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Blutspenden werden dramatisch knapp

In Zeiten von Corona und der Sommerferien ist das Deutsche Rote Kreuz besonders auf freiwillige Spender angewiesen. Foto: Christian Beier
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In Zeiten von Corona und der Sommerferien ist das Deutsche Rote Kreuz besonders auf freiwillige Spender angewiesen.
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Deutsches Rotes Kreuz warnt: Wir haben nichts mehr auf Lager.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Auf die Frage, ob die Situation dramatisch sei, kann Stefan David Küpper nur mit einem klaren „Ja“ antworten. „Die Corona-Pandemie hat das Blutspendewesen nachhaltig verändert und für große Probleme bei der Versorgung von Patienten mit Blut gesorgt“, erklärt der Sprecher des Blutspendedienstes West mit Sitz in Hagen. Hinzu kommen jetzt die Sommerferien; viele Menschen sind im europäischen Ausland oder innerhalb Deutschlands unterwegs und stehen für Spenden entsprechend nicht zur Verfügung.

Insbesondere bei den Blutgruppen 0 Rhesus positiv und 0 Rhesus negativ gebe es dramatische Engpässe, schildert Küpper.

Was heißt das im Klartext? „Im Idealfall haben wir für Notsituationen immer drei bis vier Tagesbedarfe bei uns in den Regalen stehen“, sagt der Sprecher. „Davon sind wir momentan weit entfernt.“ Gäbe es beispielsweise ein größeres Unglück, wie etwa einen Zugunfall, sähe es mit der Versorgung der Verletzten schlecht aus. Küpper: „Erfahrungsgemäß finden sich dann immer Menschen, die akut helfen wollen. Das ist aber nicht so einfach möglich, denn bis eine Blutkonserve nach der Spende brauchbar ist, vergehen in der Regel ein bis eineinhalb Tage.“

Durch die kurze Haltbarkeit bestimmter Blutbestandteile werde regelmäßig Nachschub benötigt. Denn einige Blutbestandteile sind nur maximal vier Tage haltbar.

Ruft zur Spende auf: Stefan David Küpper (DRK).

„Wir können uns im Notfall natürlich auf Schwester-Blutspendedienste oder Uni-Kliniken verlassen“, räumt der Sprecher ein. „Aber auch dort ist man derzeit nicht gut versorgt.“

Er bitte deshalb alle Bürger, die zu Hause geblieben oder wieder aus dem Urlaub zurück sind, eine Blutspende zu leisten. Ein besonderer Appell gehe an alle Blutspender, die normalerweise auf sogenannten Firmen-Blutspenden in ihren Unternehmen spenden. „Durch Corona können aktuell viele Blutspendetermine nicht durchgeführt werden“, sagt Küpper. „Wir merken das vor allem an den fehlenden Firmen- und Universitätsterminen. Viele der Mitarbeiter und Studenten arbeiten und lernen aktuell im Home-Office und so fallen die üblichen Termine derzeit beinahe komplett aus“. Alleine dadurch fehlen dem DRK-Blutspendedienst monatlich tausende Blutkonserven.

„Wir führen jede Woche im gesamten Gebiet hunderte Blutspendetermine durch. Wichtig wäre es, dass jetzt alle Spender, die sonst im eigenen Unternehmen spenden, nun auf einen der zahlreichen DRK-Termine in den Heimatgemeinden Blut spenden gehen. Nur so können wir die Ferienzeit überstehen und weiterhin zuverlässig unsere lebensrettenden Blutspenden an Krankenhäuser liefern“ betont Küpper die Wichtigkeit der Spende in diesen Zeiten.

Wer gesund und fit ist, kann Blut spenden. Auch in Zeiten des Coronavirus benötigen Krankenhäuser dringend Blutspenden, damit die Patienten weiterhin sicher mit Blutpräparaten in Therapie und Notfallversorgung behandelt werden können.

Blutspendedienste gewährleisten hohen Schutz

Küpper: „Die aktuell geltenden Zulassungsbestimmungen für die Blutspende gewährleisten auch in Zeiten der Pandemie einen sehr hohen Schutz für Blutspender und Empfänger.“ Begleitpersonen und Kinder von Blutspendern dürfen aus Infektionsschutzgründen das Blutspendelokal leider derzeit nicht betreten. Blutspender werden gebeten, wenn möglich, einen eigenen Kugelschreiber zu benutzen und eigene Mund-Nasen-Bedeckungen mitzubringen.

www.blutspende.jetzt

Termine

Der 7. Blutspende-Marathon findet am Montag, 10. August, 13 bis 20 Uhr, in der Sporthalle Hackenberg, Hackenberger Straße 107, in Lennep statt. Die Blutspende läuft dieses Mal nur über eine Terminreservierung vorab.

terminreservierung.blutspendedienst-west.de/m/Marathon-Hackenberghalle

Standpunkt

anja.siebel @rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Wenn die Not groß ist, wird vielen Menschen bewusst, dass es jetzt mal an der Zeit ist, zu helfen. Das kann man ganz gut bei größeren Katastrophen beobachten oder dann, wenn auf einen bestimmten Notfall explizit hingewiesen wird. Scheint das Unglück aber weit weg und wähnt man sich nicht unbedingt unmittelbar betroffen, dann hakt es auch meist mit der Hilfe. So ähnlich ist das mit der Blutspende. Seit Monaten weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass es zu wenig Blutkonserven gibt. 

Das Deutsche Rote Kreuz bot auch während der Hoch-Phase der Corona-Pandemie Blutspende-Termine an, unter strengen Hygienevorschriften, versteht sich. Aber sicher nicht ohne Grund. Denn die Reserven werden knapper und knapper. Schon jetzt könnte es bei einem dringenden Bedarf, zum Beispiel durch ein größeres Unglück, beunruhigend eng werden. Alle sind jetzt also gefragt, die Blutspendetermine wahrzunehmen. Nächste große Gelegenheit ist der Blutspendemarathon im benachbarten Remscheid-Lennep im August. Also: Nicht erst helfen, wenn es richtig brennt, sondern jetzt. 

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