Blutspende

Blut im Krankenhaus noch nicht knapp

Dr. Katrin Colinas-Winkler ist die Managerin der Blutkonserven im Krankenhaus.
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Dr. Katrin Colinas-Winkler ist die Managerin der Blutkonserven im Krankenhaus.

Chefärztin Katrin Colinas-Winkler koordiniert das Blut-Management im Krankenhaus.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Allerorten werden die Blutspenden knapp. Das hatte der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes mit Sitz in Hagen bereits anlässlich des Tages der Blutspende im Juni angemahnt. Blutspender werden entsprechend dringend gesucht.

„Probleme mit fehlenden Spendern gab es schon in den Vorjahren“, erinnert Stephan David Küpper, Sprecher des auch für den Rheinisch-Bergischen Kreis zuständigen Blutspendedienstes. Während der Pandemie-Zeit sei noch einiges an Spenden geflossen, berichtet Küpper. Denn aufgrund eines ausgefeilten Hygienekonzeptes und dank vorheriger Anmeldung zu den Blutspendeterminen, möglichst elektronisch, konnten die Spendenaktionen auch in Zeiten der Lockdowns weitergehen.

Auch in Wermelskirchen gab es regelmäßig das Angebot. „Man kann sagen, dass die Spenden bis vor kurzem auf einem sehr niedrigen Niveau stabil waren“, fasste es Küpper vor einigen Wochen noch zusammen. Das sei nun nicht mehr so. Er vermutete: „Die Menschen sind jetzt wieder mehr unterwegs, haben viel vor. Und es ist Sommer. Aktionen wie das Blutspenden treten da häufig in den Hintergrund.“ Gerade während der Sommerferien bestehe wenig Interesse am Blutspenden. Entsprechend knapp sehe es bei den Blut-Beständen aus.

Im Krankenhaus Wermelskirchen gibt es indes noch keine Knappheit von Blutkonserven. Das bestätigt die dortige Chefärztin für Anästhesie und operative Intensivmedizin Dr. Katrin Colinas-Winkler auf WGA-Nachfrage. Die Medizinerin koordiniert im Krankenhaus die die Einhaltung der Richtlinien, Empfehlungen, Leitlinien des Umganges mit Blutprodukten sowie das Blutdepot.

Jeder kann mal auf eine Blutspende angewiesen sein.

Dr. Katrin Colinas-Winkler

Während in anderen Kliniken wegen der Blutknappheit zum Teil Operationen verschoben werden mussten, ist das in Wermelskirchen nicht der Fall. „Zum einen, weil wir gut haushalten und nur nach Bedarf bestellen und zum anderen, weil wir blutsparend arbeiten.“ Aber was heißt das? „Wir planen zum Beispiel vorausschauend, wie viele Blutkonserven wir je Abteilung brauchen“, schildert Colinas-Winkler. Im Jahr 2021 waren es insgesamt 937 Konserven, die an Patienten transfundiert wurden. Zudem werde bei OPs, bei denen höherer Blutverlust zu erwarten sei, wenn möglich das sogenannte Cell-Saving-Verfahren angewandt. Dabei wird während oder nach einer Operation, die mit einem stärkeren Blutverlust einhergeht, Blut des Patienten aus dem Operationsgebiet auffangen und wiederaufbereitet, um es dem Patienten zeitnah wieder zu re-transfundieren.

Während viele immer noch der Meinung sind, dass gerade bei schweren Unfällen oder eben Operationen mit hohem Blutverlust Blutspenden notwendig würden, sind es doch meist andere Patienten, die am dringendsten Fremdblut benötigen: „Statistisch gesehen wird das meiste Blut zur Behandlung von krebskranken Patienten benötigt“, sagt die Medizinerin. „Gefolgt von Erkrankungen des Herzens, des Magen-Darm-Traktes, Sport- und Verkehrsunfällen.“

Die Transfusionen würden bei Tumor-Patienten, bei denen die Eigenblutbildung im Knochenmark gestört ist oft zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Organismus und damit zur Steigerung der Lebensqualität beitragen. Colinas-Winkler: „Eine Tumorerkrankung ist ja eine konsumierende Erkrankung, die häufig mit Anämie, also einer Blutarmut begleitet wird.“ Das führe dann bei den Patienten zu Atemnot, erhöhtem Puls sowie zur Einschränkungen im täglichen Leben.“ Auch in Folge einer Chemotherapie könne es zu diesen Symptomen kommen.

Wenn der Lebenssaft auch in Wermelskirchen noch nicht knapp ist, so ruft auch Dr. Katrin Colinas-Winkler die Menschen zur Blutspende auf. „Jede und jeder kann in eine Situation kommen, in der er auf eine Transfusion angewiesen ist“, betont sie. „Sei es durch Blutungen im Magen-Darm-Trakt, einen schweren Unfall oder eben auch aufgrund einer Krebserkrankung. Deshalb sollte es für gesunde Bürger selbstverständlich sein, Blut zu spenden.“⋌

Marathon

Der 9. Remscheider Blutspende-Marathon, veranstaltet von DRK, RGA, Stadt Remscheid und Radio RSG, findet am 8. August von 13 bis 20 Uhr in der Sporthalle Hackenberg, Hackenberger Straße 107, statt. Bitte vorab einen Platz buchen: Tel. (08 00) 1 19 49 11 oder: blutspende.jetzt

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Keine Garantie

anja.siebel@rga.de

Krankheit, Spritzen, Blutkonserven – alles Dinge, mit denen sich wohl viele Menschen in diesen Tagen eher nicht beschäftigen wollen. Soll doch die Sommerzeit lieber unbeschwert vonstatten gehen, denkt so mancher. Aber die Notwendigkeit von Blutspenden richtet sich nun mal nicht nach dem Sommer und dem Bedürfnis der Menschen nach Ferien und Schönem. D

er Bedarf ist im Gegenteil immer da und wird mit zunehmendem demografischen Wandel und einem Mehr an älteren Mitbürgern sogar stetig größer. Dass das hiesige Krankenhaus derzeit noch keinen Mangel an Blutvorräten beklagen muss, ist zwar beruhigend, aber es gibt noch lange keine Garantie, dass das auch so bleibt. Das heißt, dass viel mehr Menschen sich einen Ruck geben und Blutspendetermine wahrnehmen müssen. Eine prima Gelegenheit dazu bietet der in Remscheid bald anstehende Blutspendemarathon. Dort kann man gemeinsam Gutes tun.

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