Lebenswichtige Spende

Blutspende: Auch im Kreis wird es knapp

Immer weniger Menschen gehen zur Blutspende. Das DRK mahnt zum Umdenken.
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Immer weniger Menschen gehen zur Blutspende. Das DRK mahnt zum Umdenken.

Bei der Spendenaktion im Bürgerzentrum brummte es aber zum Glück wieder.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Stephan David Küpper sitzt gerade im Blutspendezentrum am Kölner Neumarkt, als wir ihn telefonisch erreichen. Ehrensache, dass der Sprecher des auch für Wermelskirchen und den Rheinisch-Bergischen Kreis zuständigen Blutspendedienstes West am weltweiten Tag der Blutspende in deren Zeichen unterwegs ist. Und vielleicht ist der Aktionstag auch noch ein bisschen wichtiger als sonst, wie Küpper selbst betont.

Denn: Allerorten werden die Blutspenden knapp. „Probleme gab es schon in den Vorjahren“, erinnert Küpper. „Wobei ich fand, dass sogar während der Pandemie-Zeit noch einiges gespendet wurde. Die Leute hatten ja Zeit“, sagt er schmunzelnd. Anhand eines ausgefeilten Hygienekonzeptes und dank vorheriger Anmeldung, möglichst elektronisch, konnten die Spendetermine auch in Zeiten der Lockdowns weitergehen. Auch in Wermelskirchen gab es regelmäßig das Angebot. „Man kann sagen, dass die Spenden bis vor kurzem auf einem sehr niedrigen Niveau stabil waren“, fasst es Küpper zusammen. Das sei nun nicht mehr so. Er vermutet: „Die Menschen sind jetzt wieder mehr unterwegs, haben viel vor. Und es wird Sommer. Aktionen wie das Blutspenden treten da häufig in den Hintergrund.“

Fatal, denn Blutspenden werden dringend benötigt. Küpper zeichnet ein düsteres Bild: „Wir können jetzt schon die Krankenhäuser nicht mehr mit Blut und Plasma bevorraten. Es ist im Bestfall noch gerade ausreichend da.“ Gäbe es einen Katastrophenfall, beispielsweise einen Massenunfall, bei dem spontan eine Menge an Spenden gebraucht würde, würden die derzeitigen Vorräte des Blutspendedienstes nicht ausreichen, warnt Küpper.

Vom Krankenhaus Wermelskirchen gab es gestern gegenüber dem WGA keine Auskunft darüber, wie es dort um die notwendigen Blut-Vorräte bestellt ist. Fakt ist: Blutkonserven und Blutprodukte sind nach schweren Unfällen, bei größeren Operationen oder zur Behandlung bestimmter Erkrankungen nach wie vor unverzichtbar. In Deutschland können Menschen im Alter von 18 bis 68 Jahren Blut und Plasma spenden. Über dieses Alter hinaus ist eine Spende nach individueller ärztlicher Entscheidung aber ebenfalls noch möglich.

Laut Blutspendedienst West spenden aktuell nur etwa drei Prozent der Menschen in Deutschland Blut. Mit der bundesweit angelegten Kampagne „#missingtype - erst wenn’s fehlt, fällt‘s auf“ machen die DRK/BRK Blutspendedienste seit dieser Woche mit breiter Unterstützung auf die dringende Notwendigkeit von Blutspenden aufmerksam. Ziel sei es laut Stephan David Küpper einerseits, neue Spenderinnen und Spender für eine erste Blutspende zu begeistern sowie diese dann auch zu überzeugen, als Lebensretter kontinuierlich aktiv zu bleiben.

Nächster Blutspende-Termin: 20. Juni in Dabringhausen

Um auf die Alternativlosigkeit von gespendetem Blut aufmerksam zu machen, verzichten in der Woche ab dem 14. Juni viele Organisationen, Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens in ihren Social-Media-Beiträgen auf die Buchstaben A, B und O – stellvertretend für die benötigten Blutgruppen A, B, AB und Null.

Die Ortsgruppe Wermelskirchen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) konnte sich indes beim Spendetermin gestern im Bürgerzentrum nicht über mangelnden Besuch beklagen. „Bis in die späten Nachmittagsstunden brummte es“, berichtete Tobias Koebke vom DRK auf WGA-Nachfrage. „Vor drei Monaten sah es aber auch bei uns anders aus. Da hatten wir eine echte Flaute.“ Umso mehr wirbt Koebke dafür, beim nächsten Termin am 20. Juni (15 bis 19 Uhr) in der Dabringhauser Mehrzweckhalle dabei zu sein. „Es ist wirklich lebenswichtig“, sagt er. Spender sollten sich per Mail anmelden unter: www.drk-blutspende.de.

Weltblutspendetag

Zum Weltblutspendetag am gestrigen 14. Juni riefen der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam mit Blutspendeeinrichtungen bundesweit dazu auf, Blut und Plasma zu spenden. Mit Vor-Ort-Aktionen in mehreren großen Städten macht die BZgA rund um den 14. Juni auf die Bedeutung von Blutspenden aufmerksam, um für das Thema zu sensibilisieren.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Sich den Ruck geben

anja.siebel@rga.de

Klar. Bei bestem Sommerwetter liegt man im Garten, besucht Open-Air-Konzerte oder sitzt im Biergarten, wenn man frei hat. Aber zur Blutspende? Um sich tatsächlich einen doch vergleichsweise unangenehmen Aderlass verpassen zu lassen, dazu muss man sich gerade jetzt schon einen Ruck geben. Dieser Ruck ist aber überlebenswichtig; im Zweifel sogar für sich selbst oder einen nahen Angehörigen. Denn schnell kann es dazu kommen, dass man selbst auf fremdes Blut angewiesen ist. Sei es durch einen Unfall, eine ungeplante schwere Operation oder eine lebensverkürzende Erkrankung. Themen, mit denen sich zur schönsten Sommerzeit, in der die Pandemie gerade mal eine kleine Pause einlegt, niemand so gern beschäftigen möchte. Sollte man aber. Denn den Blutspendediensten wird der Saft knapp. Wenn das kein Alarmzeichen ist. Also, vor dem Biergarten rasch ins Auto und zum Blutspendetermin. Tut auch gar nicht weh.

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