Lockerung der Corona-Einschränkungen

Bildungseinrichtungen: Alles mit Bedacht

Kathrin Ludwig freut sich als Leiterin der Stadtbücherei, dass es weitergeht. Archivfoto: Steffi Knupp
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Kathrin Ludwig freut sich als Leiterin der Stadtbücherei, dass es weitergeht. (Archivfoto)
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Volkshochschule und Stadtbücherei sind geöffnet, aber längst nicht im Normalbetrieb.

Von Anja Carolina Siebel

Nichts ist wie sonst in den Räumen der Stadtbücherei an der Kattwinkelstraße. Und doch sind Team und Kunden dort froh, dass es seit vorigen Montag weitergeht mit der Buch-Ausleihe. „Natürlich gibt es auch bei uns, wie in allen öffentlichen Gebäuden, strenge Hygienevorschriften“, erklärt Büchereileiterin Kathrin Ludwig. So müssen die Besucher Masken tragen und die Abstandsregeln einhalten. Es dürfen sich nicht mehr als 15 Besucher gleichzeitig in der Bücherei aufhalten. Vor dem Eingang steht ein Ständer mit Desinfektionsmittel für die Hände.

„Natürlich haben wir auch unsere Sitzecken erst einmal entfernt“, sagt Kathrin Ludwig. Denn länger als notwendig aufhalten in der Bücherei sollte sich niemand. Und wer drin war, wird registriert. Ludwig: „Wir haben über den Bibliotheksausweis die Möglichkeit, Besuche nachzuvollziehen, um dann bei einer möglichen Infektion reagieren und die betreffenden Personen kontaktieren zu können.“

Während der siebenwöchigen Zwangspause haben die Mitarbeiter der Stadtbücherei den Bestand auf Vordermann gebracht und Dinge erledigt, „zu denen wir sonst nicht kommen.“ Nun freue man sich wieder über Besucher an der Kattwinkelstraße.

„Für Veranstaltungen fehlt uns jetzt einfach der Platz.“

Kathrin Ludwig, Leiterin Stadtbücherei

Veranstaltungen, wie sonst in der Stadtbücherei üblich, finden vorerst nicht statt. „Wir werden das auch vor den Sommerferien nicht mehr machen; dafür ist einfach zu wenig Platz“, sagt die Büchereileiterin. So gibt es derzeit keine Lesungen, keine Leseförderung für Kinder und auch keine Klassenbesuche. „Die Schulen haben jetzt für so etwas auch keine Zeit, sie müssen erst einmal ihren neuen Alltag organisieren“, betont Kathrin Ludwig.

Auch den beliebten Sommerleseclub wird es 2020 nicht geben. Zwar lädt die Leiterin Schüler dazu ein, sich für die Sommerferien mit viel Lesestoff einzudecken. „Aber ohne das gut besuchte Abschlussfest mit Preisvergabe wäre der Leseclub einfach nicht das, was er sein sollte.“ Und so hoffen sie, ihr Team und die großen und kleinen Besucher, dass sich die Situation im Herbst wieder etwas entspannt hat und es auch mit den Veranstaltungen weitergehen kann.

Ähnlich sieht es bei der Volkshochschule aus. Leiter Klaus-Jürgen Miesen sieht den regulären Betrieb, mit Kursen und vollen Terminkalendern, frühestens im neuen Semester ab September weitergehen. „Wir greifen ja für die Kurse vorwiegend auf Klassenräume in Schulen zurück“, erklärt er. „Dort gibt es jetzt aber wegen der besonderen Hygieneauflagen Betretungsverbote. Es wäre zurzeit für uns auch gar nicht möglich, dort Unterricht stattfinden zu lassen.“

Das Team der Volkshochschule nutzt auch Zimmer im Pastor-Löh-Haus in Burscheid und im Bürgerhaus Leichlingen. Der Platz dort sei aber nicht ausreichend. Zurzeit überlegten er und seine Mitarbeiter, wie die Deutsch- und Integrationskurse für Migranten weiterlaufen könnten. Miesen: „Auch sie müssen wir logischerweise teilen, weil sie sehr groß sind, wir haben meist rund 20 Teilnehmer.“ Es werde Gespräche darüber geben, inwieweit diese für die Migranten wichtigen Kurse doch stattfinden könnten.

Wenn es im Herbst weitergehen sollte, bleibt für das Team der Volkshochschule eine große Sorge: „Wir hoffen nicht, dass ein Einbruch kommt, dass die Menschen dann vielleicht keine Lust mehr auf Weiterbildung haben“, sagt der Volkshochschulleiter.

Möglicherweise fehle bei einigen durch wirtschaftliche Einbrüche, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit auch das Geld für zusätzliche Ausgaben. Miesen: „Das sind aber heute Spekulationen. Wir hoffen nicht, dass das eintritt, sondern dass wir im Herbst mit gewohntem Engagement weitermachen können.“ | Standpunkt

Coronavirus in Wermelskirchen

Am Freitag ist ein weiterer bestätigter Corona-Fall im Rheinisch-Bergischen Kreis bekanntgeworden. Damit steigt die Gesamtzahl der im Kreis positiv auf das Coronavirus getesteten Personen auf 440 an. Aus dem Krankenhaus Wermelskirchen liegen die Testergebnisse vor: alle mit negativem Ergebnis. Der Kreis veröffentlicht nun täglich die Anzahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner. Gestern lag sie bei 3,5.

Standpunkt: Was wird aus der Bildung?

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Geschlossene Schulen, Homeschooling bei den Eltern, kein Kita-Betrieb, geschlossene Bildungseinrichtungen wie Büchereien oder Volkshochschulen. Die Krisenzeit fordert uns in vielen Bereichen heraus. Der Shutdown bringt vor allem viele Lücken mit sich, die es jetzt langsam wieder gilt zu schließen. Soweit das überhaupt möglich sein kann. Denn Normalität ist längst nicht eingekehrt. In den Volkshochschulen gibt es keine Kurse, selbst der für Migranten wichtige Deutsch- und Integrationsunterricht entfällt, die Bücherei bietet keine Leseförderung an, und längst sind nicht alle Schüler und Kita-Kinder wieder in ihren Einrichtungen. 

Eltern können zwar unterstützen, sind aber oft selbst überfordert – mit Arbeit, Hausarbeit und dann auch noch der Beschulung und Förderung ihrer Kinder. Die wiederum können ihren Hobbys nicht nachgehen, keinen Sport treiben, nicht mit ihresgleichen in gewohnter Weise umgehen. Wo bleibt die Bildung?, muss man sich da bei aller Unsicherheit auch fragen. Und die Antwort lautet am Ende hoffentlich nicht: Auf der Strecke. 

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