Corona-Krise

Briefe sollen Senioren erfreuen

Alte Menschen in Seniorenheimen sind oft einsam und freuen sich über Abwechslung. Archivfoto: Uli Preuss
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Alte Menschen in Seniorenheimen sind oft einsam und freuen sich über Abwechslung. Archivfoto: Uli Preuss
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Seniorenbeirat unterstützt die Aktion „Freude schenken“ für Altenheime

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Idee kommt von der CDU- und BüFo-Bürgermeisterkandidatin Marion Lück. Sie hatte ähnliches in Köln, wo sie derzeit arbeitet, beobachtet: Bürger schreiben Briefe an Senioren, die in Heimen leben. Um sie aufzuheitern, ihnen Mut zu machen, in einer Zeit, in der sie nur eingeschränkt und wenig Besuch empfangen dürfen.

Helfer aus Wermelskirchen, die von der Aktion begeistert waren und mitmachen wollten, fand Marion Lück in Karin Görne, Claudia Lambeck und Buchhändlerin Gabriele van Wahden prompt. „Wir verteilen auch Flyer in Wermelskirchener Geschäften, um Bürger auf die Aktion aufmerksam zu machen“, berichtet Karin Görne.

Die Wermelskirchener Kommunalpolitikerin (BüFo) weiß, dass sich ältere Menschen und ihre nahen Angehörigen während der Corona-Krise oft einsam fühlen: „Wir haben einen Nachbarn, der seine an Demenz erkrankte Frau über Wochen nicht besuchen konnte. Das zehrt ganz schön an den Nerven.“

Boxen, in denen die Briefe gesammelt werden, sollen zunächst in der Buchhandlung van Wahden am Markt sowie beim Fahrradcenter Lambeck am Braunsberg stehen. Von dort sammeln die Helfer die Briefe ein und bringen sie zu den Einrichtungen und somit zu ihren Empfängern.

„In den Heimen gab es große Begeisterung für die Aktion.“
Werner Allendorf, Vorsitzender Seniorenbeirat

„Freude schenken“ soll die soziale Aktion in Wermelskirchen heißen. Unterstützt wird sie auch vom Seniorenbeirat. „Ich habe in den Heimen nachgefragt, ob das gewünscht ist. Dort gab es große Begeisterung für die Brief-Aktion“, freut sich Seniorenbeirats-Vorsitzender Werner Allendorf. Empfänger gibt es somit im Haus Vogelsang, dem Carpe Diem, dem Haus Regenbogen und in den Seniorenwohngruppen der Diakonie.

Geschichten, Bilder, Gedichte, Fotos, ermutigende Gedanken, gute Erfahrungen, auch Gebete können geschickt werden. Der Brief sollte nicht zu lang sein, als Empfehlung geben die Initiatoren eine Din-A4-Seite an. Die Schrift sollte gut leserlich und möglichst groß sein. Erwünscht sind auch Fotos vom Garten oder dem Waldspaziergang, Anekdoten von Kindern oder auch „Dönekes“ aus dem Stadtleben von Wermelskirchen.

Ähnlich wie bei einem mit einer Flaschenpost verschickten Brief kennen sich Absender und Empfänger nicht; die Absender können anonym bleiben oder aber auch ihre Adresse hinterlassen, wenn beispielsweise eine Rückantwort erwünscht ist. Der Brief sollte an die Bewohner der Wermelskirchener Senioreneinrichtungen gerichtet sein. Hilfreich sei, so heißt es, auf den Briefumschlag zu schreiben, an wen etwa der Brief gerichtet sein soll: eine Frau, einen Mann, einen Gartenliebhaber, Musikfan oder vielleicht eine ganze Gruppe von Menschen.

Claudia Lambeck kündigt an, die Brief-Box ab kommender Woche im Ladenlokal des Zweirad-Centers Lambeck aufstellen zu wollen. „Ich bin gespannt auf die Resonanz“, sagt die Geschäftsfrau. Ihr sei bewusst, dass viele ältere Menschen keinen oder nur wenige Ansprechpartner hätten, auch zu Zeiten außerhalb der Corona-Pandemie. Deshalb sei geplant, auch darüber hinaus das Angebot aufrechtzuerhalten.

„Tolle Idee“, findet auch Sabine Rippke, Pflegedienstleitung im Carpe Diem. „Viele unserer Bewohner haben keine Angehörigen mehr und bekommen nur wenig Besuch. Da bietet so ein Brief schon mal eine schöne Abwechslung. Wir begrüßen das für unsere Bewohner ausdrücklich und freuen uns darüber.“ 

Seniorenheime

Mitte März waren die Senioreneinrichtungen auch in Wermelskirchen für Besuch geschlossen worden – um die Bewohner und das Pflegepersonal von einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Jetzt ist Besuch zwar wieder eingeschränkt teilweise möglich – aber nur unter strengen Hygieneauflagen.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Situation der Senioren, vor allem in den Heimen, war zuletzt immer wieder ein öffentliches Thema. Denn während der Akutphase der Corona-Pandemie waren Besuche in den Einrichtungen wegen der Ansteckungsgefahr und dem damit verbundenen Risiko für die Hochbetagten verboten. Eine schwierige Situation. Vor allem für die alten Menschen, aber auch für die nächsten Angehörigen und das Pflegepersonal. Die Situation hat sich nun durch wieder gestattete Besuche wieder etwas entspannt. 

Dennoch gibt es auch außerhalb von Corona viele alte Menschen, die unter Einsamkeit leiden. Deshalb ist die Aktion „Freude schenken“ zu allen Zeiten eine gewinnbringende und lohnende Initiative. Bleibt zu hoffen, dass viele Bürger mitmachen und möglicherweise sogar ihre Adresse im Brief hinterlassen, um einen dauerhafteren Kontakt möglich zu machen. Denn Freude zu schenken, sollte nicht nur in Zeiten der Krise Spaß machen. Sondern im Alltag generell. „Freude schenken“ ist ein guter Anlass, das mal wieder zu machen: mit einem netten Brief, einem Bild oder etwas Musik. Es kann so einfach sein.

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