entscheiden würde, müsste sie überlegen, ob es ein neues Verfahren gibt.

Kosten

Laut Verwaltung würde allein die Sanierung der beiden denkmalgeschützten Gebäude 1,5 bis 2 Millionen Euro kosten. Das sagt der Technische Beigeordnete Thomas Marner. Zudem hat der Investor von Lo-Projects für den gesamten Umbau rund 4,5 Millionen Euro veranschlagt. „Das“, sagt Thomas Marner, „sind auch durchaus realistische Kostenberechnungen, die wir als Stadt so nicht stemmen könnten.“

Standpunkt: Viel zu diskutieren

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Das Eifgen scheint für viele Wermelskirchener ähnliche Bedeutung zu haben wie der Naturweihnachtsbaum. Sie identifizieren sich irgendwie damit. Und wenn sie auch bisher vielleicht persönlich nicht viel damit zu tun gehabt haben, so schmerzt sie doch eine anstehende Veränderung. Immerhin haben einige früher noch im Eifgen-Freibad gebadet oder sind im Winter dort Schlittschuh gelaufen. Nun haben vorwiegend Politik und Verwaltung es in der Hand, eine Lösung für die Erschließung und Modernisierung dieser scheinbar so beliebten Fläche zu finden. Die Frage ist, warum es nicht früher möglich war, Bürger ins Boot zu holen und die Pläne des Investors öffentlich zu machen. Verschiedene Ortspolitiker hatten das in den zuständigen Gremien auch kritisiert. Dann hätte die Diskussion zumindest früher stattfinden können. Und möglicherweise hätte es dann auch noch eine öffentliche Vielfalt an möglichen Investoren gegeben. Und eine Wahlmöglichkeit. Nun bleibt abzuwarten, wie die Politik sich entscheidet. Stimmt sie gegen den Investor, wird das Verfahren noch einmal neu aufgerollt.

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