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Biker spenden für Missbrauchsopfer

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Der Motorradclub will Gutes tun. Daniel Maus (Mitte) und seine Motorradfreunde engagieren sich regelmäßig für gute Zwecke.

Aktuelle Fälle hatten die Motorrad-Clique „Bergische Brüder“ aufgerüttelt.

Von Anja Carolina Siebel

Auf den ersten Blick sind sie „harte Jungs“, mit Motorradkluft, langen Haaren und Tattoos. Wer die Motorradclique „Bergische Brüder“ aus Wermelskirchen kennt, weiß aber, dass unter der zum Teil harten Schale ein sehr weicher Kern schlummert. Regelmäßig versuchen die Motorrad-Jungs, sich für den guten Zweck zu engagieren und „anderen, denen es nicht so gut geht wie uns, eine Freude zu bereiten“, fasst es Daniel Maus von den „Bergischen Brüdern“ zusammen.

Aktuell beschäftigen die Motorradfahrer die Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern, durch die zuletzt ein Wermelskirchener als Hauptbeschuldigter in die Schlagzeilen geraten war. „Das war bei uns wie bei vielen Wermelskirchenern absolutes Gesprächsthema – und wir haben uns gefragt: Was können wir tun? Wie können wir die Opfer irgendwie unterstützen, uns solidarisch mit ihnen zeigen?“

Schnell war den Bikern mit Vereinssitz in Polhausen klar, dass sie eine Gemeinschaftsaktion auf die Beine – oder besser: auf die Räder – stellen wollen. „Jeder ist bestürzt über die grausamen Kindesmissbrauchsfälle“, schreibt die Truppe auf ihrer Facebook-Seite.

Und: „Wir möchten als Wermelskirchener Motorrad-Club ein Zeichen setzen und mit euch Motorrad fahren, eine Ausfahrt machen, einen Children-under-Protection-Run. Eingeladen sind natürlich auch alle Besucher, die ohne Motorrad kommen möchten, jeder spendenfreudige Bürger ist herzlich willkommen“, heißt es weiter. Treffen wollen sich die Hobby-Motorsportler und Spendenwilligen am 9. Juli ab 10 Uhr in der Pohlhauserstraße 76 in Wermelskirchen. Die gemeinsame Ausfahrt beginnt um 11 Uhr. Vor Ort stehen Getränke, Kaffee und Kuchen bereit.

Sinn und Zweck des „CUP-Run“ sei es, so viele Spenden wie möglich zusammen zu bekommen. Die Ausfahrt geht von Pohlhausen zum Bevertreff in Hückeswagen. Das Team sei mit Grillwaren und Getränken auf die Motorrad-Truppe vorbereitet. „Im Anschluss ist jeder bei uns im Clubhaus in Wermelskirchen noch herzlich willkommen.“

„Wir wollen als Wermelskirchener Motorradclub ein Zeichen setzen.“

Daniel Maus, Clubmitglied

Der Club startet mit einer eigenen Spende in Höhe von 200 Euro. Und hofft auf die Spendenbereitschaft aller Teilnehmenden und Gäste. Zugute kommen soll sie der Kinderschutzambulanz Bergisch Land. Die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land mit Sitz am Sana-Klinikum in Remscheid ist eine Fachstelle mit einem multiprofessionellen Team für Kinder und Jugendliche, die von körperlicher Misshandlung, Vernachlässigung oder sexueller Gewalt betroffen sind. Sie wurde 1989 durch Kinderärzte der ortsansässigen Kinderklinik gegründet.

„Ich hatte ein langes Gespräch mit dem Team und war mir danach sicher, dass unsere Spenden dort gut aufgehoben sind“, berichtet Daniel Maus. „Wir können ja nicht direkt an Opfer spenden; da kam uns diese Anlaufstelle gelegen. Wir hoffen einfach, dass wir ein bisschen helfen können.“

Geholfen, das haben die Bergischen Brüder schon häufiger. Einen Elektro-Rollstuhl für eine Wermelskirchenerin mit Handicap besorgt zum Beispiel. Oder während der Corona-Pandemie Kassiererinnen und Kassierer im Supermarkt mit Blumen überrascht. Unvergessen bleibt der Truppe die gemeinsame Ausfahrt mit einem körperbehinderten Jungen. „Das war eine tolle Sache für ihn, aber auch für uns“, sagt Daniel Maus.

Generell würden sie nicht müde, sich für andere einzusetzen. „Uns geht es so gut, wir haben alles, stehen jeden Morgen weitestgehend gesund auf. Warum sollten wir denn nicht andere unterstützen?“ Ein bisschen, sagt Daniel Maus, wollen sie auch dem nicht so guten Image, das Motorrad-Cliquen mitunter anhafte, entgegentreten: „Aber das ist nicht das Entscheidende. Ich denke, wir können auch so beweisen, dass wir anständige Jungs sind. Die eben auch ein Auge auf die Mitmenschen um uns herum haben.“

Motorradclub

Club: Die Bergischen Brüder sind ein privater Motorradclub, der sich für soziale Zwecke engagiert. Es gibt aber auch gemeinsame Ausfahrten, Aktivitäten und Treffen mit anderen Clubs, erklären die Mitglieder.

Termin: Der Treffpunkt für die Benefizfahrt ist am Samstag, 9. Juli um 10 Uhr in der Pohlhauser Straße 76. Um 11 Uhr beginnt die Ausfahrt, spendenwillige Bürger und andere Hobby-Motorsportler sind herzlich eingeladen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Jungs mit Niveau

anja.siebel@rga.de

Da hat Daniel Maus von den Bergischen Brüdern wohl recht: Oft ist es so, dass Motorrad-Cliquen ein eher negatives Image anhaftet. Wohl, weil es schon vorkam, dass sie in Pöbeleien oder Rangeleien mit unschönem Ausgang verwickelt waren. Aber dieses Schubladen-Denken hilft wenig. Viele Motorsport-Fans sind alles andere als Pöbler – und viele Motorrad-Clubs haben sich längst auf die Fahnen geschrieben, sich sozial zu engagieren.

Vielleicht auch deshalb, weil sie dem negativen Image entgegenwirken und die Menschen eines Besseren belehren möchten. Den Bergischen Brüdern gelingt das schon lange. Und die aktuelle Aktion, sich aktiv gegen Missbrauch einzusetzen und für die Kinderschutzambulanz zu sammeln, die wertvolle Arbeit für betroffene Kinder leistet und nebenbei auch auf Spenden angewiesen ist, beweist: Diese Jungs haben Niveau. Bleibt, ihnen zu wünschen, dass eine Menge Geld zusammenkommt.

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