Er blickt am liebsten in unendliche Weiten

Michael Hoppe hat seine Sternwarte mit hochmoderner Technik ausgestattet. Kernstück ist ein leistungsstarkes Teleskop. Foto: Jürgen Moll
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Michael Hoppe hat seine Sternwarte mit hochmoderner Technik ausgestattet. Kernstück ist ein leistungsstarkes Teleskop. Foto: Jürgen Moll

Michael Hoppe hat eine kleine Sternwarte

Von Theresa Demski

Mit einem Summen öffnet sich das Dach des kleinen Gartenhauses. Die gewölbte Abdeckung schiebt sich zur Seite, und über Michael Hoppe erstreckt sich der dunkle Nachthimmel. Er wirft einen Blick auf den klaren Himmel, sieht Sterne funkeln und den Mond leuchten. „Astronomie ist aber was ganz anderes, als mit einem Glas Rotwein in den Himmel zu gucken“, sagt Michael Hoppe und tritt dann näher an das Teleskop, das in dem Gartenhaus der besonderen Art seinen Platz gefunden hat.

Auf der Terrasse hinter dem Haus hat der Wermelskirchener seine eigene kleine Sternwarte eingerichtet – hochmoderne Technik und gute Voraussetzungen. Aber Hoppe warnt: „Anfänger machen sich oft ein falsches Bild von dem Blick durch das Teleskop“, sagt er. Wer ohne Vorkenntnisse in den Himmel blickt, habe sogar Schwierigkeiten, den Mond zu finden. „Astronomie braucht Zeit und Geduld“, sagt Hoppe. Und genau die nimmt er sich.

Die Augen müssen sich an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen, die Luft zwischen der Erde und den Sternen darf nicht stören. Manchmal vergehen 30 oder auch 45 Minuten. „Und dann plötzlich eröffnet sich vor einem eine andere Welt, man merkt, wie der Tag ausatmet und die Nacht beginnt“, sagt Hoppe. Es seien Grautöne, Strukturen, Gebirge, Krater, Verwerfungen, die sich dann eröffnen. Und weil sich Michael Hoppe schon fast sein ganzes Leben lang mit den Sternen beschäftigt, weiß er, was er sieht. Er erkennt die verschiedenen Jahreszeiten auf dem Mars, er freut sich über den Schweif des Saturns, über Kometen oder den Blick auf Raumstationen.

„Diese Weite“, sagt er flüsternd. Und dann blickt er auf den Laptop, den er ebenso wie die Kamera an das Teleskop angeschlossen hat. Weil er die Belichtungszeiten an der astromodifizierten Kamera sorgfältig wählt, das Licht sammelt, kleine Serien herstellt, bestimmte Farben betont, eröffnet sich hier ein zweiter Blick ins All. Dann haben Nebel plötzlich Farben, dann leuchten Dimensionen. „Ich sehe Sterne, die 1600 Lichtjahre entfernt sind und andere, die gerade mal fünf Minuten brauchen, um ihr Licht zur Erde zu schicken“, sagt er. Das bedeutet: Vergangenheit und Gegenwart treffen beim Blick ins All aufeinander. „Wir sehen Bilder, die aus den Anfängen des Universums stammen“, sagt Hoppe, „weil das Licht so lange zur Erde unterwegs ist. Das ist faszinierend.“

Faszination packte ihn schon als Kind

Diese Faszination packte Michael Hoppe schon damals, als er mit der Schulklasse zum ersten Mal in der Westfälischen Volkssternwarte in Recklinghausen zu Gast war. „Das war spannend“, erinnert er sich. Und er habe sich gefragt: „Was ist da noch?“ Die Neugier trieb ihn an, und der Junge wurde zum Stammgast in der Sternwarte. Er lernte und forschte und spielte kurz mit dem Gedanken, den Weg beruflich weiter zu gehen. „Aber ich fand die Astronomie am Ende vor allem als Hobby faszinierend“, sagt er und konzentriert sich beruflich auf Finanzen.

Inzwischen ist er bestens vernetzt mit anderen Amateurastronomen und Astrofotografen, die auch Kontakte zu den Profis haben. „Manchmal werden wir eingesetzt, weil wir die Möglichkeit haben, bestimmte Bereiche über einen langen Zeitraum zu beobachten. Die Daten stellen die Amateure dann den Profis zur Verfügung. „Und dann geht es um die ganz großen Fragen.“ Am frühen Morgen, wenn andere in den Tag starten, schaltet Hoppe das Teleskop ab und schließt das Dach. „Der Blick in die Sterne hilft einem, viele Dinge etwas gelassener zu sehen“, sagt Hoppe. Die eigenen Dimensionen würden neu geordnet.

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