Urteil

Brandanschlag: 28-Jähriger soll in die Psychiatrie

Am Landgericht Köln ging der Prozess zu Ende.
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Am Landgericht Köln ging der Prozess zu Ende.

Das Urteil für die Tat in der Sparkasse an der Telegrafenstraße ist gefallen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Letztlich ging es im Prozess gegen einen 28-jährigen Mann aus Wermelskirchen vor der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Köln vor allem darum, ob er dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden muss. Denn die Tat, die ihm vorgeworfen wird, soll er in einem Zustand einer paranoiden Schizophrenie begangen haben. Im Wahn, dass die Sparkasse ihm das Geld, 50 Milliarden Euro, das er zum Abtransport von US-amerikanischen Atombomben aus Deutschland bekommen sollte, nicht auszahlen wollte, hatte er in einer sich über mehrere Wochen steigernden Eskalationsspirale einen Kanister Benzin im Selbstbedienungsbereich der Sparkassenfiliale ausgeschüttet und angezündet. So zumindest der Vorwurf der Anklage. Er selbst stritt vor Gericht die Tat ab. Am vierten Prozesstag legte eine Diplom-Psychologin ihr Gutachten über den 28-Jährigen vor.

Die Gutachterin hatte den Angeklagten am 14. Juni in der LVR-Klinik in Essen befragt. Weitere Faktoren, die in das Gutachten mit eingeflossen sind, sei natürlich das Auftreten des 28-Jährigen während der Verhandlungstage, aber auch die vorhandenen Akten seien berücksichtigt worden. Sie komme im Ergebnis zur Diagnose einer nach wie vor floriden paranoiden Schizophrenie, die nicht durch Drogenkonsum bedingt sei, sondern auf einer psychotischen Erkrankung beruhe. „Er ist seit mehreren Monaten in der Klinik, wo er keine Suchtmittel bekommen kann – und dennoch ist der Wahn nach wie vor vorhanden“, sagte die Gutachterin. Und ergänzt: „Die Gefahr weiterer Taten ähnlichen Zuschnitts ist auf jeden Fall gegeben, deswegen ist eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach Paragraf 63 angeraten.“

Die Eltern hätten sich in seiner Kindheit getrennt. Die ersten Heimaufenthalte seien im Alter von 16 Jahren gewesen. Und obwohl er zwischenzeitlich ein Gymnasium besucht habe, verfüge er über keinen Schul- oder Berufsabschluss. Drogenkonsum unterschiedlicher Art und Aufenthalte in Kliniken seien gefolgt. „Erstmals straffällig ist er 2019 geworden“, sagte die Gutachterin. Zu dieser Zeit habe er auch die ersten wahnhaften Erlebnisse gehabt.

In den bisherigen und auch dem aktuellen Klinikaufenthalt habe er nie die Bereitschaft zur Mitarbeit gezeigt. Und darin sehe sie auch die Gefahr: „Er ist offensichtlich nach wie vor in der ersten und unbehandelten Episode seiner Erkrankung.“

Im Anschluss gab es die Plädoyers. Der Staatsanwalt richtete sich dabei ganz nach dem Rat der Gutachterin. „Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe zwar, wird aber in allen Fällen durch Beweismittel überführt“, sagte er. Darunter seien Zeugenaussagen, aber auch Videos der Überwachungskameras, auf denen er beim unmittelbaren Vortatgeschehen zu sehen sei. Er gehe von einer Schuldunfähigkeit aus, da der 28-Jährige unter einer paranoiden Schizophrenie gelitten habe. Und nach wie vor leide. „Daher sind auch weiterhin ähnlich gelagerte Taten zu erwarten – nicht nur gegen die Sparkasse Wermelskirchen, sondern vielleicht gegen andere Menschen, von denen wir jetzt noch gar nicht wissen, dass sie auf der Liste des Angeklagten sind. Das ist eine sehr negative Sozialprognose, deswegen beantrage ich die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus“, sagte der Staatsanwalt.

Verteidigung will noch einmalin Revision gehen

Der Rechtsanwalt hielt etwas kürzer. Es sei seine Aufgabe, seinen Mandanten zu vertreten, erklärte der Jurist. „Er sagt, dass er die Taten nicht begangen hat. Und dass er nicht krank ist – insofern erübrigt sich die Frage nach einer Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung“, führte der Anwalt aus.

Am Ende schloss sich der Richter aber der Forderung des Staatsanwalts an. Der Verteidiger des 28 Jahre alten Angeklagten hatte indes schon vorher angekündigt, in Revision gegen das erwartete Urteil zu gehen.

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