Tierische Freunde

Rettungshund Bobtail Scotty geht mit zehn Jahren in den Ruhestand

Anke Beckmann mit DLRG-Rettungshund Scotty. Er geht jetzt nach fünf Jahren Dienst beim DLRG in den Ruhestand.
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Anke Beckmann mit DLRG-Rettungshund Scotty. Er geht jetzt nach fünf Jahren Dienst beim DLRG in den Ruhestand.

Rettungshund hat Anke Beckmann fünf Jahre bei der DLRG geholfen.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Scotty schnuppert erstmal. Der große, gutmütige Bobtail begrüßt Besucher mit einem freundlichen Stupsen, dann dreht er auf der Pfote um und kommt mit einem Stoffspielzeug im Maul zurück. „Er liebt Menschen“, sagt Anke Beckmann und streicht ihrem treuen Begleiter durch das lange Fell. Manchmal, wenn Scotty mit ihr am Ufer der Ostsee oder an der Agger im Einsatz ist, dann kommen Kinder auf sie zu und fragen, ob sie Scotty mal streicheln dürfen. Eltern wollen ein Foto von dem großen Hund und ihrem Kind machen. „Und auch dann freut sich Scotty wahnsinnig“, sagt Anke Beckmann und lacht.

Gerade ist sie mit ihrem Bobtail von der Ostsee zurückgekehrt: Die beiden hatten dort eine Woche lang Wachdienst am Meer übernommen – freiwillig und ehrenamtlich. Acht Stunden am Tag. Es ist ihre gemeinsame Leidenschaft – der regelmäßige „Zentrale Wasser-Rettungsdienst Küste“, um in den Ferien am Meer Einsatzzeiten zu übernehmen. Aber jetzt geht Scotty in den Ruhestand – und tritt offiziell aus der aktiven Rettungshundestaffel der DLRG aus. „Mit zehn Jahren hat er sich das verdient“, sagt Anke Beckmann. Aber ans Wasser wird sie der Bobtail trotzdem weiter begleiten – schließlich sind die beiden ein Team.

„Vom ersten Augenblick gehörte er einfach zur Familie“, erzählt sie. Die Kinder schlossen den neuen Hund in der Familie sofort ins Herz, und Scotty versteht sich seit dem als Beschützer – genauso wie seine Vorgänger Teddy und Jonny. Anke Beckmann war damals bereits engagiert als Rettungsschwimmerin in der DLRG. „Ich hatte über die Schwimmkurse unserer Kinder Kontakt zur DLRG geknüpft“, erzählt sie. Während die Kinder Titel sammelten, entdeckte Anke Beckmann das Rettungsschwimmen für sich – und ließ sich erst zur Rettungsschwimmerin, dann für den Wasserrettungsdienst, als Katastrophenschutzhelferin und Bootsführerin ausbilden. „Boot fahren, macht Spaß“, sagt sie.

Und auch diese Begeisterung teilt sie mit Scotty. Anke Beckmann kramt ein altes Foto hervor: „Baby an Board“, sagt sie und lacht – und deutet auf die Abbildung von Scooty als Welpe – zum ersten Mal im Boot. Sie habe mit ihm in der Hollywoodschaukel geübt, damit er sich mit dem Gefühl vertraut machen konnte, keinen festen Boden unter den Pfoten zu haben. „Aber Scotty musste gar nicht lange überredet werden“, sagt Anke Beckmann, „er scheint sich auf Booten immer wohl gefühlt zu haben.“

Weil Scotty lernbegierig war, machten die beiden zusammen die Begleithundeprüfung – und schließlich die Ausbildung zum Rettungshund. In Deutschland gebe es weniger als 20 DLRG-Rettungshundestaffeln, sagt Anke Beckmann. Mit Scotty suchte sie damals Anschluss und fand schließlich eine frisch gegründete Gruppe in Haan. 2017 bestanden die beiden die Prüfung: Scotty hatte sich bei der Suche nach Personen im Feld bewiesen. Er hatte laut gebellt, als er die versteckte Person schließlich gefunden hatte und damit reichlich Punkte bei der Prüfung zum DLRG-Rettungshund gesammelt. Seitdem gehörte er zur Hunderettungsstaffel, trägt die DLRG-Weste, an der eine kleine rote Glocke für den Notfall befestigt ist. Angefordert wurde er in den vergangenen fünf Jahren nicht. Aber er gehört zur DLRG-Familie – genau wie Anke Beckmann.

Allerdings weiß die Rettungsschwimmerin auch: Bevor sie Scotty mit zum Einsatz nimmt, gibt es wichtige Fragen zu klären. „Es ist natürlich wichtig, dass sich auch die anderen im Team mit einem Hund an Board wohl fühlen“, sagt Anke Beckmann. Und es sei wichtig, dass Scotty im Notfall auch angeleint warten könne, bis sie aus dem Wasser zurück sei. „Aber das hat sich schnell eingespielt“, sagt Anke Beckmann, „ich habe eine Art Liste, die ich vor einem Einsatz mit Scotty abhake.“

Die DLRG hat Scotty nun offiziell in den Ruhestand geschickt – während Anke Beckmann im Dienst bleibt. „Wir werden aber weiter gemeinsam repräsentative Aufgaben wahrnehmen“, sagt die Rettungsschwimmerin. In der Jugendarbeit sei Scotty ein richtiger Magnet.

Als der Bobtail seinen Namen hört, blickt er kurz auf. „Wir machen jetzt ein Foto, Scotty“, sagt Anke Beckmann zum Ende des Termins. Und der Bobtail steht interessiert auf. Als sie ihm die kleine DLRG-Weste umlegt, wird Scotty ein bisschen aufgeregt. „Jetzt meint er, es geht los“, sagt Anke Beckmann – und es ist fast so, als würde es auch ihr selbst schon wieder in den Fingern jucken. Gewohnheiten lassen sich nach so vielen Jahren eben nur schwer aufgeben – auch für Rettungshund Scotty.

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