Eifgen

Bowl Church sucht nach neuem Standort

Das Eifgen haben sie abgehakt. Nun suchen die Aktiven von Bowl Church einen neuen Ort für ihre Vision. Archivfoto: Doro Siewert
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Das Eifgen haben sie abgehakt. Nun suchen die Aktiven von Bowl Church einen neuen Ort für ihre Vision.

Nach der Entscheidung zum Eifgen rufen die jungen Vereinsaktiven zur Besonnenheit auf.

Von Anja Carolina Siebel

Nun ist es raus: Mit knapper Mehrheit hatte der Stadtrat am Montagabend beschlossen, dass die Stadt das Investorenverfahren fürs Eifgen fortführen möge. Konkret heißt das, mit dem Investor LO-projects aus Düsseldorf Verkaufsverhandlungen zu führen und einen entsprechenden Vertrag für den Verkauf des ehemaligen Wasserwerks, des Maschinisten-Wohnhauses und des ehemaligen Freibads sowie des Geländes vorzubereiten.

Investor Rainer Kohl von LO-projects will jetzt zeitnah die Gespräche mit der Verwaltung aufnehmen, wie er auf Nachfrage bestätigt. „Wir werden dort anknüpfen, wo wir im März geendet sind“, sagt er. Die zum Teil hitzige öffentliche Diskussion habe ihn als erfahrenen Investor verwundert, teils sogar erschreckt. „Sowas habe ich in dem Ausmaß noch nicht erlebt“, sagt Kohl. Und er versichert noch einmal, dass die Sorge vieler Bürger, der ökologische Gedanke würde bei seinem Projekt vernachlässigt, unbegründet sei: „Im Gegenteil werden wir ja beispielsweise das ehemalige Freibad ins Konzept mit einbeziehen. Und eine wirtschaftliche Nutzung ist für diesen Standort nun mal vorgesehen.“

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Ratsentscheidung am späteren Abend ging es in den sozialen Netzwerken bereits mit Schimpftiraden los. Zielscheibe: Die Stadtverwaltung und die Ortspolitiker, die die entsprechende Entscheidung pro Investor getroffen hatten. Das habe das Eifgen nicht verdient, hieß es da unter anderem. Und: Es ginge bei dieser Entscheidung ausschließlich um Geld.

Dabei hatten sich die Politiker jene Entscheidung, die mit 29 zu 25 Stimmen bei vier Enthaltungen sehr knapp ausfiel, nicht leicht gemacht. Viele traten ans Rednerpult und äußerten ihr eigenes sowie das Dilemma ihrer Fraktionskollegen. Vielfach gab es unterschiedliche Entscheidungen innerhalb der Fraktion. In der SPD votierten beispielsweise Jochen Bilstein und sechs andere Mitglieder für das Investorenverfahren, drei Mitglieder sprachen sich dagegen aus. Bilstein begründete in einer emotionalen Rede seine Entscheidung und wies den Vorwurf zurück, ihm gehe es nicht um die Jugend. „Ich hätte mir so viel Unterstützung für die Jugend zum Beispiel beim Freizeitpark gewünscht, für dessen Realisierung ich jahrelang mitgekämpft habe“, sagte er.

Vereinsmitglieder wünschen sich, dass jetzt Ruhe einkehrt

Christian Klicki (CDU) räumte ein, dass es „eine Entscheidung zwischen Kopf und Herz“ sei. CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Schneider stand öffentlich dazu, dass er ein Befürworter des Vereins Bowl Church sei und somit gegen die Fortführung des Verfahrens stimme. Dennoch schlug er „zum Schutz gerade der jungen Mitglieder“ eine geheime Abstimmung vor, der der Sitzungsvorstand stattgab. Innerhalb der CDU als stärkster Ratsfraktion herrschte sichtlich große Uneinigkeit, was die Entscheidung für oder gegen das Verfahren anging.

Genau diese Uneinigkeit wünschen sich die Mitglieder von Bowl Church indes auch einen Tag nach der für sie negativ ausgefallenen Entscheidung nicht. „Wir akzeptieren sie und beginnen jetzt sofort mit der Suche nach einem neuen Standort für unser Projekt“, sagt Daniel Pleuser von Bowl Church auf Nachfrage. Konstruktivität wünscht er sich auch für die Diskussion: „Es bringt nichts, jetzt nachzutreten und die Entscheidung anzufechten. Wir möchten unsere Energie in die Realisierung unseres Projektes anderswo in der Stadt legen. Und auch dafür können wir natürlich Unterstützung gebrauchen.“

Die über 270 000 Euro Spenden, die sie fürs Eifgen gesammelt hatten, würden sie jetzt zurückzahlen: „Wir sind dankbar für die große Hilfe.“ Nun gehe es darum, nach vorn zu blicken. Und niemanden zu verurteilen. | Standpunkt

Spenden

Seit Ostern hatte die Bowl Church Spenden in Höhe von mehr als 270 000 Euro für ihren Creative Space im Eifgen gesammelt. Das Geld sollte als Initialzündung für den Kauf der Gebäude und die Ausstattung des Freibads genutzt werden. Nun wollen die Mitglieder das Geld an die Spender zurückzahlen. Die Idee, junge Leute in ihren Talenten und Fähigkeiten zu unterstützen, wollen sie weiter verfolgen.

Standpunkt: Vernünftige Sichtweise

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Blickte man am Montagabend in die sozialen Netzwerke, so wurde schnell klar, was die Verwaltungsmitglieder und Ortspolitiker gemeint hatten, als sie von einer „nie dagewesenen und unfairen Debatte“ sprachen. Da wird vom heimischen Sofa aus gepöbelt, angegriffen und zum Teil sogar gedroht. Dass das ganz und gar nicht im Sinne von Bowl Church ist, macht dessen Vorstandsmitglied Daniel Pleuser jetzt deutlich. Und damit hat er völlig recht. Es nützt niemandem, jetzt auf der Entscheidung herumzuhacken und Entscheidungsträger anzuprangern. Viel mehr, auch das schlägt Daniel Pleuser mit Recht vor, kann man den Blick nach vorn richten und die Bowl-Church-Mitglieder in ihrem Vorhaben unterstützen, einen anderen Standort in Wermelskirchen zu finden. Das wird nicht einfach, denn leer stehende Grundstücke, die sich eignen, sind rar gesät. Aber dafür Energie aufzubringen, ist mit Sicherheit gewinnbringender. Was mit dem Eifgen passieren soll, konnte man im Übrigen seit 2019 öffentlich im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept nachlesen. Und auch damals hätte man es bereits kritisieren können.

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